Design Preis Schweiz: Familientreffen
Knallorange und mitten im Weg stand der Aebi VT 450. Wer die Ausstellung der nominierten Projekte im neuen Designdepot in Langenthal sehen wollte, musste sich daran vorbei schlängeln. Mit gutem Grund stand er da, so dass ihn alle sehen konnten, aber das erschloss sich dem Publikum – ausser den paar Eingeweihten – erst später am Abend, an der Preisverleihung. Der Bubentraum hat gewonnen, und erstaunlich genug: er stiess geschlechtsunabhängig auf Zuspruch. Das hat mit dem sympathischen Auftritt des Siegers Paolo Fancelli zu tun (Bravo, bravo!), aber wohl auch mit der urschweizerischen Aebi-Design-Tradition, in die er sich stellt (und ja, bei der Gelegenheit: Aurel Aebi von Atelier Oï ist über viele, viele Ecken mit den Traktorbauern verwandt). Auf jeden Fall bot Fancelli einer der Höhepunkte an der Preisverleihung in der gut gefüllten Markthalle Langenthal. Als Moderatorin Nicole Salathé Fancelli fragte, was ihn inspiriert hätte, antwortete dieser nach einem kurzen Zögern: «Die Kuh». Die Kuh? Er hätte schon als Junge den Vergleich zwischen dem Vieh, das auf steilen Weiden graste, und den roten Aebi-Transportern gezogen, und der fiel offenbar nicht immer zugunsten der Kuh aus.
Bis endlich Fancelli an die Reihe kam, freute sich das Publikum verschiedentlich ob der mehr oder weniger gewollten Situationskomik auf der Bühne. Als Rado-CEO Streule aus lauter Eifer seine Firma zur einzig legitimen Designmarke der Schweiz machte, gab es Lacher, und er schob schnell «im Uhrensektor» nach, aber da war es schon draussen; es folgte Herzog-de-Meuron-Partner und Juror Ascan 'bitte-mehr-Musik-aus-Schweden' Mergenthaler: Er verlieh den Rado-Preis an die schwedisch-schweizerische Entwurfstruppe für den DJ-Pacemaker und sprach bei dieser Gelegenheit von der Jury als einer «eingeschweissten Truppe». Dazwischen wurde die abtretende Design-Preis-Organisatorin Heidi Wegener gelobt, die sich als Blumenfee und Rado-Werbung (für Jasper Morrisons Uhr r5.5) betätigte. So von CEO Ruckstuhl, der nach Streule noch einen nachlegte und aus Langenthal gleich das Schweizer Designmekka machte.
Hübsch war Martin Leuthold, der für sein Projekt Secret Garden, einen federleichten, metallbeschichteten und bedruckten Stoff, den einen der beiden Swiss Textile Design Awards erhielt, und der überraschten Moderatorin das schöne Stück gleich um die Schultern legte. Wobei die sich fast noch intensiver für den Paillettenstoff interessierte, den Meister Leuthold übergezogen hatte. Trockener gings beim zweiten Swiss Textile Design Award zu und her, bei dem sich die Bühne mit noch mehr Männern füllte (war da was von Nachwuchsförderung?). Für die Antiklimax des Abends musste dann Heidi Wegener antreten und mit Grabesstimme verkünden, dass die gestrenge Jury keinem der beiden vorgeschlagenen Projekte einen Preis in der Kategorie Research verleihen konnte - die seien noch nicht so weit, und die Juroren hätten halt gerne Resultate gesehen. Was das denn für ein Forschungsbegriff ist, fragte man sich, aber da ging der muntere Preisregen schon weiter. Es folgten die fünfzehn nominierten Newcomer, den Preis holte sich Colin Schaelli, der zwischen Tokyo und Zürich pendelt, mit dem für die Brüder Freitag entworfenem modularen Regal aus rezykliertem Kunststoff. Auch er landete einen Lacher: als die Moderatorin ein Statement über den Unterschied zwischen Japanern und Schweizern aus ihm herauskitzeln wollte, meinte er: Es hätte halt mehr Leute in Japan, was für einen Designer nicht unwesentlich sei, gebe es doch so schlicht und einfach mehr Käufer für seine Entwürfe.
Die Schlusskurve zog sich dann noch etwas hin - Anne Keller, ihres Zeichens Stiftungsratsmitglied der spendablen Zumsteg Foundation, hielt die Laudatio auf den Merit-Award-Gewinner Albert Kriemler, auch er ein Liebling der Szene, dem warmen Applaus nach zu schliessen. Er nutzte die Gelegenheit, um den Verantwortlichen der «verschiedenen Schweizer Design Preise» einzuheizen, diese endlich zusammenzulegen - zwecks besserer internationaler Schlagkraft. Kriemler darf das, denn er hat nun mit dem eidgenössichen Grand Prix Design und dem privatwirtschafltich finanzierten Merit-Award eigentlich abgeräumt, was es in diesem Feld so gibt. Und er brachte also ein Ansinnen vor, das schon zu mehrfachen Gesprächen zwischen dem Design Preis Schweiz und dem für die eidgenössischen Designpreise verantwortlichen Bundesamt für Kultur geführt hat. Wieso die von allen als sinnvoll erachtete Zusammenlegung nicht gelingen will? Das wissen die Götter, die aller Vermutung nach nicht nur in Bern, sondern auch im «Designmekka Langenthal» hocken.
--> Alle Gewinner auf einen Blick gibt es hier.
--> «Welche der Gewinner ist Ihr Favorit?». Der Film von der Preisverleihung.


