Basel, Erlentor: Der Blockmäander

[Fin de Chantier]

Basel, Erlentor
Der Grundriss des 1. Obergeschosses zeigt eine Vielfalt von Wohnungstypen.

Basel hat kaum innerstädtische Landreserven. Die Erlenmatt, das 19 Hektar grosse ehemalige Areal der Deutschen Bahn (DB), ist darum eine Kostbarkeit. Aus einem Wettbewerb hervorgegangen, sieht das städtebauliche Konzept des Architekturbüros Ernst Niklaus Fausch vor, die Ränder mit Gewerbe, Dienstleistung und vor allem Wohnen zu bebauen, in der Mitte aber einen Park auszubreiten, der an den Erholungsraum Lange Erlen anknüpft. Blickfang des städtebaulichen Plans ist eine Figur am breiten, der Stadt zugewandten Eingang zum Areal: Eine eigentümliche Mischform aus Blockrand und Mäander sitzt selbstbewusst in der Mittelachse. Auf dem Plan wirkt sie künstlich und wenig nachvollziehbar.
Morger Dettli Architekten aus Basel gewannen den Architekturwettbewerb für die hier vorgesehene Wohnüberbauung und nahmen sich das Gebilde zur sportlichen Herausforderung. Mit Akribie entwickelten sie sechzig Wohnungstypen, die zahlreichen Kopfenden für grosszügige Flächen nutzend, die Wohnungen gekonnt um die vielen Ecken knickend, oft über zwei Geschosse führend oder zwei Fassaden verschränkend.
Jeder Wohnung gehört eine Loggia, mit mindestens 13 Quadratmetern haben alle Zimmer komfortable Grössen. Wohn- und Essbereiche sind vielfach ungewöhnlich geschnitten und da und dort knifflig zu möblieren. Linol- und Parkettböden unterstreichen die Wohnungscharaktere: 
vom loftartigen Zweizimmerreich bis zur Fünfzimmermaisonette. Bei der Ausführung mit dem Generalunternehmen bewiesen die Architekten Beharrlichkeit, was dem «Erlentor» zu passabler Bauqualität verhalf; nur die knappen Treppenhäuser künden von den harten Bedingungen.
Fraglich ist Morger Dettlis Entscheid, den niederen Zwischenarm am Park zu schliessen. Das städtebauliche Konzept sah ein offenes Erdgeschoss vor, das Innenhof und Park verbinden soll. Nun ist der Innenhof geschlossen und wirkt für eine rege Nutzung allzu intim. Sonst aber überzeugt der gebaute «Blockmäander»: Zur Stadt hin öffnet sich ein gut proportionierter Eingangshof, am Park schliesst er eine markante und klare Front und die unterschiedlichen Höhen bewegen die Silhouette. Text: Rahel Marti

Basel, Erlentor (©Ruedi Walti) Vorgehängter Klinker, helle Jalousien: eleganter Kontrast der Fassaden im Eingangshof auf der Stadtseite. Fotos: Ruedi Walti

Wohnüberbauung Erlentor, 2009
> Baufeld B, Erlenmatt, Basel
> Bauherrschaft: Pensionskasse des Bundes 
Publica, Bern
> Städtebauliches Konzept: Ernst Niklaus Fausch, Aarau / Zürich
> Architektur: Morger + Dettli Achitekten, Basel; Fankhauser Immobilienentwicklung Reinach
> Landschaftsarchitektur: Westpol Landschaftsarchitektur, Basel
> Unternehmer: Marazzi Generalunternehmung, Bern
> Auftragsart: Studienauftrag 2005
> Anzahl Wohnungen: 240
> Investitionskosten: CHF 100 Mio.

