Gespräch mit Bob Gysin: Nachhaltigkeit und die Stadt

[Swissbau2010]

Hochparterre Chefredaktor Köbi Gantenbein im Gespräch mit dem Architekten Bob Gysin.

Shigeru Ban – der Star der Provisorien

[Swissbau2010]

Aufgeboten von der Stiftung Architekturdialoge Basel: Tomaso Villa vom Büro Fuksas und Shigeru Ban
Aufgeboten von der Stiftung Architekturdialoge Basel: Tomaso Villa vom Büro Fuksas (l) und Shigeru Ban (r)

Er baut im französischen Metz das neue Centre Pompidou mit einer Holzdach-Konstruktion des Schweizer Systembauers Hermann Blumer und dem Herisauer Ingenieurbüro SJB Kempter.Fitze. Er plant in Zürich das neue, siebenstöckige Bürohaus für den Medienkonzern Tamedia (ein Holzhaus) und am Samstag füllte er den grössten Saal im Basler Kongresszentrum auf Einladung der Stiftung Basler Architekturdialoge im Rahmen der Swissbau 2010. Shigeru Ban unterhielt das Publikum aufs Beste. Es sei zwar toll, für Reiche, für Kulturinstitutionen und die Industrie zu bauen, aber es sei ihm peinlich, dass Architekten an den Opfern der Erdbeben – wie eben in Haiti – schuld seien. Denn nicht die Beben als solche, sondern die falsch konstruierten Häuser forderten ja die vielen Opfer.

Daraus zog er schon vor Jahren die Konsequenz und begann für das UNHCR bessere und doch billige Notunterkünfte zu konstruieren. Einfachheit sei sein Leitmotiv, auch wenn die Dachkonstruktion wie jene des Centre Pompidou in Metz kompliziert aussehe, sei sie es nicht. Einfache, teils verzogene Hexagone und der asiatische Strohhut – das sind seine Ausgangsformen. Shigeru Ban (53), in Tokyo geboren und in Kalifornien zum Architekten ausgebildet, schwärmte von seinen Vorbildern, von Alvar Aalto und Mies van der Rohe. Doch japanische Häuser seien eben nicht nur transparent wie deren Häuser, sie seien auch strukturell offen und flexibel. Er zeigte, wie die Schlafboxen in einem Haus so gestellt werden können, dass sie im Winter auf der Sonnenseite stehen und im Sommer auf der Schattenseite, so, dass die Kinder vor dem Airconditioning schlafen können und Oma am Durchzug-geschützten Plätzchen – und falls man sich mit seiner Frau verkrache, könne man die Schlafkojen weit auseinander aufstellen.


Einfache, teils verzogene Hexagone und der asiatische Strohhut – das sind Shigeru Bans Ausgangsformen.

Doch Shigeru Bans Engagement gilt nicht nur dem Bau von Luxusunterkünften. Im Kontakt mit dem UNHCR baute er eine billige und leichte Trägerkonstruktion für Notzelte. Seine Kartonröhren sind stabil und feuerfest – auch wenn er das den Behörden immer wieder aufs Neue beweisen muss. Die Notunterkünfte stellt er auf Plastik-Getränkeharasse, so sind sie am schnellsten errichtet. Bereits arbeitet sein Büro an einem Notspital für Haiti – sein Know-how stellt der Stararchitekt gerne den Ärmsten unter den Opfern zur Verfügung und erntete dafür tosenden Applaus.

Transparenzen, Spiegelungen und amorphe Formen

[Swissbau2010]

«Bubble» des Nardini-Forschungszentrums
«Bubble» des Nardini-Forschungszentrums

Zu den Basler Architekturdialogen war auch Massimiliano Fuksas angekündigt, doch aus gesundheitlichen Gründen musste er sich durch seinen Projektleiter Tomaso Villa vertreten lassen. Dieser zeigte an einer breiten Werkauswahl die wichtigen Elemente von Fuksas' Arbeiten: Den Dialog von zwei unterschiedlich ausformulierten Fassaden, die er nebeneinander stellt, die organisch amorphen Formen, die er dank neuer Technik immer weiter entwickelt. Dazu Transluzenzen und Spiegelungen – und Farbe. Seit Jahren entwickelt Fuksas diese Linie weiter. Zu den neusten Projekten gehört ein Friendenszentrum in Jaffa in Israel, die neue Mailänder Messe oder die «Bubbles» des Forschungszentrums der italienischen Distillerie Nardini, sowie drei Armani-Shops oder der gerade im Bau stehende Flughafen in Shen-Zen in China.

Gespräch mit Maria Lezzi: Nachhaltige Raumentwicklung

[Swissbau2010]

Hochparterre-Redaktorin Rahel Marti im Gespräch mit Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung.

Wasserlos glücklich

[Swissbau2010]

Urimat mit Bildschirm Hellbrok

Spätestens nach einem Tag Swissbau weiss man: Nachhaltigkeit ist nicht nur gut, sondern auch gut fürs Geschäft. Viel Schabernack muss das arme Wort erdulden. Zum Beispiel in der Welt der Bäder: Hier möchte der Mensch einfach Mensch sein und geniessen. Also schmücken sich viele Hersteller mit dem gewissenberuhigenden Wort, kümmern sich ansonsten um den Wasserverbrauch aber wenig. Doch es gibt Alternativen, nicht zuletzt fürs stille Örtchen: Die Firmen Urimat und Hellbrok präsentieren ihre neusten Errungenschaften fürs wasserlose Geschäft. Urimat exportiert seine wasserlosen Pissoirs in 40 Länder - es gibt Weltgegenden, wo das Wasser heiliger ist als bei uns. Alle Urimate werden aber samt und sonders in Feldbach ZH und Oberentfelden AG hergestellt. Mann hat die Wahl: Klare Linien und Farben bei Hellbrok oder Pissoir mit integriertem Werbefilmfenster bei Urimat. Gut fürs Geschäft.

