Notfall Design
Unter dem Titel «Emergency Design – krisenbasierte Architektur- und Designstrategien in räumlichen Systemen» wurden Krisen aller Art aus organisations- und wirtschaftswissenschaftlicher, aus stadtplanerischer und biologischer Sicht beschrieben. Man hörte, wie Architekturbüros mit planerischen Krisen umgehen, wie man die Gefahr von Lawinenhängen einschätzen kann oder wie Guerilla Stores unbenutzte Flächen zwischennutzen. Also viel über den pragmatischen Umgang mit den Wechselfällen des Lebens, das – wir haben es mehrfach gehört – immer komplexer werde.
Zwischen den Begriffen «Emergenz» und «Notfall» turnte also eine mehr oder weniger illustre Schar herum. Viel deutsche Akademie und ein paar Schweizer Sonderfälle in Person des Lawinenforschers Werner Munter oder Divisionärs Ulrich Zwygart. Alle versuchten, ihr Forschungsinteresse in die Perspektive des Notfalls, der Krise hinzubiegen. Das klang dann etwa so: Spiritus Rector des Emergency-Design-Ansatzes Peter Sloterdijk beschrieb die Welt als Verletzungsraum, in dem Menschen ihre Desintegration erfahren und deshalb Spontanarchitekturen bauen. Prinzipiell sind wir alle mehr oder weniger misfits; wir müssen uns innerhalb eines als feindlich erlebten Raums dauernd selbstaufräumen. Eine pragmatische Lösung, wenn es darum geht, die individuellen Architekturidyllen des Einzelnen aufzuräumen, zeigt die Gruppe SITE (Sculpture in the Environment) und James Wines in ihrer Skizze «Highrise of Homes, project, Exterior perspective», 1981 (MoMA).
Fazit: Was Yana Milev als neue Methode der Designforschung ausrief, erwies sich als recht brauchbarer diagnostischer Ansatz. Er bringt die Resultate krisenabhängigen Handelns in so ungefähr allen Bereichen menschlichen Tuns in den Blick. Immerhin.
Die Tagung war Auftakt des Nachdiplomkurses Emergency Design, der ab Herbst starten soll. www.design2context.ch
Highrise of Homes


