Kollektion «Atelier Pfister»: Das Erbe, die Linie und das Experiment

Möbel der Kollektion «Atelier Pfister» (Bild: zVg von Atelier Pfister)
Umfangreich ist sie, die Kollektion «Atelier Pfister»: Dreizehn Designerinnen, Designer und Designbüros, ein bildender Künstler und eine Modedesignerin entwarfen 37 Möbel, Textilien und Leuchten. Zählt man alle Varianten hinzu, kommt man auf über 120 Teile. Heisst viel auch gut?
Der erste Eindruck: viel helles Holz, leichte Konstruktionen und filigran wirkende Entwürfe prägen die Kollektion. Die Farben sind mit wenigen Ausnahmen gedeckt und zurückhaltend. Und es fallen drei Themen auf: das aktualisierte Erbe, die Linie und das Experiment.
Erstens das Erbe: Frédéric Dedelleys Sofa «Barberêche» geht vom Schweizer Design der Fünfzigerjahre aus, etwa von Ernst Ambühlers Bettsofa, und führt es in eine zeitgemässe, entspannt urban wirkende Version. Mit dem Erbe setzt sich auch der Vorschlag von Stauffacherbenz auseinander, der den Schubladentisch aufgreift, der einst in vielen Schweizer Stuben stand. Doch die Spurensuche ist nicht an die Landesgrenze gebunden: Wie von Alvar Aalto wirkt die Sprache, die Moritz Schmid für seinen runden Stuhl, den Glastisch, eine Beistelltischfamilie und eine Garderobe wählt und sie in einen völlig eigenen Entwurf übersetzt. Ausgehen vom Bekannten und es in etwas Eigenständiges verwandeln, das gelang auch anderen Designern: Nur auf den ersten Blick «déja-vu» scheinen Nicolas Le Moignes variable Side- und Highboards oder die Leuchten von Jörg Boner: Details wie ein Reflektor, der die Leuchte auch im ausgelöschten Zustand attraktiv macht, oder überraschende Öffnungen im Sideboard zeugen von entwerferischem Selbstbewusstsein.
Zweitens die Linie: Die Linie leitet die Entwürfe des Atelier Oï, vom Sofa «Ile St. Pierre» über den Schrank, die Garderoben bis zur Leuchtenfamilie. Die Linie ist das Prinzip von Andreas Bechtigers Garderobe und taucht in Frédéric Dedelleys Ledersessel wieder auf, aber auch Adrien Roveros Beistelltisch, Stéphane Dafflons Teppiche und Sibylle Stoecklis Etagère variieren sie.
Drittens stellen experimentelle Entwürfe Aufmerksamkeit her, etwa das Bett von Fulguro, das ungezählte Varianten mit einsteckbaren Leuchten, Ablagen und Lehnstützen bereithält. Oder Adrien Roveros Sofa, das einer Parkbank ähnelt. Aber sicher auch Moritz Schmids freistehender, textiler Schrank gehört zu den Entwürfen, die die Experimentierfreude von Pfister-Kunden herausfordern. Und die Kollektion ins Gespräch bringt.
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--> Mehr zu den Möbeln der Kollektion «Atelier Pfister» in der September-Ausgabe von «Hochparterre».
Adieu Toni Wicki

Toni Wicki (im Hintergrund) tritt von der Wohnbedarf-Bühne ab, sein Nachfolger Felix Messmer will Laden und Institution in Wickis Manier weiterführen.
Mit einem Fest zwischen Corbusier-Sesseln, Willy-Guhl-Schlaufen, Bill-Hockern und anderen Klassikern verabschiedete sich gestern Toni Wicki von seinem Wohnbedarf in Zürich. «Nach gut zwanzig Jahren geht damit eine Ära zu Ende, die dieser Institution des Möbels und der Inneneinrichtung eine nie gekannte Zeit der Stabilität und des wirtschaftlichen Erfolges beschert hat», lobte der Festredner Professor Arthur Rüegg. Nun sitzt Felix H. Messmer, Wickis Nachfolger, allein am Steuerrad. Er sprach zur Festgemeinde, dass er den Wohnbedarf in Tonis Manier führen werde und gar zurück zu den Wurzeln gehe. Zum 80. Geburtstag von Laden und Idee wird Messmer wieder eigene Wohnbedarf-Möbel auflegen. Neben den Projekten und dem Vorhaben, nicht mehr nur einzelne Möbel, sondern ganze Wohnungseinrichtungen zu verkaufen. Alex Schärer, der Chef von usm, brachte als Geschenk eine usm-Kugel in Gold, montiert auf einem usm-Würfel ausserhalb des usm-Gardemasses. Das mit gutem Grund, denn «Wicki hat», so Schärer, «abertausende usm-Kugeln und also das System rundum verkauft». Nach den wohltuend kurzen Reden gab es Wurst, gute Weine, Dixieland-Jazz und viel Grüezigrüezi und Wiegahtswasmachsch? in der Festgemeinde aus Architekten, Geschäftsleuten, Designerinnen und Wohnbedärflern.

