|  2009-10-20 Als im Dezember letzten Jahres der SIA, seine Zürcher Sektion sowie die Stadt Zürich ankündigten, zu Füssen des SIA-Hauses ein «Forum Baukultur» einzurichten, da fragten wir uns und andere sich: Gibt es nicht schon genug Orte der Architekturvermittlung in Zürich und der Schweiz? Und: Sollte man die vorhandenen Mittel nicht lieber bündeln, um mit vereinter Kraft dem Volk Baukultur näher zu bringen, statt dass jeder vor sich hin vermittelt?

Nun also eröffnete gestern dieses damals angekündigte Forum und nennt sich jetzt «trottoir», ein leuchtend rot und weiss eingerichteter kleiner Raum in besserer Fussgängerlage gegenüber dem Eingang des SIA-Turmes. Thomas Müller, Leiter Kommunikation des SIA, nennt es den «Fussabdruck» seines Vereins, der 11 und 12 Stockwerke darüber residiert. Zwar könnten sich hier immer wieder junge SIA-Mitglieder mit ihren Werken präsentieren, doch sei der nach aussen stark geöffnete Raum eher ein «Schaufenster» für bereits bestehende Vermittlungsinstitutionen in Zürich und nicht ein weiterer Ausstellungsort: «Der Begriff Forum Baukultur löste damals falsche Erwartungen aus», so Müller.
Was die drei Initianten anbieten, ist also ein Gefäss: Ein Beamer wirft Veranstaltungen rund um die Zürcher Architektur an die Wand, städtische Broschüren liegen aus, ein paar frische Fachbücher und natürlich die Drucksachen des SIA. Ein Tisch lädt zum Niederlassen ein. Noch hängen die Pläne des Studentenwettbewerbs an der Wand, der zum Innenausbau des Raumes geführt hat (von gatto.weber.architekten), doch bald werden hier die gta-Ausstellungen mit «Teasern» die Passanten auf ihre Veranstaltungen im entlegenen Hönggerberg-Campus oder dem ETH-Hauptgebäude aufmerksam machen. Auch sollen hier kleinere Veranstaltungen des SIA stattfinden, die es bisher nur im Verborgenen gab: Sprechstunden, der Start von Führungen etc.
Steht man im Raum, weiss man sich in der Stadt: Autos fahren vorbei, Fussgänger blicken hinein. Doch so zentral der Ort, so schwammig ist seine Bestimmung. Inmitten der in Bewegung befindlichen Architekturvermittlungsszene der Schweiz (man blicke nur nach Basel) könnte ihm allerdings irgendwann einmal eine eigene Funktion zukommen: Die Vermittlung der Vermittlungsorte.
2009-10-05 «Die Entschuldung ist geglückt und die erste Sanierungsphase ist abgeschlossen.» So die Pressemeldung des Schweizerischen Architekturmuseums am 23. September. Gleichzeitig vermeldet sie die Ernennung von Sandra Luzia Schafroth als Managing Director des S AM.
Ein Finanzloch von 800.000 Franken innert weniger Wochen gestopft? Entschuldet heisst nicht ohne Schulden: Ein Grossteil der Gelder, die das S AM nun seinen Gläubigern zurückgezahlt hat, sind zinslose Darlehen. Der Aufruf des SIA drei Wochen vorher (siehe unser Dossier zum S AM) wird einiges dazu beigetragen haben. Vor allem aber das Wirken der neuen administrativen Leiterin, die bereits seit April als Delegierte des Stiftungsrates an der Konsolidierung des Museums arbeitet. Sie hoffe, so Sandra Luzia Schafroth aus Beijing, wo sie der Eröffnung der S AM-Ausstellung ARCH/SCAPES beiwohnt, dass manche gesprochene Darlehen in andere Formen der Unterstützung umgewandelt würden. Auch öffentliche Subventionen scheinen nicht mehr aussichtslos: Von Gesprächen mit dem Bundesamt für Kultur und dem Kanton Basel-Stadt ist die Rede.
