In Russland kann man das Fernwärmenetz einschalten und man kann es ausschalten, aber regulieren kann man es nicht. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert vieles andere auch - beispielsweise die Planungs- und Bauwirtschaft. Angesichts der Krise haben viele Investoren ihre Projekte (egal in welchem Stadium sie sind) kurzerhand gestoppt.

Die Architekten haben über Nacht den grössten Teil der Aufträge verloren, und es kann von Glück reden, wer nicht noch zahlreiche Rechnungen offen hat. Denn nun noch Geld zu kriegen, ist kaum mehr möglich.

Moskau, Januar 2009
Die triste Novemberstimmung mitten im Januar passt gut zur aktuellen Stimmungslage unter den Moskauer Architekten.

So ging es auch meinen Freunden, die noch vor kurzem über zu viel Arbeit und zu wenige Leute klagten (HP 11/08). Statt zehn arbeiten noch fünf im Büro und man zehrt von den Reserven. Die Honorare für die wenigen Aufträge, die geblieben sind, sind auf das Niveau von 2003 gefallen - also auf die Hälfte. Gleich hoch geblieben sind jedoch die Mieten für den knappen Büroraum. Und diese belasten das Budget gleichermassen wie die Löhne.

Trotz dieser schlechten Aussichten haben meine Freunde eine Wohnung gekauft, zentrumsnah gelegen und gut erschlossen. Die ursprüngliche Absicht, eine Hypothek aufzunehmen, haben sie aufgegeben - zum Glück: Bei den ersten Gesprächen lagen die Zinsen bei 9 Prozent, beim nächsten Gespräch zwei Wochen später schon bei 15 Prozent. Und heute liegen sie bei 25 Prozent (nein, hier fehlt kein Komma zwischen der 2 und der 5)!

Im Alltag ist von der "Krisis" wenig zu spüren. Die Restaurants sind vielleicht nicht mehr ganz so voll und die Läden etwas weniger belebt. Auf allzu grosse Rabatte in den Geschäften kann man nicht hoffen. Innert weniger Wochen hat der Rubel ein Viertel seines Wertes eingebüsst, was die Importe entsprechend verteuert. Bis Mitte Januar verkauften die Geschäfte noch zu Preisen von 2008, so dass sich viele noch mit Haushaltgeräten, Baumaterialien oder Heimelektronik eindeckten. Und nun harrt man der Dinge, die da kommen mögen.