Alex Schärer, der Chef von usm, übergibt Toni Wicki eine usm-Kugel in Gold für abertausende verkaufter usm-Kugeln in Stahl.
Hidden Heroes, die virtuelle Ausstellung

«Für diese Ausstellung haben wir 41 Objekte mit mehr als 1000 Einzelexponaten für Sie zusammengestellt», empfängt «Hidden Heroes» die Besucherin. Die Besucherin im Netz, um genau zu sein, denn Vitra hat, was als Wanderausstellung im realen Raum konzipiert ist, auch als virtuelle Ausstellung ausgerichtet. Ein Klick weiter, und auf gehts zum Spielen: Hinter einem Farbbalken verbergen sich die «Heimlichen Helden», vom Bleistift über den Container bis zum Gummiband, vom Dübel über das Pflaster bis zum Zollstock. Wer den Ton aktiviert, hört beim Anklicken fröhliche Geräusche, die das Objekt charakterisieren. Wer genug ausgewählt hat, darf die selber zusammengestellte «Ausstellung betreten». Das ist lustig, denn zu betreten gibt es natürlich keinen Raum, sondern eine lineare Abfolge. Objekt nach Objekt wird erklärt, historisch hergeleitet, der Erfinder porträtiert (eine Erfinderin: Melitta Benz, die 1908 den gleichnamigen Kaffeefilter erfand) und mit Zusatzinformationen ergänzt. Beim Bleistift darf man selber zeichnen, beim Pflaster ist ein munterer Werbefilm von Hansaplast aus dem fernen Jahr 1972 aufgeschaltet, und beim Lippenstift erfährt man, dass eine Frau im Lauf ihres Lebens durchschnittlich 4 Kilogramm, also rund 1000 Lippenstifte verzehrt.
Natürlich lädt das Spiel zu kuratorischen Experimenten ein: Wie sieht die 1-Objekt-Ausstellung aus? Welches Objekt müsste zwingend ausgewählt werden und warum kein anderes? Wie fiele der thematische Rundgang à la surrealiste aus – lässt sich mit diesen Hidden Heroes eine Zusammenstellung finden, die so «schön wie die Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Operationstisch» ist, und wenn nein, warum nicht? Gibt es einen Rundgang, der Heimliche Heldinnen zeigt? Gibt es eine Ausstellung, die gescheiterte Helden versammelt?
Doch damit nicht genug, und jetzt wird es wirklich zeitintensiv: am Schluss fragt Kurator Jochen Eisenbrand scheinheilig, ob noch eine Erfindung fehle. Er tut das natürlich nicht, weil er nicht wüsste, was alles fehlt (Pampers, Sparschäler, Knirps, Visitenkarte, USB-Sticks...). Sondern weil er die virtuelle Ausstellung nochmals virtualisiert: Wir sollen auch ohne Website über die verborgenen kleinen Helfer und Helden nachdenken, über die Kriterien der Auswahl und die bedeutungsvolle Zusammenstellung. Womit sich das schwerfällige Medium Ausstellung komplett in den zerebralen Raum verflüchtigt hat.
--> Wer sich trotzdem nach den Objekten sehnt, reist nach Weil am Rhein auf den Vitra Campus. Im Buckminster Fuller Dome ist die Ausstellung noch bis zum 9. September zu sehen.
Atelier Pfister im Laden

Die Möbel der Kollektion Atelier Pfister haben ihren Weg auf die Verkaufsfläche gefunden. Letzten Donnerstag noch wurden sie an einer grosszügig bewirteten «Alle-aber-auch-wirklich-alle-sind-da»-Party gefeiert. Am richtigen Ort (an der Grubenstrasse 27 im Zürcher Binzquartier), mit der richtigen Musik und den richtigen Leuten - es schien, als hätten die Verantwortlichen schlicht alles richtig gemacht. Oder wie ein Konkurrent meinte, der Aufwand, diese Kollektion aufzubauen, hätte sich auf Grund der flächendeckenen Publicity schon jetzt bezahlt gemacht. Wann berichtet die Boulevardpresse schon mal über Designer? Über Design, für das sich grade mal 8 bis 10 Prozent der Kunden interessiere? Für das junge Design aus der Schweiz wäre es freilich wichtig, dass sich der Erfolg auch in Verkaufszahlen messen lässt. Die Chancen sind intakt, denn wenn von den eingeladenen 3000 Gästen (1500 haben sich angemeldet, und gefühlte 20'000 waren an der Lancierung) jeder dritte in den Laden stürmt, dürfte es schon mal gut voran gehen.
Der grösste gestrickte Rollschuh der Welt