Die vakante künstlerische Leitung des Museums soll «in einer ersten Phase» ein Beirat übernehmen, der Stiftungsrat wird anfangs Jahr neu konstituiert. Der Beirat wird auch «baldmöglichst» die Suche nach der neuen künstlerischen Leitung übernehmen, aber auch nach einer Besetzung der Stelle bestehen bleiben. Viele Kulturtäter werden sich wohl nicht die Finger nach dieser Direktorenstelle schlecken, denn mit dem Beirat und der (übergeordneten) administrativen Leitung wird der Handlungsspielraum einer neuen Direktorin oder eines Direktors doch recht eingeschränkt sein. Die Wahl von Sandra Luzia Schafroth scheint allerdings ein kluger Zug, vereinigt sie doch – laut ihrem umfangreichen CV – internationale Erfahrung im Kulturmanagement mit einer guten Vernetzung in der lokalen Architekturszene. Gutes Gelingen! 2009-09-15
Von Roderick Hönig @ 11:26 Am vergangenen Freitag, 11.9.09., hat das Schweizer Radio DRS in der Sendung Reflexe dem Schweizerischen Architekturmusem Basel (S AM) und seinen Problemen einen langen Beitrag gewidmet. Die Redaktorin Karin Salm hat eine gut recherchierte und eine hörenswerte Sendung gestaltet, in der unter anderem Andreas Tönnesmann, Vorsteher des gta, dem Architekturmuseum mehr Bescheidenheit mit auf den Weg gibt. Damit schlägt Tönnesmann in die selbe Kerbe wie Hochparterre, das in mehreren Blogbeiträgen dafür plädierte, dass sich das S AM sich mehr am Bestand, als am Anspruch orientieren sollte.
Zum Beitrag von Radio DRS geht es hier.
Zu den Beiträgen von Hochparterre Schweiz geht es hier. 2009-09-03
Von Roderick Hönig @ 09:12 Nach der Trennung von der Direktorin Francesca Ferguson geht die Entschuldung des mit 800000 Franken in der Kreide stehenden S AM voran (siehe Dossier S AM von Hochparterre). Das S AM kann erste offizielle Erfolge vermelden. Ein Achtel der Schulden sind zwar nicht getilgt, können nun aber zurückbezahlt werden. «Die Direktion des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) hat ein zinsloses Darlehen von 100'000 CHF zugunsten des S AM verabschiedet. Um ihr gemeinsames Anliegen besser abzustützen und ihre Synergien zu nutzen, streben das S AM und der SIA eine Partnerschaft zur Vermittlung von Baukultur an.», lautet die SIA-Pressemeldung vom 2.9.2009. Gleichzeitig ruft der SIA auch andere öffentliche Institutionen, Berufsverbände sowie Architektur- und Ingenieurbüros zu einer Unterstützung ihrerseits auf – sei sie finanzieller oder ideeller Natur.
Der SIA glaubt an die Zukunft des S AM: «Aufgrund der Basis, auf der das S AM aufbauen kann, der vorgelegten Neuausrichtung und auch der Reaktionen von namhaften Architektur- und Ingenieurbüros der Region Basel und weiterer wichtiger Institutionen, beurteilt der SIA die Aussichten für eine erfolgreiche Weiterführung des S AM als sehr gut. Den Standort des Museums in Basel erachtet der SIA nach wie vor als grosse Chance für eine wirkungsvolle Vermittlung von Baukultur.», so die Pressemeldung.
Neben der Entschuldung ist die Neuausrichtung, sprich Rückbesinnung auf die Schweiz und das lokale Publikum, ein wichtiger Schritt – auch für den SIA: «Den aktuellen Problemen – namentlich dem existenzbedrohenden finanziellen Defizit – leistet der Stiftungsrat des S AM nun mittels einer neuen Organisationsstruktur und Weiterentwicklung sowie Schwerpunktverlagerung des Ausstellungskonzeptes Folge. Ferner soll das S AM seine nationale Ausstrahlung verstärken und intensiver in die Gesamtschweiz eingebunden werden, unter anderem indem vermehrt Partnerschaften zur Vermittlung der Baukultur eingegangen werden sollen, wie aktuell mit dem SIA.» 2009-08-10
Von Roderick Hönig @ 15:13 Seit ein paar Tagen ist’s öffentlich: Der Stiftungsrat des Schweizerischen Architekturmuseums Basel und die Direktorin Francesca Ferguson trennen sich per sofort «im gegenseitigen Einvernehmen», wie es in der Pressemeldung heisst. Die Nachricht kommt nicht unerwartet, bereits vor ein paar Wochen machte das S AM mit drastischen Sparmassnahmen und einem Schuldenberg von 300'000 Franken negative Schlagzeilen (lesen Sie dazu den Bericht auf «Hochparterre Schweiz» und im Heft 6-7/09). Nun muss das S AM mitteilen, dass der Schuldenberg inzwischen auf 800'000 (!!!!) Franken angewachsen ist, beziehungsweise der Stiftungsrat erst jetzt gemerkt hat, dass das Loch viel grösser war, als ursprünglich angenommen. Heute ist klar: Ferguson hatte die Finanzen nicht im Griff, aber auch der Stiftungsrat hat seine Kontrollfunktion zu wenig wahrgenommen und viel zu spät eingegriffen.
