Am Bahnhof gestapelt

[Fin de Chantier]

Winterthur, Stellwerk Rail-City (©Reinhard Zimmermann)
Das grosse Veloparking ist mit grosszügigen Öffnungen mit der Oberwelt verbunden. Dort steht ein Hausstapel zur Abfahrt bereit. Fotos: Reinhard Zimmermann

Die symmetrische Gestalt des historischen Winterthurer Bahnhofgebäudes täuscht: Seit je ist das eine Ende, wo die Altstadt liegt und die Busse warten, viel belebter als das andere, wo einst die Milch aus dem Tösstal angeliefert wurde und sich die SBB-Angestellten in der Milchküche verpflegten. Folgerichtig hat die Kommerzialisierung des Bahnhofs vor zehn Jahren am belebten, südlichen Teil begonnen. Dort baute Oliver Schwarz das «Stadttor» — Jahre bevor die grossen Bahnhöfe «Rail City» getauft wurden.

Als Gegenstück realisierten AGPS Architekten nun das «Stellwerk Rail City», ein Büro- und Geschäftshaus mit einem Veloparking im Untergeschoss. 160 Meter lang soll das Haus werden — falls die zweite Etappe auch realisiert wird. Vorläufig muss man sich mit der Hälfte begnügen. Drei Teile stapelten die Architekten übereinander: das Erdgeschoss mit ausladendem Vordach, das Hauptvolumen mit drei Bürogeschossen und ein kürzeres zweigeschossiges Volumen, das über die eine Ecke hinausgeschoben ist. Das Motiv der Stapelung, verstärkt durch das dunkle «Fugengeschoss» des 3. Stocks, bricht die Höhe des Gebäudes und zieht es optisch in die Länge. Da nicht klar ist, wann (und ob überhaupt) die zweite Etappe realisiert wird, musste das halbe Gebäude als ganzes Haus erscheinen. So wartet zwar die geschlossene Wand auf den Weiterbau, doch die beiden auskragenden Geschosse verwischen den Brandmauercharakter.

Blechpaneele in unterschiedlichen Grautönen und mit einem je nach Baukörper variierenden Rhythmus kleiden das Gebäude ein und unterstützen die Stapelung. Wie bei anderen Projekten von AGPS wurde bei der Gestaltung der Fassade die Künstlerin Blanca Blarer beigezogen. Dort, wo unter dem Vordach die Unterführung auf den Platz mündet, ist die strenge Ordnung unterbrochen: Da liess Blanca Blarer die Bleche des Vordachs «aus der Reihe tanzen» und im imaginären Fahrtwind der Züge flattern.

Die Kommerzialisierung der «Rail City» Winterthur erreicht da bei weitem nicht das Mass des «Stadttors» am anderen Ende: Die Raiffeisenbank hat sich den einen, bei der Unterführung prominent gelegenen Laden gesichert, Migrolino ist in den anderen eingezogen. Für die Stadt von grösserer Bedeutung sind jedoch die Veloparkplätze im Untergeschoss, mussten dem Neubau doch zahlreiche Abstellplätze weichen, an denen viele Kantischüler ihren Drahtesel über Nacht deponierten.

Winterthur, Stellwerk Rail-City
Velos im Untergeschoss, Kommerz im Erdgeschoss, Büros in den Obergeschossen

Stellwerk Rail City, 2010
Bahnhofplatz, Winterthur
> Bauherrschaft: Schweizerische Bundesbahnen SBB
> Generalplaner: agps.architecture, Zürich; GMS Partner, Zürich-Flughafen
> Kunst und Bau: Blanca Blarer, Zürich
> Anlagekosten (BKP 1 – 9): CHF 22,4 Mio.
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 483.–

Berg und Tal

[Fin de Chantier]

DornachIn Bewegung: der Busbahnhof am Bahnhof Dornach-Arlesheim.