Ruggell, Musikhaus: Harmonische Klänge

[Fin de Chantier]

Haus für Musik, Ruggell (©Ralph Feiner)
Der Stolz der Dorfmusik, der Chöre und der Musikschule: Musikhaus Ruggell (Foto: Ralph Feiner)

Ruggell, eine Gemeinde im Fürstentum Liechtenstein, hat seiner Dorfmusik, seinen Chören und den Jugendlichen der Musikschule ein eigenes Haus gebaut. Am Rande des Areals von Schulhaus und Gemeindesaal entwarfen Armin Benz und Martin Engeler einen markanten Betonkubus. Ein gros-ses Dach über dem Vorplatz verbindet den Neubau mit der bestehenden Anlage. Die Fenstermodulation verweist auf die besondere Aufgabe des Gebäudes: Hinter den lang gezo-ge-nen, rhythmisch angeordneten Bändern stehen im Innern 
speziell entwickelte, massive Schiebelamellen aus Holz, die sowohl dem Blendschutz als auch der Akustik dienen. Im Parterre und im Obergeschoss liegen die hohen Probesäle, im Zwischengeschoss die niedrigeren Unterrichtsräume, ausgekleidet mit versetzt angeordneten Eschenholzplatten. Der pa-rallele Probebetrieb von lauten Pauken und leisen Chören ist dank doppelter Ortbetonkonstruktion möglich — Schallbrücken wurden hier konsequent verhindert. Text: René Hornung

Haus für Musik und Gesang, 2008
Nellengasse 47, Ruggell (FL)
> Bauherrschaft: Gemeinde Ruggell
> Architektur: Armin Benz, Martin Engeler, St. Gallen
> Verfahren: Wettbewerb
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 7,95 Mio.

> Zahlen und Fakten: http: //connect.crb.ch

Jenaz, Altersheim: Jeder und jedem sein Zimmer

[Fin de Chantier]

Altersheim Jenaz (©Ralph Feiner)
Ein stattliches Heim, statt ein heimeliges Haus: das Altersheim am Dorfrand von Jenaz (Fotos: Ralph Feiner)

Maienfeld, Lugnez, Landquart, Grono, Jenaz, Vella — im Kanton Graubünden sind etliche Altersheime im Bau oder gebaut. Eine Gesetzesrevision treibt diese dichte Folge an, denn nach ihr wird ein neuer Zahlungsschlüssel gelten. Den alten Menschen im Prättigau kommt sie zugut, sie können nun am Dorfrand von Jenaz ihre letzten Jahre in einem stattlichen Heim verbringen. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben Freude an der zeitgenössischen Architektur: Sie ist hell, weit und an vielen Ecken gemütlich.
Im Innern gibt es überraschende Räume, Nischen und Flächen, wo die Alten in Gruppen oder für sich allein sein können. Sie können auch im Haus spazieren: Die grossen Flure sind für einen Rundumlauf mit Ausblicken über die Wiesen und auf die Strasse eingerichtet. Für die Rauchpause gibt es ein über vier Geschosse hohes Fumoir — das spektakulärste Raucherzimmer weit und breit. Wie genüsslich werden die Prättigauer dort ihre Toscani schmauchen. Die 64 Wohnschlafzimmer sind so komponiert, dass alle eine prächtige Aus-sicht haben. Sie sind sorgfältig eingerichtet, die Fenster so angeordnet, dass die Landschaft auch vom Bett aus gesehen wird. Und nahe am Sinn der Bewohner sind die Steine und Hölzer für den Innenausbau ausgesucht. Bemerkenswert sind die Aussenräume: Um das Haus wächst ein Garten mit Teichen, auf dem grossen Balkon ist ein Parcours für Bewohner eingerichtet, die Gedächtnis und Orientierung verloren haben und in eigenen Welten leben. Sie können ihre Kreise spazieren, ohne sich zu verirren und zu gefährden.
Das Altersheim zeigt, wie die Prättigauer Gesellschaft mit alten Menschen umgeht: Sorgfältig, grosszügig und solidarisch. Das überrascht. Denn das Bild dieses Tales ist anders, wenn wir nach Abstimmungssonntagen die Zeitung lesen. Dort erscheint es hartherzig, verschlossen und kleinlich. Geht es etwa um eine Verbesserung der IV, der AHV oder der Arbeitslosenkasse, so finden die Schwachen von Klosters bis Seewis kein Pardon. Laut trompeten die Helden der SVP in diesem Tal den Abbau von Staat und Solidarität und finden offensichtlich Gefolgschaft. Zu leise und zu ruhig sind die Stimmen der offenherzigen Bürger. Sie können künftig das Altersheim Jenaz als Beispiel aufführen, was Gemeinsinn gegen den schrillen Egoismus ausrichten kann. Damit das Altersheim ein guter Ort werden kann, werden Solidarität und Geld nötig sein. Text: Köbi Gantenbein, Fotos: Ralph Feiner
Altersheim Jenaz (©Ralph Feiner)

