|  2010-08-23 Kunst am Berg - ein alter Streitpunkt. Die Diskussion erneut entfacht hat der chinesische Künstler Ai Weiwei, als er diesen Sommer im Rahmen des steirischen Festivals "Regionale 10" einen vier Tonnen schweren Steinbrocken aus China in die Steiermark karren liess, um ihn auf dem Gipfel des Dachsteins zu installieren. Mit dem Projekt «Hoher Dachstein» wollte Weiwei das Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur thematisieren. Darüber hinaus erinnerte es an das verheerende Erdbeben in der Provinz Sichuan im Mai 2008. Der aus China auf die Reise nach Österreich geschickte Bocken soll sich damals von einem Felsen gelöst haben. Wenig Verständnis für dieses künstlerische Zeichen aus China hatte der österreichisch Alpenverein. Er warnte vor der Zunahme hochalpiner Gipfelinszenierungen, wie sie in jüngster Zeit in Mode gekommen seien.
Worin liegt der Sinn solcher Inszenierungen? Gibt es einen Unterschied zwischen einem Höhenfeuer als Festbeitrag oder Mahnmal und einer befristeten Kunstaktion? Zeichen für etwas sind doch beide? Und wie steht es mit dem Bauen am Berg? Wo liegen die Grenzen? Darf nur weiter gebaut werden, wenn ein Berg touristisch bereits erschlossen ist?
Meinungen zu diesen Fragen hat Hochparterre in seiner neuesten Ausgabe zusammengetragen. Lesen dort die Statments von Paul Divjak, Wiener Kulturtheoretiker, Christen Baumann, CEO der Zermatter Bergbahnen und Alexandra Rozkosny, Chefredaktorin der SAC-Verbandszeitschrift «Die Alpen».
--> Zur Augustausgabe von Hochparterre mit allen Meinungen zur Kunst am Berg.
2010-08-13
Von Andres Herzog @ 16:54
Kunst vor Ort Dübelstei: Wandzeichnung von Mischa Camenzind, Zürich
Vom 20. bis 22 August 2010 findet im Weiler Dübelstei bei Dübendorf ein kleines Festival für Kunst, Performance, Video und Musik statt. Neben der Vorführung von Videoarbeiten treten Performancekünstler auf und werden Konzerte gegeben. Für das körperliche Wohl sorgt der Festbetrieb mit Grill, Lounge und Bar.
--> Kunst vor Ort: Dübelstei, Schloss-Strasse 95, Dübendorf. 20. bis 22. August 2010. Weitere Informationen unter www.duebelstei.ch2010-06-15
Von Roderick Hönig @ 10:02 Heute eröffnet die Art Basel, die weltweit wichtigste Kunstmesse ihre Tore. Die traditionelle Messe bewegt sich. Nicht nur hinterfragten die Organisatoren – wie man hörte – die jahrelang mehr oder weniger gleichbleibende Zusammenstellung von Ausstellern kritisch, das heiss, langjährige Aussteller werden aufgefordert sich mehr in Zeug zu legen oder sich zu verabschieden. Es bewegt sich auch das Rahmenprogramm. Neu ist das Sonderausstellungsprojekt Art Parcours, das verschiedene symbolisch und historisch bedeutsame Schauplätze im Stadtkern von Basel mit zeitgenössischer Kunst bespielt.
An drei aufeinanderfolgenden Abenden werden ortsspezifische Arbeiten und Performances von zehn hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern – Angela Bulloch, John Bock, Daniel Buren, Nathalie Djurberg und Hans Berg, Cerith Wyn Evans, Aurélien Froment, Ryan Gander, Damián Ortega und Martha Rosler – Orte in Basel verwandeln. Zum Beispiel das Münster, das Rathaus, das Naturhistorische Museum, das historische Universitätsgebäude, die Mittlere Rheinbrücke, das Museum der Kulturen oder ein Fährschiff.
Vernissage: Donnerstag, 17. Juni statt (auf Einladung).