800'000 Franken sind sehr viel Geld für ein privat organisiertes und finanziertes Museum mit einem Jahresbudget von 1,1 Millionen Franken. Dass das grosse Finanzloch schwierig zu stopfen sein wird, ist offensichtlich: Wer gibt schon gerne Geld für eine Sanierung, statt für ein neues Projekt? Vor allem in Zeiten, in denen deutlich weniger Geld in die Kulturförderung fliesst als noch vor ein paar Jahren?
Wie geht’s weiter?
An erster Stelle steht für Tom Koechlin die Schuldensanierung. Der Präsident des Stiftungsrates erklärt gegenüber Hochparterre: «Ziel ist, dass wir 60 bis 70 Prozent der Schulden abzahlen können». Dazu akquiriert der Stiftungsrat derzeit Geld von Stiftungen und anderen Institutionen. Dieses setzt sich aber auch aus zinslosen Darlehen zusammen, was wiederum heisst, dass das S AM seine Schulden mit geliehenem Geld bezahlt. Schulden wird das S AM also weiterhin haben. Keine gute Ausgangsposition für die neue Leitung. Der Stiftungsrat will trotzdem bis Ende 2009 eine administrative Direktion ernennen, der eine neue künstlerische Direktion unterstellt sein wird. So erhofft sich das Museum die Kosten besser im Griff zu kriegen. Bis anhin war die Geschäftsführung der Direktion unterstellt.
Erstaunlich ist hingegen, dass das S AM an der gleichzeitig nationalen und internationalen Ausrichtung festhalten will – allerdings die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen verstärken. Denn die schlechte Schweizerische Verankerung des Museums war sicher ein Grund dafür, dass die hauptsächlich lokalen und nationalen Sponsoren sich zurückzogen. Mehr Hoffnungen liegen auf Wanderausstellungen: Sie sollen «Schweizerisches Kulturschaffen auf die internationalen Schauplätze exportieren» aber auch Geld einbringen.
Was bleibt?
Unter Ferguson (ab 2006) konnte sich das Museum, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, neu positionieren, die Ausstellungen mit anspruchsvollen Publikationen begleiten und die Besucherzahlen deutlich anheben. Gleichzeitig hat das S AM aber in nur drei Jahren einen Schuldenberg Franken angehäuft, der auf mehr als nur auf «schlechten Sponsoringergebnissen aufgrund der Finanzkrise» basiert, sondern auch mit der inhaltlichen Ausrichtung zusammenhängt. Bis die beiden neuen Stellen besetzt sind, führt die Kulturmanagerin Sandra Luzia Schafroth die Geschäfte. Sie vertritt Ferguson seit ihrem Mutterschaftsurlaub.
2009-07-10
Von Roderick Hönig @ 11:59 
Foto: Gina Folly, Szenographie: Ecole Nationale des Baux-Arts de Lyon, option Design(s)
Seit 2006 trägt das AM stolz ein S vor sich her. Es steht für Schweizerisch. Dass dieser Anspruch bis anhin zu wenig eingelöst wurde, wurde an dieser Stelle bereits mehrmals geschrieben. Nun kontert das Schweizerische Architekturmuseum Basel (S AM) mit einer Ausstellung zur Architektur in der Romandie und der Region «Rhône-Alpes». Die Ausstellung «Ici et le monde», welche das Maison de l’architecture Rhône-Alpes in Lyon zusammen mit dem S AM produziert hat, zeigt 30 Projekte von 10 Büros. 2B, Bonnard Woeffay, Brauen & Wälchli sowie Galetti & Matter vertreten die Westschwei; Philippe Guyard, Herault & Arnod, Novae, Gilles Perraudin, Tectoniques und Dominique Vigier vertreten Frankreich.