Den beiden Treppen sind Lichthöfe zugeordnet, die Licht und Blickbezüge ins Haus bringen.

Altersheim, 2009
Hauptstrasse, Jenaz GR
> Bauherrschaft: Flury Stiftung, Schiers
> Architektur: Allemann, Bauer, Eigenmann, Zürich; Nicole Eichenberger, Henning Hinrichsen
> Baurealisation: B + P Baurealisationen, Zürich
> Bauleitung: Architekturbüro Tettamanti, Schiers
> Landschaftsarchitektur: Kuhn Truninger, Zürich
> Baukosten (BKP 1–9): CHF 26 Mio. (Kantonsbeitrag CHF 11,5 Mio.)

> Zahlen und Fakten: http: //connect.crb.ch

Baden: Operation am Blinddarm

[Fin de Chantier]

Schlossbergplatz Baden (©René Rötheli)
Einst diente die Unterführung dem Autoverkehr, heute ist sie für die Fussgänger und den städtischen Bus reserviert. Foto: René Rötheli

Mit der Badener Verkehrssanierung der Sechzigerjahre hob man den Bahnübergang Bruggerstrasse auf und baute dafür eine Unterführung: den später für den Autoverkehr geschlossenen «Blinddarm». Für Fussgänger und Bus ist diese Verbindung nach wie vor wichtig; den Tunnel zu verschliessen und den Schlossbergplatz auf die ursprüngliche Ebene anzuheben, ging also nicht. Architekt Emanuel Schoop klärte und präzisierte die Situation. Messerscharf schnitt er ein Dreieck in den Platz und klappte es um ein Geschoss nach unten. Eine gläserne, mit einem Punktmuster bedruckte Membran bildet die Schnittfläche, ein gleichermassen filigranes wie massives Geländer aus Stahlstäben (Aufpralllast 30 Tonnen) umschliesst den Einschnitt. Die einstige Betonunterführung wurde zu einer von Läden gesäumten Passage. Der durchgehende Asphaltbelag bindet sie ins öffentliche Wegnetz ein, die hölzerne Decke und Mayo Buchers farbliche Gestaltung der Wände machen sie zu einem einladenden Innenraum. WH

Neugestaltung Schlossbergplatz, 2009
Schlossbergplatz, Baden AG
> Bauherrschaft: Stadt Baden
> Architektur: Emanuel Schoop Architekten, Baden
> Beleuchtung: Moser Sidler, Zürich
> Landschaftsarchitektur: Appert + Zwahlen, Cham
> Kunst: Mayo Bucher, Zürich
> Auftragsart: Wettbewerb 2004
> Gesamtkosten: CHF 10 Mio.

Rütihof (Baden): Aus zwei mach eins

[Fin de Chantier]

Doppeleinfamilienhaus Rütihof (©Tom Bisig)
Die beiden Teile des Doppelhauses in Rütihof verbinden sich zu einer Grossform.
Foto: Tom Bisig