Am Fuss des Juras liegen die Gemeinden Dornach und Arlesheim, in einer Landschaft mit sich überlagernden sanften und unregelmässigen Hügeln. Diese inspirierten die Architekten beim Entwurf für den neuen Busterminal am Bahnhof der beiden Gemeinden. Die Planung des wichtigsten Umsteigeknotens im öffentlichen Verkehrsnetz des Kantons Basel-Landschaft und des Bahnhofsgebiets begann schon vor dreissig Jahren. Für den mutierten Quartierplan, der den Verkehr entlang der Gleise bündelt, schlugen Otto + Partner eine individuellere Lösung als ein Standard-Flachdach vor. Parallel zu den Tram- und Bahngleisen ordneten sie drei wellenförmige Bänder aus Holz-Hohlkasten-Elementen an, die von den Busspuren gequert werden. Die unregelmässig zueinander versetzten Wellen erzeugen linsenförmige Öffnungen, durch die das Tageslicht fällt. Nachts setzen die an den Stützen befestigten 
Strahler die naturbelassene Untersicht aus Dreischicht-Holzplatten ins Licht, und die direkte Beleuchtung fokussiert die Inseln für die wartenden Passagiere. Text: Katharina Marchal

Busterminal Dornach-Arlesheim, 2010
Amthausstrasse, Dornach
> Bauherrschaft: Kanton Basel-Landschaft
> Architektur: Otto + Partner Architekten, Liestal
> Anlagekosten (BKP 1 – 9): CHF 995 500.–
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 865.–

Die Tradition des Materials

[Fin de Chantier]

Pfungen-1 (©Roger Frei)
Die glatten Fassaden der Neubauten in Pfungen wenden sich der ehemaligen Ziegelei zu. Fotos: Roger Frei.

Was sollte aus dem 40 000 Quadratmeter gros-sen Industrieareal mit seinen Produktions- und Lagerbauten aus rotem Ziegelstein werden, wenn die Tongrube der Keller Ziegeleien nicht mehr rentiert? Der Gestaltungsplan von Burkard Meyer Architekten schlägt für das Areal eine Mischnutzung vor: Im östlichen Teil soll gewohnt und gearbeitet werden, im westlichen sehen die Architekten zwei Häuserzeilen vor, die dem sanft abfallenden Hang folgen und in ihrer Mitte einen begrünten Hof begrenzen. Im Sommer 2009 wurde die erste der beiden Häuserzeilen fertig gestellt. Sie besteht aus vier paarweise zusammengefassten Mehrfamilienhäusern. Im einem Baukörper sind auf 4 Wohngeschossen 14 Eigentumswohnungen untergebracht, im anderen auf gleich vielen Geschossen 16 Mietwohnungen. Die geräumigen Wohnungen zählen 2 ½ bis 5 ½ Zimmer und verfügen alle über einen eigenen Balkon oder Aussenraum.

Nähert man sich vom nahe gelegenen Bahnhof der Überbauung, springen einem zwei Merkmale ins Auge: die ausgeprägte Zweiseitigkeit der Baukörper und ihre Materialisierung. Zum künftigen Hof, der mit dem Bau der zweiten Häuserzeile entstehen wird, sind die Fassaden der Wohneinheiten mit vorgeschobenen Terrassen und Balkonen gestaffelt. Die zum Ziegeleiareal gewandten Eingangsseiten hingegen sind glatt und eher geschlossen. Diese städtisch anmutende Rückseite wird von unregelmässig gesetzten, hohen Fenstern durchbrochen, deren tiefe Leibungen mit leicht hervorstehenden Einfassungen eine Tiefenwirkung erzeugen.

Bei der Fassadenkonstruktion kam das Kelesto-Klinkerverbundsystem der Ziegelei zum Einsatz, bei dem 14 Millimeter dicke Klinkerriemchen auf die Wärmedämmplatte geklebt werden. Die roten Klinker suggerieren aber nicht einen Mauerverband, sondern sie sind stehend verlegt und aus zwei verschiedenen Breiten zusammengesetzt, was eine leichte Verschiebung der Fugen erzeugt. Die natürlichen Farbabweichungen und Glanzgrade der Tonplatten verändern den Charakter der Fassaden je nach Licht-verhältnissen. Zusammen ergibt dies eine lebendige Oberfläche, die aus der Nähe wie ein Ornament wirkt, dem Ton eine textile Anmut verleiht und inhaltlich eine Brücke zum ehemaligen Industriestandort schlägt. Text: Ariana Pradal

Pfungen-2 (©Roger Frei)

Die plastisch gegliederte Seite des Ensembles blickt auf den künftigen Hof der Siedlung.

