Architektur und Psychoanalyse: Symposium in Zürich
Eva Laquièze-Waniek (Fotos: Claudia Maria Lehner)
Die Referate von Eva Laquièze-Waniek und Insa Härtel waren auf «beängstigend hohem Niveau» und überforderten ihn als Fussgänger, meinte Stanislaus von Moos in der anschliessenden Podiumsdiskussion. Damit sprach er zwar vielen Anwesenden aus dem Herzen, fand in der Diskussion aber natürlich im Nu zu geschliffenen Voten und hintersinnigen Fragen. Frei denkend trug Helge Mooshammer vor, der über Cruising forscht - die Aneignung von Räumen auf der Suche nach sexuellen Abenteuern - und dafür plädierte, Architektur müsse offener für die Interpretationen ihrer Nutzer werden. Hier schieden sich die Geister an der Frage, ob Christian Kerez in Leutschenbach nun ein radikal offenes oder ein radikal vorbestimmtes Schulhaus gebaut habe. «Ich mache keine Kinderarchitektur, ich kann nicht für alle Vierjährigen sprechen», meinte Kerez. Das Gebäude sei nicht sinnlich, es solle Widerstand bieten. Auf die Frage, wie kleinere Kinder in seinem gläsernen und teilweise radikal offenen Gebäude Nischen finden sollen, lautete seine Antwort: «Diejenigen Nischen, die mir aus meiner Kindheit geblieben sind, waren jene, die meine Eltern nicht kannten und die kein Architekt entworfen hat.»
Olaf Knellessen, Stanislaus von Moos, Eva Laquièze-Waniek
In der Lust am Widerstand erkannten sich beide Gruppen wieder, Architekten und Psychoanalytiker. Für letztere werden Klienten erst analysierbar, wenn sie Widerstand gegen die Analyse leisten - ähnlich also einem Ort, einem Programm, einer Bauherrschaft.
Der Austausch war so tiefschürfend, wie wir ihn viel zu selten erreichen und machte Lust auf mehr; die Schreiberin hätte noch lange weiter diskutieren mögen. Architektur und Psychoanalyse: Eine fruchtbare und vielgestaltige Paarung, die jedoch mehr Offenheit verlangt, als wir im Alltag hergeben.
Nach dem Symposium folgte die Verleihung des Preises «The Missing Link» an Gregor Schmoll, Wien. Hier der Film dazu: http://www.art-tv.ch/
Hier können Sie die Referate herunterladen von Eva Laquièze-Waniek, Helge Mooshammer und Insa Härtel.
Im Kunstraum Walcheturm, Zürich