Die Schau bietet zwei Lesearten: Einerseits den informativen Blick auf eine – aus deutschschweizer Sicht – «terra incognita», die Region Rhonetal. Hier lernt man spannende Büros und Projekte kennen. Die zweite Leseebene ist der Gegensatz «lokal – global»: Die Kuratorinnen Valérie Disdier und Francesca Ferguson fragten die Architekten auch nach Ort und Zweck des Lokalen in einer globalisierten Welt. Das Medium für die Antworten, Videointerviews, ist gut gewählt. Galetti & Matter bringen das gleichzeitige nah und fern in ihrem Statement gut auf den Punkt: «Die radikale Differenz der Klimata und Kulturen bringt zwei Arten von Architektur hervor: jene, die sich keinem Kontext mehr zuordnen lässt, und jene, die zutiefst in der lokalen Situation und Kultur verwurzelt ist und dem gesunden Menschenverstand folgt, einer vom Kontext bestimmten Logik, selbst auf die Gefahr hin, Elemente aus anderen Kulturen zu entlehnen und zu verfremden».
Die Ausstellung läuft bis zum 13. September 2009.
2009-06-16 Die Debatte um die Positionierung des Schweizer Architekturmuseums läuft. Lesen Sie dazu die Recherche im neuen Hochparterre und den Kommentar von Roderick Hönig hier.
Wie steht das S AM im Vergleich da? Hochparterre-Autor Pieter Poldervaart hat die Zahlen des S AM und des Architekturzentrums Wien zusammengetragen. Interessant: Das Architekturzentrum Wien ist in den Bereichen Ausstellungsfläche, eigene Ausstellungen und Angestellte rund fünfmal grösser als das S AM. Es erhält aber überproportional mehr öffentliche Gelder. Dagegen holte das S AM mit dem Verleih eigener Produktionen überproportional viel Geld herein.

Von Roderick Hönig @ 11:40 In Basels Architekturszene rumort es: Das finanzielle Desaster um das S AM sei voraussehbar gewesen, so einige Kritiker. 300000 Franken beträgt das aktuelle Defizit – bei einem Jahresbudget von 1.1 Millionen Franken. Hochparterre-Autor Pieter Poldervaart wollte mehr wissen und hat sich am Rheinknie umgehört. Er hat wenig Erfreuliches erfahren, die Stimmung in der Stadt ist vornehmlich negativ: «Das S AM hat eine zu üppige Personaldecke und der publizistische Output steht in eine Missverhältnis zum Manpower», zitiert der Journalist einen Architekten in der aktuellen Ausgabe von Hochparterre. Ein weiterer ungenannt bleiben wollender Architekt glaubt, dass «das Vertrauen der Szene in die aktuelle Führung weg ist.» Für einen Neuanfang brauche es auch einen Wechsel in der Direktion, so der Kritiker.
Ganz so radikal beurteile ich die Situation nicht. Doch glaube ich auch, dass die Misere des S AM vor allem mit der Neuorientierung nach 2006 zusammenhängt: Die Kluft zwischen dem (anlässlich des Wechsels in der Direktion) explizit vom Stiftungsrat formulierten schweizweiten (das S des AM steht für Schweizerisch) Anspruch und dem eher lokalen, baslerischen Bestand an Besuchern und Mitgliedern hat sich nach drei Jahren als unüberbrückbar gezeigt. Es wäre aber grundfalsch, der neuen Direktorin Francesca Ferguson den schwarzen Peter alleine zuzuschieben, denn auch der Stiftungsrat hat nicht rechtzeitig gemerkt, dass das Schiff in seichte Gewässer segelt. Zu lange glaubte er daran, dass man ein Museum, dessen Defizite zwanzig Jahre lang grosszügig von einigen Mitgliedern getragen wurde, nun innert ein paar Jahren auf eigene Beine stellen könnte.
Ferguson hat sich mit Herzblut fürs Museum engagiert und unbezahlbare Arbeit geleistet: Sie mit einem fulminanten Feuerwerk an Veranstaltungen und Ausstellungen geschafft das AM innert kurzer Zeit aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und neu zu positionieren. Sie hat Dichte, Aktualität, Qualität und Opulenz der Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen auf ein beeindruckendes Niveau gehoben. Wo ihre Vorgängerin Ulrike Jehle-Strathaus das AM noch als Carte blanche an Architekten ihrer Gunst verteilte und es zu einem Selbstbedienungsladen machte, setzte Ferguson (oft in Zusammenarbeit mit externen Spezialisten) ihren kuratorischen Anspruch um. Dieser ist aber – wenig überraschend – ohne eine Erhöhung des Budgets und Aufstockung des Personals nicht zu haben.