Ein Smart im gestrickten Rollschuh-Kleid (Bild Senior Design Factory)
Glaubt man den Trend-Magazinen, ist Stricken wieder in Mode gekommen. Jung und Alt greifen zu Stricknadel und Wollknäuel. Doch es müssen nicht immer gestrickte Socken oder gehäkelter Schals sein, wie obiges Bild zeigt: 30 Kilogramm Wolle haben junge Designer und Seniorinnen über die Sommerferien zum grössten gestrickten Rollschuh der Welt verstrickt. Mit dem Projekt «Strick'n'Roll» wollen Debora Biffi und Benjamin Moser von der Senior Design Factory zeigt, wie Design Generationen verbinden kann. Durch kreative Projekte wollen sie den Austausch zwischen jüngeren und älteren Menschen fördern und so auf den demographischen Wandel reagieren. Die Vernissage des Wollrollschuhs findet im Rahmen der «Smart Urban Stage» am Mittwoch, 25. August 2010, in Zürich statt. «Dazu gibt es feinste Cupcakes, kühle Getränke und heissen Sound aus Sonja de Grazios (82) digitaler Jukebox», heisst es in der Medienmitteilung.
--> «Strick'n'Roll», Vernissage mit Apéro, Mittwoch 25. August 2010, 19 Uhr, im Puls 5, Zürich.
Und zum dritten: Stuhl-Auktion im Café Z am Park

Classics à la mode de Boner, Fuente, Gnirs und Schaelli. Foto: Sandra Kennel
Zum dritten Mal findet im Café Z am Park, das von Studio Aekae gestaltet wurde, die Stuhl-Auktion statt: Verschiedene Designer redesignen je vier Horgenglarus Stühle (Mod. Classic). Die überarbeiteten Stühle können jeweils während vier bis fünf Monaten im Café Z am Park getestet werden, bevor sie versteigert werden.
Der Gewinn kommt den Gestaltern zu Gute. Mit dem nötigen Kleingeld und etwas Auktionsglück kann man die Stühle Nr. 45-64 von Jörg Boner, Thilo Fuente, Stefan Gnirs und Colin Schaelli nach Hause tragen. Die Auktion wird nicht die letzte sein, denn anschliessend feiert man die Vernissage der neuen Entwürfe von KuengCaputo, Frédéric Dedelley, Andreas Saxer, Dylan Gregory und Fabian Leuenberger.
--> Z am Park, Zurlindenstr. 257, 8003 Zürich
--> Freitag, 20. August: Apéro 19 h, Auktion 20 h, Vernissage 21 h
Papierdesign von Naoto Fukasawa an der Ornaris
Vom Kunsthandwerk über kleine Helfer für die Küche bis zu Trends im Schmuckdesign: An der Ornaris stellen 450 Hersteller, Händler und Designerinnen in zwölf Sektoren ihre Waren aus. Ein Höhepunkt ist die von Naoto Fukasawa entworfene «Siwa»-Kollektion, die Thomas Merlo präsentiert. Das Sortiment umfasst Taschen, Pantoffeln, Brillenetuis und Boxen auf der Basis von Reispapier.
Weil auf dem Berner Messeplatz bis 2011 eine neue Halle entsteht, findet die Ornaris-Sommerausgabe ausnahmsweise in Zürich statt – sie ist heute noch bis um 17 Uhr geöffnet. Mehr zur Fachmesse für Neuheiten und Trends finden Sie hier.
Freitag macht das iPad zur iPan

Das F23 iPad Sleeve schützt das Tablett auch in Extremsituationen. (Bild: Freitag Lab AG)
Das ist keine Bratpfanne, in der hier Eier und Speck brutzeln, sondern die neue Schutzhülle fürs iPad von Freitag: Der Touchscreen des Tablets reagiert nicht nur empfindlich auf Berührungen sondern auch auf Bratfett. Freitag hat deshalb auch fürs iPad eine individuelle, rezyklierte Hülle massgeschneidert. Glaubt man dem Foto, kann man damit auf dem Touchscreen sogar Spiegeleier braten. Das «samtene, selbstreinigende, fallschirminspirierte» F23 iPad Sleeve schützt das iPad vor jeglichen Umwelteinflüssen. So muss man sich auch in Extremsituationen keine Sorgen um sein digitales Spielzeug machen. Die Hülle kostet 95 Franken und ist ab sofort bei Freitag erhältlich.
Bayerischer Staatspreis für Elektromobilität
Der eCarTec Award für innovative und nachhaltige Elektromobilität wird zum Bayerischen Staatspreis. Mit der Auszeichnung will das Land, in dem der Verbrennungsmotor erfunden wurde, die elektrischen Antriebstechnologien fördern: Der mit insgesamt 52'500 Euro Preisgeld dotierte eCarTec Award wird in sieben Kategorien verliehen: Von Elektrofahrzeugen über Speichertechnologien bis zu einem Sonderpreis für nachhaltige Mobilitätskonzepte. «Die Elektromobilität ist mit entscheidend für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie», meint Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil: «Das Mutterland des Verbrennungsmotors muss auch Ideen- und Taktgeber für den Antrieb der Zukunft sein.» Anmeldeschluss für den eCarTec Award ist der 20. September 2010. Die Preisträger werden anlässlich der eCarTec Messe in München am 19. Oktober bekannt gegeben.--> eCarTec, Leitmesse für Elektromobilität, 19. – 21. Oktober 2010, München.
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