Eine Umverteilung von Parzellen verkleinerte das Grundstück am Rand der Bauzone von Rütihof. Darum entschieden sich die Bauherren für ein Doppelhaus und nicht für zwei Einfamilienhäuser. Die Form der zwei gestauchten Hexagonformen resultierte aus der Parzellengeometrie, zudem minimiert die versetzte Anordnung die Einblicke in die privaten Bereiche. Darüber hinaus nehmen die Wohnbauten im Innern die Bewegung des leicht abfallenden Hügels auf. Der Zugang liegt im Norden, an der tiefsten Stelle der Parzelle. Eine schmale Treppe führt über das teilweise in den Hang eingelassene Erdgeschoss in das Hauptgeschoss, wo sich drei Schlafzimmer, die Küche und der Wohnraum aneinanderreihen. Die kaskadenartige Decken- und Bodenkonstruktion erzielt eine progressive Höhenentwicklung des Raums. Den Abschluss bildet das zurückversetzte Attikageschoss mit Dachterrasse. Hier geniesst man den Blick auf die Hügellandschaft des Reusstals. Text: Katharina Marchal

Doppeleinfamilienhaus, 2008
Wartackerstrasse 7 / 9, Rütihof (Baden)
> Bauherrschaft: Konsortium Bruppacher Diener
> Architektur: juergschmidarchitekten, Zürich
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 720.–

Visp, Raiffeisen: Beton im besten Licht

[Fin de Chantier]

Raiffeisenbank Visp (©Thomas Andenmatten)
Der Neubau der Raiffeisenbank Visp ergänzt die Stadtstruktur. Der Rücksprung an der Kantonsstrasse entschärft den Übergang zur Balkonfassade (links). Foto: Thomas Andenmatten

Visp setzten Vomsattel Wagner Architekten anstelle einer baufälligen Villa einen dunklen Stadtbaustein. An der Bahnhofstrasse übernimmt er — trotz Lücke nebenan — die Flucht der übrigen Bebauung, an der Kantonsstrasse springt er zurück. Erdgeschoss und drei Obergeschosse dienen der Bank und sind mit einer internen Treppe verbunden. Die Büros im 4. und 5. Obergeschoss sind vermietet. Im Attika gibt es eine Wohnung. Das Gebäude ist ein Betonbau mit tragenden Aussenwänden und Kern, wobei die Lasten so geführt sind, dass der Saal im 1. Stock und die Kundenhalle stützenfrei bleiben. Wegen der geringen Höhe der Obergeschosse (die Decken sind thermoaktive Bauteilsysteme TABS) legten die Architekten grossen Wert auf die Beleuchtung. Hier spielen die linienförmigen Wandstrahler mit einer Einbautiefe von nur 3 Zentimetern eine zentrale Rolle. LED-Leuchten setzen die Fassade in ein effektvolles Licht. WH

Wohn- und Geschäftshaus, 2009
Bahnhofstrasse 10, Visp VS
> Bauherrschaft: Raiffeisenbank Region Visp
> Architektur: Vomsattel Wagner Architekten, Visp
> Licht: Felice Dittli, Luzern; Vogt & Partner, Winterthur
> Kunst-und-Bau: Joëlle Allet, Leukerbad
> Auftragsart: Studienauftrag 2006
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 9,3 Mio.

Saas im Prättigau: Dudlers Holzhaus

[Fin de Chantier]

Haus Bergfrieden (© Ralph Feiner)
Die schwarz geölte Fassade wird mit der Zeit grauer und heller. Foto: Ralph Feiner

Nach der Legende stand das Chalet auf der Landi. 
Man stellte es danach ins Prättigau, werkelte daran und verkaufte es wieder. Eine Familie verbrachte hier lange die Ferien, bis sie 2003 Max Dudler beauftragte, eine grössere Küche zu planen. Lange suchte er nach dem Passenden. Nun steht neben dem Chalet ein Holzhaus, das erste Dudlers, nur mit einem gläsernen Gang verbunden. Die drei 33 Quadratmeter grossen Geschosse des Elementbaus sind einzig mit einem Lift verbunden, doch sie sind alle von aussen betretbar. Die Treppe ins Obergeschoss ist zwar unter Dach und hinter Fassade, aber nicht hinter Glas. Sie zählt nicht zur Ausnutzung. Mit diesem Trick kann ein Gast das Obergeschoss separat benutzen. Der Architekt entschied sich für das Bild des Strickbaus, für dessen «Abstraktion», sagt Projektleiterin Nicole Gamisch. Die schwarz geölte Fassade ist präzis entworfen und gebaut. Unerwartet dagegen sind die weissen Zimmer mit den hohen Fenstern. Ein seltsames Raumgefühl ergreift den Besucher. Text: Ivo Bösch

