Im Dezember gewann er für die Uhr r5.5 den Silbernen Hasen (hp 12/09). In der Zwischenzeit hat der Designer Jasper Morrison zusammen mit Rado an der Modellreihe weiter gearbeitet. Die Grösse blieb, offenbar verlangt der Markt im Moment keine grösseren Modelle und zieht nach. Neben einer Serie von überarbeiteten Zifferblättern stellt Rado auch eine weisse Version mit Diamanten und goldenem Zifferblatt vor.

Jasper Morrison, wie fühlen Sie sich an der Basel World, der Welt voller Schmuck und Blingbling?
JM Als Fremder. Es ist eine dekadente, seltsame Welt. Sie ist immer noch sehr neu für mich. An der Basel World bin ich erst das zweite Mal. Ganz im Unterschied zur Möbelmesse Milano, an die ich seit 30 Jahren reise.
Seltsam ist ja auch das Verhältnis der riesigen Standbauten und der kleinen, aber teuren Exponate. Interessiert Sie der Standbau?

JM Nicht wirklich. Natürlich schaue ich, was Rado macht. Der Stand gefällt mir besser als letztes Jahr.
Tragen Sie die r5.5 nur heute, am Pressetag?

JM Nein, ich trage sie regelmässig. Seit letztem Jahr.Ich will testen, ob der Entwurf gut ist. So wie ich auch meine Stühle ausprobiere, die ich entworfen habe
Wissen Sie, was Sie anders machen würden, könnten sie noch mal von vorne anfangen?

JM Die Arbeit an der r5.5 ist eine stete Entwicklung. Aber das Modell, das ich jetzt trage, in grau mit Chronograph, ist mein Lieblingsmodell. Es war es schon letztes Jahr, wurde aus strategischen Gründen aber erst jetzt lanciert.  Weiter haben wir neue Zifferblätter entwickelt, die viel grafischer wirken, noch aufgeräumter.
Dabei gibt es nun mit der Jubilé-Version auch ein weisses Modell mit Diamanten. Weg vom Unisex-Gedanken?
JM Dieses Modell wirkt weiblicher, ich bin aber überzeugt, dass sie in gewissen Märkten auch von Männern gekauft wird.
Wird es eine neue Jasper-Morrison Uhr geben bei Rado?
JM Wir arbeiten in der Tat an einem neuen Modell, das nächstes Jahr lanciert wird. Eine runde Uhr – back to round, yes. Sie wird sportlicher, maskuliner ausfallen. Gleich materialisiert, in schwarz eingefärbter Keramik und in matten und poliertem Finish.
Wie würde eine Uhr aussehen, die Ihrem Begriff des «Supernormal Design» entspräche, den Sie 2005 zusammen mit Naoto Fukasawa geprägt haben?
JM Als erstes wäre sie weniger teuer, damit sie wirklich alltäglich ist und von einem breiten Kundenkreis getragen werden kann. Uhren, die supernormal sind – das ist eine schwierige Frage. Ich weiss nicht, ob so was schon existiert. Vielleicht die alten Casio, bevor sie zu fancy wurden. Wohl auch die eine oder andere Swatch.
Wieso erwähnen Sie als erstes Merkmal den Preis?
JM Ein zu hoher Preis schliesst ein Objekt aus dem Alltäglichen aus.
Supernormale Objekte haben auch eine bestimmte atmosphärische Wirkung, beschreiben Sie im Ausstellungskatalog von 2006. Kann das eine Uhr leisten?
JM Ja, auch eine Uhr, die supernormal ist, muss das leisten. Sie muss mit dem Träger, der Trägerin zusammenwachsen, sich unbemerkbar, aber unentbehrlich machen. Man muss sie jeden Tag etwas mehr schätzen als am ersten Tag, an dem man sie trug. Das schliesst natürlich haptische Qualitäten mit ein. Ich muss sie gerne tragen, aber so, dass ich nicht stets dran erinnert werde.
Kann eine Uhr überhaupt supernormal sein? Sie ist stets auch Schmuck, ich könnte die Zeit auch auf dem iphone ablesen?
JM Uhren sind ja oft Statussymbole, dienen zuerst dem show off – ja, da liegt ein Konflikt....
Sind solche Fragen der formalen Nachhaltigkeit in allen Ihren Entwürfen ein Thema?
JM Uhren faszinieren mich auch so. Es gibt ja viele Faktoren, die man im Designprozess beachten muss, ob etwas supernormal sein kann oder nicht, steht nicht immer im Vordergrund. Was wirklich nachhaltig ist, ist enorm schwierig festzustellen. Natürlich kümmere ich mich darum, was an Materialien und Herstellungsprozessen nachhaltig und sinnvoll ist, was nicht. Aber das wichtigste, was ein Designer machen kann, ist dafür zu sorgen, dass sein Entwurf gut altert.
Wie Sie sagten, gehören zu den Faktoren, die Sie beachten müssen, auch die Kosten. War die Kostenfrage bei der Entwicklung der r5.5 gestellt worden?
JM Nein. Aber das nächste Modell soll günstiger auf den Markt kommen, ich hoffe, etwa um die Hälfte...
Ist das möglich, wenn die Uhr ebenfalls aus Keramik ist?
JM Keramik ist in der Herstellung und der Verarbeitung kostenintensiv, das stimmt. Vor allem das Polieren ist aufwändig. Aber es gibt Dinge, die man optimieren kann. Zum Beispiel die Glieder: wird die Anzahl verknappt, kommt das in der Produktion günstiger. Oder bei der Form des Uhrgehäuses, da lässt sich schon noch was machen.