Tagungsbericht Teil 2

... Dann stellte Mathias Heinz vom Büro Pool Architekten jenes Mehrfamilienhaus an der Zürcher Badenerstrasse vor, welches das Büro zurzeit im Auftrag der Baugenossenschaft Zurlinden erstellt und das, wenn es im April 2010 bezogen wird, das erste mit den Zielen der 2000 Watt-Geselleschaft kompatible Gebäude in Zürich sein wird.

In der anschliessenden Paneldiskussion erörterten Heinz und einige der Referenten des Vormittags, welche Auswirkungen die 2000 Watt-Anforderungen an Planung und Bau stellten. Das Fazit war klar: Bauherrschaft und Planenden müssen eng zusammenarbeiten – das Diktum «Gute Architektur braucht eine gute Bauherrschaft» lässt sich ab sofort erweitern zu «Nachhaltige Architektur braucht eine gute Bauherrschaft». Heftig diskutiert und am Ende offen blieb die Frage, ob und wie weitgehend energetische Berechnungen bereits Bestandteil einer Wettbewerbsabgabe sein sollen. Architekt Mathias Heinz wehrte sich gegen zu hohe Anforderungen. Ausserdem erklang Kritik, dass Fachplanerinnen und Fachplaner zwar zentral seien für die Ziele, dafür aber viel zu schlecht bezahlt würden.

Nach der zweiten Serie Workshops strömte das Publikum zur grossen Schlussdiskussion zusammen: «Die Schweiz ist gefordert - Erwartungen an Politik, Gesellschaft und Architektur». Daniel Kündig, Präsident SIA, kritisierte die falsche staatlicher Förderungspolitik: Ein Minergie-EFH auf dem Land erhält Zuschüsse, verdichtetes Bauen in der Stadt an sich noch kaum. Zusammen mit ETH-Professor Andrea Deplazes wehrter er sich gegen zu enge Reglementierungen. Deplazes stellte auch in Frage, ob die Nachhaltigkeit wirklich global gelöst werden müsse. Auch Unternehmer Balz Halter verlangte Spielraum statt Gesetze. Bei Nationalrätin Ursula Wyss wurde deutlich, dass Politik und Fachleute in einer anderen Welt leben: Wyss erklärte, man habe im Moment genug damit zu tun gegen neuen Atomstrom zu kämpfen - das nachhaltige Bauen scheint weiter unten auf ihrer Prioritätenliste zu stehen. So gab die Diskussion zwar einerseits ein aufschlussreiches Spiegelbild ab der Fronten «Mehr Vorschriften - Mehr Spielraum». Andererseits war es ein deprimierender Schlusspunkt: Wer noch den fulminanten Franz Josef Radermacher im Ohr hatte, der und dem wurde klar, dass dessen drängende Forderungen unsere Realität noch nicht zu behelligen vermögen. Niemand wollte sich die Finger verbrennen mit dem Aufruf: Nachhaltig Bauen alleine nützt nichts, wenn wir weiterhin zuviel Energie und Ressourcen verbrauchen – ohne Verzicht geht es nicht. Es bleibt noch viel, sehr viel zu tun.