Hauptproblem ist aber weder Ineffizienz noch die «zu dicke Personaldecke», sondern dass das S AM das eingesessene Stammpublikum, vor allem die Basler, aber auch die Deutschschweizer Szene sträflich vernachlässigte. So sägte das Museum am eigenen, eben immer noch lokalen Ast. Denn Unternehmen die sich als Sponsoren engagieren, sind in erster Linie an einem direkten und lokalen Draht zu ihrer Zielgruppe interessiert - mit oder ohne S vor dem AM.
Was meinen Sie? Wie soll es mit dem S AM weiter gehen? Kurs beibehalten – weniger Geld ausgeben? Braucht es eine neue Führung? Soll das S AM den Schweiz-Anspruch wieder aufgeben?
Wir freuen uns über ihre Kommentare.
2009-02-25
Von Roderick Hönig @ 14:16 «Drastische Einsparungen beim Schweizerischen Architekturmuseum Basel (S AM)», so der Titel einer Pressemeldung, die uns im Februar erreichte. Der Stiftungsrat hat Anfang Jahr dem S AM das Ausgabenbudget um 25 Prozent gekürzt und beschlossen nur noch drei anstatt vier Ausstellungen pro Jahr zu organisieren, nachdem der Kanton Basel-Stadt zum zweiten Mal entschieden hat, das Museum nicht finanziell zu unterstützen. Auch steht in der Pressemeldung, dass die Ausgaben sehr wohl im Rahmen des Budgets von 1.1 Mio. Franken lagen, doch dass die Spenden und Sponsoringbeiträge nicht den Erwartungen entsprachen.
Die Misere hängt aber nicht nur mit der Finanzkrise, sondern auch mit der Neuorientierung des S AM zusammen. Nachdem Francesca Ferguson 2006 das Museum übernahm, stieg die Dichte, Aktualität, Qualität und Opulenz der Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen. Die neue Direktorin machte das S AM mit einem Feuerwerk von Veranstaltungen zu einem Ort der Diskussion und stellte sich der Debatte auch persönlich. Ihr inhaltlicher und publizistischer Anspruch, aber auch der vom Stiftungsrat formulierte gesamtschweizerische Anspruch, der sich im S des AM manifestierte, war aber logischerweise nicht zum alten Budget zu haben. 2004 arbeitete das Museum noch mit einem Betriebsbudget von 550 000 Franken, heute ist es doppelt so hoch.
Ferguson hat die Flucht nach vorn angetreten und muss nun schmerzhaft spüren, dass Sponsoren oder Behörden nicht mit derselben Kraft mitziehen. Anspruch und Mittel klaffen nun noch deutlicher auseinander als zu Zeiten, als das Museum noch von Ulrike Jehle-Strathaus geführt wurde. Nun sucht das S AM auf den 1. Juni einen eigenen Geschäftsführer. Ob aber die Kompetenz-Aufteilung in Kuratorium/Direktion und Geschäftsführung dem S AM den Weg aus dem finanziellen Loch weist, mag bezweifelt werden. Prüfenswert wäre hingegen, die verschiedenen Kräfte aus der Architektur- und Ingenieursszene zu bündeln: Jürg Conzett beispielsweise suchte Anfang Jahr in der NZZ als Präsident der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst einen Ort an dem er dem er Schweizer Ingenieursbauten zeigen könnte. Die Stadt Zürich, der SIA Schweiz und der SIA Sektion Zürich richten auf Sommer 09 ein Forum für Baukultur in Zürich ein. Die Stadt Zürich, das Museum für Gestaltung und das Institut gta der ETH sind oder waren auch im Gespräch wegen eines Architekturmuseums Zürich.
Wieso also nicht einmal alle Köpfe an einen Tisch bitten und gemeinsam prüfen, ob das S AM nicht am Anspruch, sondern vielleicht doch besser am Bestand auszurichten wäre? Konkret: Das S AM könnte einmal pro Jahr auch Ingenieurbaukunst zeigen und so zum S AIM (Schweizerisches Architektur- und Ingenieurmuseum) werden.
Korrektur: In der ersten Version des Kommentar steht, dass das «S AM auf den 1. Juni einen eigenen Geschäftsführer sucht.» Der Satz suggeriert, dass diese Position bis anhin niemand inne hatte. Richtig aber ist: Das S AM hat seit 2007 mit Julia Albani eine Geschäftsführerin. Sie verlässt das Museum aus persönlichen Gründen, ihre Stelle wird nun von einem Nachfolger ersetzt.
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