Ausstellung: 18. und 19. Juni
Tickets: 15 CHF
2010-06-09
Von Andres Herzog @ 11:49 Die Hochschule Luzern startet auch in diesem Jahr den Ultra-Kurzfilm-Wettbewerb «5-10-20» und lädt Profi- und Hobby-Filmemacher aus aller Welt zum Mitmachen ein. Thema, Technik und Gestaltung der Filme sind völlig frei, einzige Voraussetzung ist, dass die Filme ohne Ton realisiert werden. Die besten 36 Beiträge werden von einer Expertenjury prämiert und ab Oktober auf öffentlichen Displays in der Schweiz und in Österreich ausgestrahlt. Über die Website www.5-10-20.ch können die Filme in den drei Kategorien 5, 10 und 20 Sekunden eingereicht werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Eingabeschluss ist der 30. September 2010. 2010-04-29 Dieses Jahr geht der Preis für die «beste Ausstellung zur Schweizer Gegenwartskunst» an das Kunsthaus Glarus. Genauer gesagt an Sabine Rusterholz, die mit dem Künstler Kilian Rüthemann die Einzelausstellung «Sooner Rather Than Later» kuratierte. Herzliche Gratulation!
Rüthemann bezog für seine Installationen die Architektur als skulpturales Material ein: Er betonierte die Treppe, löste Oberlichter, die von einem fragilen Gerüst abgestützt wurden oder liess die Besucherinnen und Besucher einen Raum voll zerbrochener FL-Leuchten durchqueren.

Kilian Rüthemann, Sooner Rather Than Later, © Kunsthaus Glarus. Bild: David Aebi
Damit wird zum zweiten Mal der Swiss Exhibition Award vergeben. Ausrichter der Jury und Stifter des stolzen Preisgeldes von 40'000.- ist das Bundesamt für Kultur zusammen mit der Julius Bär-Stiftung. Die Jury stellte aus mehr als 60 Ausstellungen eine Shortlist von sieben zusammen. Auf diese Liste schafften es dieses Jahr vor allem Installationen und ortsspezifische Interventionen. Sie verknüpfen Kunst und Raum, Ausstellung und Institution und wären ohne eine enge Zusammenarbeit von Künstlerin und Kurator undenkbar. Dieses von der Jury klar formulierte Interesse stärkt die Kriterien der Bewertung – vor allem im Vergleich zum letzten Jahr: So gewichtet die Jury die Rollenteilung zwischen Künstler und unterstützender Kuratorin; sie will aktuelle und relevante Positionen auszeichnen; und sie nimmt vor allem die Qualität der plastischen, inszenatorischen und publikumsbezogenen Arbeit des Ausstellens in den Blick. 2010-04-14
Von Roderick Hönig @ 15:09 Wo steht die Landschaft in der Kunst heute? Was geschieht, wenn Künstler die sozialen, ökonomischen und kulturellen Transformationsprozesse von landschaftlichem Terrain untersuchen? Das fragt die Ausstellung «Lands End» in der Zürcher Shedhalle. Sie geht Bildern und Fantasien nach, die heute das Bild der Landschaft bestimmen, präsentiert neue Vorstellungen und Gegenentwürfe. Die eingeladenen Künstler, zum Beispiel Ulu Braun (Bild) machen deutlich, so der Pressetext, dass es Bilder braucht, um die Dinge anders zu sehen.
--> Ausstellung bis 16. Mai 2010
--> Konferenz und Ortsbegehungen: 8. Mai 2010
2010-04-13
Von Roderick Hönig @ 10:05 Das Geldsuchen besetze einen grossen Teil seines Arbeitsalltages, eröffnete Kunstgeschichteprofessor Philip Ursprung den ersten Abend der neuen «Camille Graeser Vortragsreihe». Er sei umso überraschter und auch erfreuter gewesen, als die Camille Graeser Stiftung von sich aus anbot, eine Vortragsreihe zu unterstützen. Ursprung und sein Team liess sich nicht lumpen und stellt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Theorie der ZHdK mit «Die Figur der Zwei» ein Programm zusammen, das sich gewaschen hat. Eröffnet hat die Reihe am 12. April der New Yorker Konzeptkünstler Dan Graham (Bild: Grahams Zweiweg-Spiegel-Arbeit auf dem Novartis Campus). Sein Vortrag «Quasi-Schizophrenia and the Mirror Stage for my work in Art and Architecture» war eher eine Performance, wie sich im Laufe des Abends herausstellte.
Graham, ein kauziger Mid-Sechziger, der stotternd und mit stakkatoartigem Wortschwall sein Referat eröffnete, zeigte als erstes ein wackliges Video eines Videos aus dem Jahre 1972. Es hiess «Past Future Split Attention» und zeigte zwei sprechende Männer. Der eine erzählte aus der Vergangenheit während gleichzeitig der andere fortlaufend probierte das Verhalten seines Gegenübers vorauszusagen.