Haus Bergfrieden, 2009
Saas im Prättigau GR
> Architektur: Max Dudler Architekten, Zürich; Daniel Hövels, Nicole Gamisch
> Bauleitung: Renato Florineth, Domat/Ems
> Holzbau: Gebrüder Möhr, Maienfeld

Ein Sparwerk für die Axpo

[Fin de Chantier]

Axpo-Neubau (©Roger Frei)
Grosszügige Atrien bringen Licht ins Innere. Akustikpaneele sind auch Dekor und verbergen die Lüftung. Fotos: Roger Frei

Der Energieversorger Axpo — die früheren Nordostschweizerischen Kraftwerke NOK — baut nicht nur Kraftwerke, sondern auch energiesparende Häuser. Im Sommer 2009 wurde der traditionelle Geschäftssitz in Baden um einen Annexbau erweitert, der den Reduktionszielen der 2000 Watt Gesellschaft gerecht wird. Das Gebäude kann im Niedrigenergiemodus betrieben werden — gemäss Vorgaben des Minergiestandards. Der Standort ist zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar, und dank einfacher Tragstruktur und kompakter Form wird die Bilanz der grauen Energie auf niedrigem Niveau gehalten.
Das Werk von Meier Leder Architekten ist auch gestalterisch gelungen. Ihr Anbau umfasst einen viergeschossigen Bürotrakt und einen zweigeschossigen Verbindungsbau, der die neue Kantine beherbergt und das Gebäude an die bestehenden Trakte anbindet. Inmitten der massiven Bürobauten wirkt der Neubau mit seiner Hülle aus Glas hell und leicht. Ein sandgestrahltes Muster des Künstlers Jürg Stäuble verleiht der Glashülle Tiefe. Je nach Sonneneinstrahlung erscheint die Oberfläche anders: Bei schönem Wetter wirft das sandgestrahlte Muster Schatten auf das dahinter liegende Gebäude, bei diffusem Licht verbindet sich das Glas mit der Fassade.

Im Innern sorgen grosszügige Atrien für natürliches Licht. Sie öffnen aus den oberen Etagen den Blick nach unten, in die Kaffeeräume und das Personalrestaurant. Dieses mündet in der Mitte des Raums in einen Lichtschacht, den im Obergeschoss Sitzungszimmern umrahmen.
Wie die übrigen Wände des Restaurants ist der Schacht nahtlos mit einem Stromblitzornament der Basler Textildesignerin Fabia Zindel überzogen. Im Auftrag der Architekten hat sie ein Oberflächendesign entwickelt, das nicht nur dekoriert, denn die perforierten Platten sind auch Akustik-paneele und sie verdecken die dahinter liegende Lüftung. Der sich endlos über Wände und Decken spannende Blitz ist lochförmig in Holzplatten gefräst. In abstrahierter Form erinnert Zindels Muster an das Kerngeschäft des Stromproduzenten, inspiriert hat sie ein Bild des Wechselstromentdeckers Nikola Tesla, über dem sich ein grosser Blitz entlädt. Mit diesen Interventionen ergänzen Meier Leder Architekten gelungen den nüchternen Stil der übrigen Gebäudeteile und schaffen so eine Identität. Text: Paul Knüsel und Lilia Glanzmann

Axpo-Neubau
Sämtliche Nebenräume sind über einen zentralen Kern erschlossen. Das ermöglicht Arbeitsplätze entlang den Fassaden

