Selbst ist die Architektin
Fordernd der Blick aus den hellen Augen, leicht lächelnd zwar der Mund, doch gefasst und konzentriert das Gesicht. Die Fotografie ganz am Ende des Buchs offenbart viel von Louise «Lux» Guyer. 1894 in Zürich geboren, war sie bekanntlich die erste Schweizer Architektin mit eigenem Büro. 60 Bauten realisierte sie, vor allem Wohnhäuser; einige als ihre eigene Bauherrin, die sie vor dem Verkauf selbst bewohnte – wie um zu prüfen, ob ihre Konzepte aufgingen und wie um den Käufern vorzuführen, wie sie die Häuser bewohnen konnten. In der Mitte zwischen «marktschreierischer Modernität und falschem Historismus» habe sich Lux Guyer bewegt, notierten Dorothee Huber und Walter Zschokke 1983 im ersten Buch, das die Architektin wiederentdeckte. Seinen Ursprung mag dieser eigensinnige Mittelweg im selbstständigen Weg in die Architektur haben, den Lux Guyer wählte – wählen musste, da als Studentin an der ETH nicht zugelassen.
Sie lernte in Kursen skizzieren, entwerfen, Innenausbau oder Ornamentik und begab sich 1919 auf ihre «Grand Tour» von Paris über Florenz und London bis nach Berlin, wo sie Gehversuche als selbstständige Architektin machte. Hunderte von Briefen an ihre Schwestern aus dieser Zeit zeugen - wie der erste Essay des Buches schildert – von einer starken Ungeduld und Sehnsucht nach Bruch und Aufbruch. Doch 1923 kehrte Lux Guyer nach Zürich zurück; mit leeren Taschen, aber voll Hartnäckigkeit begann sie, ihren Weg zu bahnen. Das Buch – solid in Essays, Abbildungen und Anhang wie vom gta Verlag gewohnt – beleuchtet einzelne Aspekte ihres Werks und bietet den ersten vollständigen, kritischen Werkkatalog.
Sylvia Claus, Dorothee Huber, Beate Schnitter: Lux Guyer (1894–1955). Architektin. gta Verlag, Zürich, 2009. CHF 54.-


