AFZ 1
Voller Saal, beschränkte Sicht beim Speaker's Corner gestern abend im AFZ.

Sybille Bucher machte den Auftakt zum Speaker's Corner III gestern Donnerstag abend im Architekturforum Zürich AFZ. Das Prinzip dieser Abende: Pro Auftritt nur sechs Minuten, dafür viele Aufritte, dieses Mal acht. Bucher klärte listig darüber auf, dass wir es hier, als Normalsterbliche und Normalgenussorientierte, nie schaffen werden, mit 2000 Watt tatsächlich auszukommen. Die Sechs-Minuten-Vorgabe missachtete sie allerdings sträflich und redete munter doppelt so lang. Dann lud Aita Flury das Publikum im vollgestopften AFZ zu einer Bilderreise nach Italien ein, wobei es ihr nebst der flachen Landschaft vor allem die halb zerfallenen Gebäude angetan zu haben schienen. Alice Hucker zeigte feinsinnig eine Serie von Kleinsträumen und Nischen unter dem Titel Raumstau-Stauraum. Dann sprach Quotenmann Peter Sigrist, seine Rolle auf die Spitze treibend, über «Die» Architektin; dahinter verbarg sich ein liebevoll-ironisches Porträt Kazuyo Sejimas.
Den Vogel schoss Kaschka Knapkiewicz ab. Sie ging nach vorn scheinbar nur um zu erklären, dass sie nichts erklären werde. Die gegenwärtige Ausstellung im AFZ über Knapkiewicz&Fickert sei Inhalt genug und sie sei da, falls jemand Fragen habe. Zögerlich kam eine erste, dann eine zweite und dritte, derweil Knapkiewicz ins zitierreife Politisieren geriet: Bauherren sind offensichtlich meist ihre Feinde, aber schon Palladio, Schinkel und von Klenze hätten ja Stunk mit den Bauherren gehabt. Man müsse ihnen die Stirn bieten. Junge Architekten aber knickten ein vor den Investoren, das finde sie «etwas unsportlich». Das junge Publikum ertrug's schweigend.
Anne Kaestle verglich in «Serielle Unikate» Kopien und Originale und stellte anhand des seriellen, aber bis in die Winkel personifizierbaren Iphones die sinnige Frage, wie weit Architektur nicht genau das sei: Seriell personifiziert. Dann erzählte Pascale Guignard frisch und unerschrocken drei amüsante Anekdoten aus ihrem Büroleben. Zum Abschluss erwies sich Isa Stürm als einzige professionelle Pecha-Kucha-Performerin des Abends: Ihr Bilderreigen im Zweisekundentakt dauerte exakt sechs Minuten, während denen sie ihr atemlos um die ganze Welt führte.
Fazit: Ein Abend voller gedanklich-bildlicher Ausflüge. Zwar fehlt es da und dort noch etwas an Auftrittsschliff und unerklärlich bleibt, wie man die glasklare Sechsminutenvorgabe derart missachten kann. Der Trick des Abends funktioniert trotzdem: Das Publikum bleibt geduldig, weil es immer von Neuem wissen will, was die nächste Rednerin wohl bringt.