200 Personen an der Diskussion über SBB-Areale

Urs Schlegel, Hans Werder, Richard Wolff, Corine Mauch und Josef Lang gestern Abend auf dem Podium
«Wenn keine Probleme da wären, wären wir nicht hier und hätten nicht so viele Zuschauer», sagte Nationalrat Josef Lang inmitten der Diskussion auf dem Podium. 200 Personen folgten der Einladung des Zürcher Mieterinnen- und Mieterverbands, des Inura Zürich Instituts und des Hochparterres – ein deutliches Zeichen, dass nicht alles zwischen den Arealentwicklungen der SBB-Immobilien und den Zielen der Städte im Reinen ist. Im ersten Obergeschoss in der Zürcher Sihlpost mit Blick auf die Baustelle der Europaallee ging man der Frage nach, ob die SBB ihre Areale vergolden oder Städte formen.
Hochparterre-Redaktorin Rahel Marti fasste kurz und prägnant die Geschichte der SBB-Immobilien zusammen, bevor Richard Wolff als Moderator zum Beispiel den Chef der SBB-Immobilien zu klaren Aussagen drängte. Urs Schlegel liess sich nicht bedrängen, bejahte zwar ein wirtschaftliches Verhalten seiner Division, lobte aber gleichzeitig sein sorgfältige Planungen in Zusammenarbeit mit den Städten. Und doch erschrak der Zuschauer über Schlegels verräterischer Ehrlichkeit: «Wir verhalten uns wie andere Eigentümer auch.»
Denn genau darum ging es am Abend. Die SBB sind eben keine normale Eigentümerin, sie gehören dem Bund, haben ihre Filetstücke einst von den Städten sogar geschenkt bekommen und erfüllen einen Leistungsauftrag, um den am Abend freilich stark diskutiert wurde. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch brauchte ungewohnt deutliche Worte: «Die Städte müssen Forderungen gegenüber dem Bund stellen.» Sie nahm sich zwar selbst an der Nase, denn die Verantwortung für gute Stadtplanung liege bei den Städten, doch versprach sie das Thema im Rahmen des Städteverbands aufzugreifen. «Wir müssen über Bodenpreise reden und über die Spielräume.»
Hans Werder, Generalsekretär des Uveks, erklärte tapfer die Mechanismen der hohen Politik, und wies auf die harten Verhandlungen hin, die der Bund im Moment mit der SBB führen. Eindringlich sagte er, dass er noch nicht wisse, wo die fehlenden 400 Millionen Franken für die dringend benötigte Erhalt der Bahninfrastruktur herkommen sollten. Josef Lang wiederum will, dass die soziale Nachhaltigkeit in den Leistungsauftrag aufgenommen wird. Und er wird sich für die Mehrwertabschöpfung einsetzen, die die Kantone nicht nur einführen können, sondern auch einführen müssen.
Auch Peter Schmid, das Schlachtross der Zürcher Genossenschaftsbewegung, kritisierte aus dem Publikum die SBB ungewohnt scharf. Die Baugenossenschaften fühlten sich nicht Ernst genommen, und zitierte aus Briefen der SBB, die viel versprachen und wenig hielten. So wunderte es nicht, dass er am Willen der SBB zweifelte. Die Frage zur Zusammenarbeit mit den Genossenschaft hatte Urs Schlegel schon vergessen, als er sie beantworten sollte. Immerhin sah er dann doch keine Hindernisse zur Zusammenarbeit.
Viel wurde versprochen. Hochparterre wird die Taten messen und nicht die schönen Worte.
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Der Saal war mehr als voll, 200 Personen folgten der Diskussion.
Kommentare
2010-02-02 08:10:03
Kompliment Josef Lang. Machen Sie so konstruktiv weiter.
Es ist Ihnen beizustimmen: Wo die Entschädigung eines MInderwertes (durch Ab- bzw Auszonung) gebräuchliches Recht ist, ist eine Abschöpfung des Mehrwertes (durch Um- bzw Aufzonung) nur billig. Mit der Mehrwertabschöpfung würde das diskutierte SBB-Problem der Vergangenheit angehören.
2010-02-02 15:03:44
Merci Hochparterre! La question de la stratégie du propriétaire de Monsieur Schlegel et du groupe CFF depuis 1999 est enfin traitée de manière critique dans les médias. Malheureusement son exemplarité dans la gestion de la qualité urbaine et architecturale n'est pas spécifiée dans les objectifs cadre définit par la confédération tous les 4 ans.
C'est auprès de Monsieur Leuenberger qu'il faut intervenir en amont. J'ai démissionné en 2008 de mon poste d'architecte CFF en raison de mon désaccrod avec cette stratégie, en écrivant une lettre au CEO à ce sujet. Sans suite malheureusement!
Thomas Jomini, Architecte
2010-02-10 12:48:25
Thema Mehrwertabschöpfung: Basel kennt das schon seit vielen Jahren: 50% in einen separaten Topf des Kantons: "Die auf Grundstücke in der Stadt Basel entfallenden Abgaben sind für die Schaffung neuer oder
für die Aufwertung bestehender öffentlicher Grünräume wie Parkanlagen, Stadtwälder, Alleen und
Promenaden zu verwenden.” // Allerdings hat das Ganze einen Haken: Auch die Stadt wird gierig auf diese Abgabe und ist interessiert an möglichst hohen Grundstückspreisen. Also fast alles beim Alten.
2010-02-18 09:25:18
Metis: Ich nehme an, die Interessen einer Stadt sind etwas differenzierter als schlicht Gier. Ob das Basler Modell der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich nicht beurteilen. In München (Stichwort Sobon) scheint ein ähnliches Modell recht gut zu funktionieren.
'Alles beim Alten' bliebe es also bloss, wenn die heutige unbefriedigende Situation nicht verbessert würde.