Nachtrag zum Chuchichäschtli der Zukunft

[Swissbau2010]

Chaeschtli mit MotorVorhin war die Rede von scheinbar Motor bewegten Küchentürchen. Das gibt es tatsächlich: Ein zweiter Besuch beim Blum-Stand führte zu diesem Oberschrank, dessen Gelenktüre von einem Motor flink, aber elegant hochgefahren wird. Sie denken: Schabernack, Randerscheinung? Gefehlt: Motorbetriebene Chuchichäschtli gebe es seit etwa zwei Jahren und sie seien sehr im Kommen, berichtete der Verkäufer.

 

 

 

Sparen mit der Steuerpatrone

[Swissbau2010]

Wasser sparende Armaturen sind angesagt, schon länger. Seit drei Jahren baut die Similor Group die Steuerpatrone Ecototal+ in die Armaturen, die den Wasser- und Energieverbrauch einschränkt. Rolf Schmidt (zu sehen in unserer Leute-Galerie) erklärt, wie es geht: Hebt man den Hebel hoch, um mehr Wasser fliessen zu lassen, muss man ab einem bestimmten Punkt eine Bremse überwinden. Und drückt man den Hebel nach links, zum warmen Wasser, ebenso. Ausserdem ist die Normalposition auf kaltes Wasser eingestellt, will man solches, mischt man nicht erst noch warmes Wasser dazu, wie das bei vielen anderen Armaturen der Fall ist. Zwei einfache Krücken, die unser Verhalten steuern - ohne Komforteinbusse. Doch der Widerstand, der für mehr oder noch wärmeres Wasser überwunden werden muss, ist physisch spürbar und warnt uns so vor Übermass.

Wasser- und Energiesparen mit V-Zug

[Swissbau2010]

Stromsparen sei für die Kunden nachwievor ein zentrales Argument, die Klassierung der elektrischen Geräte im Haushalt nach Energieeffizienz entscheide oft über den Kauf, bestätigt Michael D. Graf, Leiter Key Account bei V-Zug, (zu sehen in unserer Leute-Galerie). Auch wenn es sich bei den hiesigen niedrigen Stromkosten übers Jahr für den Kunden nur um einen kleinen Betrag handle, der eingespart werden könne.
Wichtiger für das Unternehmen ist das Stichwort Graue Energie. Ein Vorteil, liegt die Produktion im Inland, das immer noch der Hauptmarkt bilde und so die Transportwege kurz ausfallen. Die Sensibilität der Kunden sei hoch, mit dem Firmenlastwagen eine einzelne Waschmaschine ins Wohnquartier zu liefern, nicht mehr opportun. Deshalb bekommt man eine V-Zug-Maschine nur noch beim Fachhändler, oder die Firma liefert direkt auf die Baustelle.

Aufgefallen

[Swissbau2010]

Der Küchenhersteller Alpnach Norm hat Illustratoren eingeladen. Jeden Tag zeichnen sie je zwei Tafeln am Stand, heute sind es Christoph Barmettler und Matthias Leutwyler aus Luzern (zu sehen in unserer Leute-Galerie). Sie nehmen auf, was sie von der Firma kennengelernt haben und setzen es um - frei, einzige Vorgabe: das Firmenlogo muss integriert werden. Die gesammelten Tafeln werden am Schluss der Messe in der Produktion in Alpnach aufgestellt werden, eine der Tafeln wird in einen Schrank umgebaut - auf dass die kreative Nachwuchsförderung erhalten bleibe.

 

 

 

 

Die Leichtbauplatte in der Küche

[Swissbau2010]

Leicht ist sie, die Platte: sie braucht weniger Material und weniger Bindemittel als in Spanplatten, die glänzende Oberfläche könne mit weniger Reinigungsmitteln geputzt werden. Zum ersten Mal komme sie im Küchenbau zum Einsatz, sagt Marc Herren, der in Thun Piatti vertritt. Überhaupt sei Nachhaltigkeit auch im Küchenbau gefragt, und so hat Piatti nicht nur die leichte Wabenplatte im Programm, sondern auch eine Recycling-Abdeckung aus 75% Altglas, setzt wasser- und stromsparende Armaturen und Elektrogeräte ein. Das alles lohne sich dann, wenn grosse Objekte mit einer Eco-Küche von Piatti ausgestattet werden, sagt Unternehmensleiter Peter Holliger (zu sehen in unserer Leute-Galerie). Ist besser teurer? Ja, aber sie können die Kunden vom Mehrwert überzeugen. Und unter den 21 Küchenhersteller an der Swissbau sei es wichtig, mit neuen Konzepten auftzutreten. Auf dass Nachhaltigkeit nicht nur an der Fassade, sondern  auch im Innenausbau ein Thema werde.
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