Bürogebäude Axpo, 2009
St. Verenastrasse, Baden AG
> Bauherrschaft: Axpo, Baden
> Architektur: Meier Leder Architekten, Baden
> Fachplaner: HKP Bauingenieure Baden; Waldhauser
> Haustechnik, Münchenstein
> Fassadengestaltung: Jürg Stäuble
> Oberflächendesign Restaurant: Fabia Zindel, Matrix; Basel

> Nachhaltig gebaut: www.findepetrole.ch

Laufen Forum: Aus einem Guss

[Fin de Chantier]

Laufen Forum (© Ruedi Walti)
Als Solitär entfaltet der Betonmonolith seine ganze Kraft. Foto: Ruedi Walti

Wer in Laufen vom Bahnhof Richtung Süden läuft, stösst mitten im Siedlungsbrei auf einen Betonmonolithen: das Forum der Firma Laufen Keramik von Nissen & Wentzlaff Architekten. Es dient als Bäderausstellung und Veranstaltungsraum. Seine Form übernahm das Gebäude vom Vorzeigeprodukt des Bauherrn, einem Waschtisch der Designer Ludovica und Roberto Palomba. Sie eignet sich für die Szenografie: Das Oval lenkt die Besucher durch die Ausstellungskojen. Auch die Statik hilft der Funktion. Weil die Konstruktion am äusseren Betonring hängt, braucht sie keine Stützen: Ein offener Eventraum entsteht. Eins zu eins konnte die Waschbeckenform nicht übernommen werden, die Radien des Baus mussten sich dem Spielraum der auf dem Markt erhältlichen Verschalungen beugen. Eine weitere Metapher haben die Architekten jedoch übersetzt: Das Gebäude ist aus einem Guss, wie die Keramik, die Laufen herstellt. Text: Urs Honegger

Laufen Forum, 2009
Wahlenstrasse 46, Laufen BL
> Bauherrschaft: Keramik Laufen AG
> Architektur: Nissen & Wentzlaff Architekten, Basel
> Bauingenieur: Walther Mory Maier, Basel
> Bauphysik: Gartenmann Engineering, Basel
> Baukosten: CHF 6,8 Mio.

Yverdon: Strasse wird Platz

[Fin de Chantier]

Yverdon, Place de lAncienne Poste
Über die Betonwand und das Pflaster der Place de l'Ancienne Poste fliesst ein Wasserfilm bis zur Platzmitte.

Zwischen Altstadt und Bahnhof des Städtchens Yverdon-les-Bains lag bis 2008 die Rue de l’Ancienne-Poste. Die kurze, asphaltierte Strasse war unspektakuläres Verbindungsstück und wurde höchstens zum Hindurcheilen genutzt. Seit 2008 hat sie ihr Aschenputteldasein aufgegeben und sich zu einem attraktiven Aufenthaltsort gewandelt, der Place de l’Ancienne-Poste. Die Niveauunterschiede zwischen Fahrbahn und Trottoir sind verschwunden, ein Strassencafé stellt sommers seine Möbel ins Freie, Kopfsteinpflaster ersetzt den Asphaltbelag und fünf in einer Reihe stehende Judasbäume lassen keine steinerne Eintönigkeit entstehen. Zentrales Gestaltungselement ist eine glatte Betonmauer, hinter der eine Rampe zum Haupteingang der öffentlichen Bibliothek führt. Von der Mauerkrone läuft stetig Wasser über die Wand und weiter über den Pflasterbelag, wo es in einer schlichten Rinne wieder verschwindet. Nachts leuchten einem Sternenhimmel gleich viele kleine Lämpchen über dem Platz und hüllen ihn in märchenhaftes Licht. Text: Claudia Moll

Place de l’Ancienne Poste, 2008
> Bauherrschaft: Stadt Yverdon-les-Bains, 
Service de l’Urbanisme et des Bâtiments
> Landschaftsarchitektur: Thibaud-Zingg Architectes, Yverdon-les-Bains
> Gesamtkosten Platzgestaltung: CHF 880 000.–

Die Jury der Besten 2009 würdigte die Place de l'Ancienne Poste mit einer Anerkennung.

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