Wohnüberbauung Ziegelei-Areal, 2009
Ziegeleistrasse, Pfungen (ZH)
> Bauherrschaft: Keller Ziegeleien, Pfungen
> Architektur: Burkard Meyer Architekten, Baden; 
Urs Burkard, Antti Rüegg, Alexander Dorsch, 
Barbara Hertle, Simon Holenstein, Ivo Kuhn, Patrick Rüdisüli, Marianne Sigg
> Bauingenieur: Walt + Galmarini, Zürich
> Bauleitung: Keller Prefadom, Pfungen
> Anlagekosten (BKP 1 – 9): CHF 14,4 Mio.
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 635.–

Givrins: Traditionell und modern

[Fin de Chantier]

Givrins, Villa (©Léo Fabrizio)
Ein Wasserbecken schliesst den Sockel der Villa ab. Der Schnitt zeigt die Zweiteilung in Sockel und Haus. Fotos: Léo Fabrizio

Die Villa T steht auf sanft abfallendem Gelände in einem Einfamilienhausquartier in der Gemeinde Givrins hoch über Nyon. Die Architekten kombinierten gekonnt traditionelle und moderne Elemente: Ein streng orthogonaler Betonriegel bildet den Sockel für einen Baukörper aus Holz mit Giebeldach. Die unterschiedlichen Materialien sind jedoch nicht auf Anhieb erkennbar, da beide in einem Beigeton eingefärbt wurden — eine Referenz an den Kalkstein der Region. Der Wohnbereich im Erdgeschoss öffnet sich südwärts auf eine Terrasse mit Schwimmbad und nach Norden auf den von zwei Annexbauten begrenzten Innenhof. In den Schlaf- und Arbeitszimmern im ersten Stock rahmen lange Fensteröffnungen den Blick auf den Genfersee und die französischen Alpen. Die Bauherrschaft wünschte sich ein Minergie-P-Haus, liess sich jedoch vom Architekten davon überzeugen, dass der Zusatz Eco, der auch baubiologische und ökologische Aspekte berücksichtigt, ohne viel Mehraufwand zu erreichen ist. Text: Christine Sidler, Fotos: Léo Fabrizio

Villa T, 2009
Givrins (VD)
> Architektur: Counson Architectes, Nyon
> Bauingenieur: Ingeni, Genève
> HLK-Ingenieur: Weinmann Energies, Echallens
> Label: Minergie-P-Eco

> www.findepetrole.ch

Zürich, Wogeno: Schränke schieben

[Fin de Chantier]

Zürich, Wogeno-Neubau. Fotos: Roger Frei
Einst standen hier zwei Häuser, jetzt ist das Grundstück mit einem Haus voll ausgenützt. Fotos: Roger Frei

1981 als Alternative zu und Antwort auf «rücksichtsloser Bauspekulation» gegründet, machte sich die Wohngenossenschaft selbstverwalteter Hausgemeinschaften (Wogeno) einen Namen mit sanft renovierten Stadthäusern. Während des Zürcher Immobilienbooms reisst sie nun selbst zwei Häuser ab, um ein grösseres zu bauen. Auf dem heute voll ausgenutzten Grundstück haben zehn Wohnungen und zwei Gewerberäume Platz. Die Genossenschaft wagt ein kleines Experiment: 7500 Franken mehr kostet es pro Wohnung, verrät der Architekt Andreas Zimmermann. Jeweils zwei Schrankelemente bilden eine Zimmertrennwand. In den grossen Wohnungen lassen sich drei Wände aus den Schränken bauen. Die Mieter können sich zum Beispiel auf 105 Quadratmeter eine Wohnung mit fünf Zimmern gestalten oder auf gleicher Fläche eine mit zwei Räumen einrichten. Ein Bewohner des Hauses spielt den Schreiner und verschiebt auf Wunsch die schweren Schränke. Text: Ivo Bösch

Neubau Grüngasse, 2009
Grüngasse 10, Zürich
> Bauherrschaft: Genossenschaft Wogeno, Zürich
> Architektur: Andreas Zimmermann Architekten, Zürich
> Auftragsart: eingeladener Studienauftrag 2007
> Baukosten (BKP 1–5): CHF 4,2 Mio.

Rickenbach bei Schwyz: Selbstbewusster Solitär

[Fin de Chantier]

Rickenbach/Schwyz: Generationenhaus. Fotos: Jürg Zimmermann
Die Mythen bilden eine imposante Kulisse für das Gehöft Urenmatt. Fotos: Jürg Zimmermann

