Buch der Woche: Verblichener Charme
Wer das Bergell hinauf fährt, dem fällt vor Promontogno der mächtige, an prominenter Lage thronende Hotelbau auf. Und so unvermittelt wie das «Bregaglia» auftaucht, entschwindet es bei der Einfahrt ins Tunnel der Umfahrungsstrasse wieder aus dem Blickfeld. Bis heute präsentiert sich das Hotel in vielen Teilen in seinem ursprünglichen Zustand, es steht noch immer jeden Sommer seinen Gästen offen. Die etwas verblichene Pracht übt eine fast magische Anziehung aus – auch auf Wissenschafter, Historiker und Kunstsachverständige. Nun haben der Journalist und Weinproduzent Stefan Keller und die Kunsthistorikerin Isabelle Rucki die Geschichte des Hauses rekonstruiert, der Architekturfotograf Heinrich Helfenstein hat sie ungeschminkt ins Bild gerückt. Als Nebenprodukt dieser Forschung werden im Buch erstmals auch die weiteren Hotelbauten des aus Italien stammenden Architekten Giovanni Sottovia in der Schweiz dokumentiert. Die Herausgeber konnten viele Autorinnen und Autoren motivieren, die bauliche und wirtschaftliche Geschichte des Hauses nachzuzeichnen. Frühere Hoteliers und der heutige Besitzer werden vorgestellt, ebenso die teils illustren Gäste.
Hotel Bregaglia. Ein Findling im Bergell.
Isabelle Rucki und Stefan Keller, Verlag hier+jetzt, Baden 2009, CHF 48.-