Diese Art «Wort-Spiegel» wiederholte Graham – ob willentlich oder unwillentlich, wurde während seines Vortrages nicht klar – bei der Präsentation seines nächsten Videos über die Installation «Two Adjacent Pavillons» aus dem Jahre 1981. Der Film zeigt Graham, wie er aus dem Spiegel-Pavillon heraus seine Arbeit kommentiert. Gleichzeitig erklärte Graham im Hörsaal der Uni Zürich diese Arbeit noch einmal. Die beiden übereinandergelegten beziehungsweise gespiegelten «Tonspuren» wurden zu einem unverständlichen Wortwirrwarr, während Graham für die rund 200 Zuhörer gleichzeitig dreissig Jahre jünger auf der Leinwand und als echte Person hinter dem Rednerpult zu sehen war. Erstaunt, verwirrt und schmunzelnd nahm das Publikum die «Instant-Performance» dieser synchronen Graham-Ton- und Bildspuren zur Kenntnis. Ob beabsichtigte Performance oder technisches Unvermögen der Veranstalter, die beiden Tonspuren einzeln in der Lautstärke zu regeln (was dann im späteren Teil des Vortrages gelang) – viel spannender und witziger kann man das Thema Spiegelungen und Symmetrie nicht vermitteln.
Weitere Vorträge der Reihe «Die Figur der Zwei» hier.
2010-04-07 Zum vierten Mal richtet der Verein Kunstwollen die Ausstellung «Plattform» ein, die eine ebensolche für junge Künstlerinnen und Künstler aus der Romandie und der Deutschschweiz bieten will. Entdecken lässt sich einiges, zum Beispiel Sébastien Verdon oder René Fahrni.
Sébastien Verdon, Trou Noir n°2, Fotografie, 2009
--> Vernissage: EWZ Selnau, heute Mittwoch, 18 h
--> Performances: Martina-Sofie Wildberger (20h), De La Fuente Oscar De Franco (20h15)
--> Mittwoch 14. April 2010, 20 Uhr: Diskussion
«Kunstkritik heute» mit Victor Gisler (Mai 36 Galerie); Samuel Herzog (NZZ Feuilleton); Claudia Jolles (Chefredaktorin Kunstbulletin);
Daniel Morgenthaler (Kulturjournalist)
Moderation: Bruno Seger (Leiter Zentrum für Kulturmanagement, ZHAW)
René Fahrni, 100’000 Lux, Mixed media, 2009
2010-02-12 Räume, als wären sie geträumt: sie sind noch bis zum 21. Februar im Migrosmuseum Zürich zu sehen. Die Künstlerin Tatiana Trouvé (* 1968 in Cosenza, lebt und arbeitet in Paris) hat sie spezifisch für das Museum entwickelt. Tatiana Trouvé konstruiert Räume, die ebenso physisch real wie irreal erscheinen. Als hätte sie ihre Träume nach aussen gestülpt und sie so zur Kulisse unserer eigenen Träume gemacht.

Tatiana Trouvé, Inchoactivity - La chambre se referme, 2009
Foto: A. Burger

Tatiana Trouvé, L'anti-chambre, 2009 (Foto: A. Burger)
2010-01-11 
Ein überdimensioniertes, hängendes Gestell aus Wärmedämmplatten bietet unzählige Nischen, in denen Anna Kanai und Andreas Dobler ihrer kleinformatigen Malereien unterbringen. Die Installation ist Teil der Ausstellung CONFODRAMA im Kunstraum Baden. Angesiedelt zwischen einem domestizierten Merzbau und einer Wohnwand, bietet die Installation viel Nahrung für Entdeckungslust. Und ja, etwas Voyeurismus: welcher Teil stammt aus ihrer, welcher aus seiner Hand? Die beiden Kunstschaffenden, die hier zusammenspannen und auch privat ein Paar sind, zeigen Verdrängtes, Unschönes und Unfertiges.
--> Werstattgespräch mit den Künstlern, Claudia Spinelli und Thomas Widmer (TA)
--> Kunstraum Baden, Haselstrasse 15 (Bahnhof West)
--> Dienstag, 12. Januar, 18.30, anschliessend Apéro |