Das Gehöft Urenmatt in Rickenbach, hoch über Schwyz gelegen, wird von einer Hofgemeinschaft bewirtschaftet. Die Bauherrschaft entschied sich, das alte Pächterhaus mit den dunklen, niederen Räumen abzureissen. An seiner Stelle steht nun ein grau verputzter Solitär selbstbewusst neben dem altehrwürdigen Gutshaus. Mit seinem hexagonalen Grundriss und dem leicht geneigten Schrägdach wirkt er wie ein Findling vor der eindrucksvollen Kulisse der beiden Mythen. Asymmetrisch angeordnete und unterschiedlich grosse Fenster verstärken die skulpturale Wirkung des Hauses. Die drei Geschosse mit den sieben Zimmern sowie einer Zweizimmer-Einliegerwohnung genügen den Anforderungen des Minergie-P-Standards — passend zur biologischen Bewirtschaftung des Hofs. Die Holzrahmenelemente der Aussenwände sind mit 40 Zentimeter Zelluloseflocken gedämmt und auch das Dach ist mit 30 Zentimeter expandiertem Polystyrol (EPS) gut gegen Wärmeverluste geschützt. Als Speichermasse dienen Decken aus Stahlbeton. Geheizt wird mit einem Stückholzofen, der mit den Sonnekollektoren auf dem Dach auch das Warmwasser erzeugt. Text: Christine Sidler

Generationenhaus, 2009
Urenmatt, Rickenbach bei Schwyz
> Bauherrschaft: Edi Baumann, Marie Gabrielle von Weber
> Architektur: Metron Architektur, Brugg
> Bauleitung: Gu plus, Schwyz
> Holzbau: Pirmin Jung Ing. für Holzbau, Rain
> www.findepetrole.ch

Gossau: Schulhaus-Schlussstein

[Fin de Chantier]

Schulhaus Gossau (Fotos: Beat Bühler)
Der verwinkelte Altbau und der Neubau bilden eine Grossform. Das breite Brüstungsband ist auch Fluchtweg. Fotos: Beat Bühler

Das Oberstufenzentrum Buechenwald in Gossau vereint Real- und Sekundarschüler unter einem Dach. Das Haus ist ein passgenauer Schlussstein auf dem Areal, der geschickt neben der verwinkelten Pädagogischen Hochschule aus den Achtzigerjahren platziert ist. Der Pausenplatz liegt am südlichen Rand vor dem Neubau. Hier verbreitert sich über den beiden Eingängen das obere Brüstungsband der Fassade und schafft einen prägnanten Auftritt für die gesamte Anlage. Der umlaufende Fluchtbalkon ermöglicht die Nutzung und Möblierung der breiten Gangzone im obersten Geschoss. Die Lösung auf dem gegen Norden abfallenden Terrain lässt das Gebäude nicht zu hoch erscheinen, dafür ist ein Grossteil der Fassade nördlich ausgerichtet. Mit den Sichtbetonwänden in den Gängen herrscht auch an sonnigen Tagen eher gedämpftes Licht. Abhilfe schaffen verstreute Oblichter und zweigeschossige Lufträume. Wenn sich der Schülerstrom über die sechs Treppen und durch die verwinkelten Gänge bewegt, wird das Innere zur bewegten Ganglandschaft. Text: Manuel Joss

Oberstufenzentrum Buechenwald, 2010
Seminarstrasse 5, Gossau SG
> Bauherrschaft: Stadt Gossau, Hochbauamt
> Architektur: Froelich + Hsu Architekten, Zürich
> Landschaftsarchitektur: Ursula Weber-Böni, Gossau  
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 18,2 Mio.
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 520.–

Zürich, Coninx-Museum: Weisse Räume für die Kunst

[Fin de Chantier]

Coninx-Museum, Fotos: Nave und Bene Redmann
Der gläserne Lift machte den grössten baulichen Eingriff im Coninx-Museum nötig. Das Treppenhaus atmet noch den Geist der Villa. Fotos: Nave (oben), Bene Redmann (unten)

1911 liess sich Otto Coninx, der Verleger des «Tages-Anzeigers», von den Architekten Pfleghard & Haefeli ein herrschaftliches Haus am Zürichberg bauen. Seit Mitte der Achtzigerjahre dient es als Museum für die umfangreiche Sammlung von Ottos Sohn, Werner Coninx. Mit einem gründlichen Umbau machten die Architektinnen Vanessa Hull und Silvia Radlinsky das Haus nun museumstauglich. Der grösste Eingriff ist der Glaslift. Aufwendig war jedoch auch der Brandschutz, etwa bei der Schiebetür im Erdgeschoss, für die fast die ganze Wand abgebrochen werden musste. Ansonsten blieb von der Originalsubstanz einiges erhalten — von den Parkettböden in zwei Räumen bis zu den aufwendig neu verglasten Fenstern. Die weisse Farbe am hölzernen Treppengeländer und an einer Kassettendecke im Obergeschoss irritieren im ersten Moment; auch diese haben die Architektinnen so vorgefunden. Sie zu reinigen, wäre sehr zeitraubend gewesen, und ausserdem passte die weisse Farbe gut zur Absicht, das Haus insgesamt «musealer» zu machen.

Umbau Coninx-Museum, 2009
Heuelstrasse 32, Zürich
> Bauherrschaft: Coninx Stiftung, Zürich
> Architektur: Hull + Radlinsky Architekten, Zürich
> Lift: Emch Aufzüge, Bern
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 3,7 Mio.

Thusis: Modern trifft auf Klassik

[Fin de Chantier]

Sanierun Thusis (Foto: Roger Frei)Der klassiszistische Bau an der Hauptstrasse ist erhalten geblieben, der Anbau im Hof hingegen wurde umgestaltet und aufgestockt. Fotos: Roger Frei

Seit 1877 ist das Haus im Besitz der Familie Trepp, die hier wohnte und anfangs mit Glas, später mit Futter und Lebensmitteln handelte. Roch es einst in Thusis nach Kaffee, dann röstete «Trepp & Co.», erzählt Verena Trepp mit Stolz. 2005 konnte sie das Elternhaus übernehmen und wünschte sich eine Renovation mit Lift. Geschickt verschob Pablo Horváth den ersten Treppenlauf und platzierte an dessen Stelle den Lift. Damit schafft er es, alle Geschosse und Zwischenpodeste zu verbinden. Den Anbau stockt er mit einem Terrassenzimmer auf. Schon während der Studienzeit um 1930 soll Rudolf Olgiati die ersten Umbauten im Haus gemacht haben, so die Familiensaga. Noch heute zu sehen ist das «Bubenzimmer» im Dachgeschoss und die Umgestaltung der Stube im zweiten Obergeschoss, wo er anstelle einer Wand eine geschwungene Vorhangschiene einbaute. Warum Horváth im umgestalteten Anbau die «klassische Moderne» sieht, kann er nicht genau erklären. Ist es die plastische Gestaltung oder sind es die stehenden Fenster, die sich an der klassizistischen Fassade des Hauptbaus anlehnen? Text: Ivo Bösch

Sanierung und Anbau Wohnhaus Trepp
Neudorfstrasse 64, Thusis GR
> Bauherrschaft: Verena Trepp, Thusis
> Architektur: Pablo Horváth, Chur
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 1,9 Mio.

Burgdorf: Schlafen in der Zwiebel

[Fin de Chantier]

Burgdorf, Wohnung (Foto: Adrian Moser)Die «Zwiebel» gliedert den Hauptraum in zwei Bereiche: die Wohnung in der Burgdorfer Altstadt. Fotos: Adrian Moser

Vor zwei Jahren bauten Freiluft Architekten eine Wohnung in den Dachstock des Burgdorfer Altstadthauses. Nun gestalteten sie eine Wohnung im zweiten Stock. Sie greift über zwei Häuser, von denen das eine in den Siebzigerjahren ohne Rücksicht auf Verluste umgebaut worden war. Der Wohnungsteil im anderen Haus atmete hingegen noch den Geist der späten Vierzigerjahre. Den Hauptraum der Wohnung gegen die Gasse räumten die Architekten aus und legten die Sanitärzellen in die Schicht des Treppenhauses. Als Raumteiler bauten sie das im Grundriss zwiebelförmige Gästezimmer, sodass der gesamte Raum weiterhin ablesbar bleibt. Im schmalen Hausteil räumten sie die Mitte aus und platzierten dort «Klein Manhattan», eine lockere Kombination von Küchen- und Haushaltsmöbeln. In den gassen- und hofseitigen Zimmern wurden die Decken aus den Vierzigerjahren entfernt, das Parkett aus der gleichen Zeit jedoch erhalten. Erhalten blieb auch das eigenartig in die Zimmerecke gerückte Bad, doch es erhielt ein neues, grünes Innenleben.

Wohnungsausbau, 2010
Grabenstrasse 4 / 6, Burgdorf BE
> Bauherrschaft: Mengi Schlegel-Domenig, Burgdorf
> Architektur: Freiluft Architekten, Bern; Alexander Grünig, Martin Klopfenstein, Matthias Zuckschwerdt
> Anlagekosten (BKP 1–9): CHF 560 000.–

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