Der Architekt Bruno Giacometti ist ein grosser Erzähler. Er hat ein phänomenales Gedächtnis auch noch als Hundertjähriger und die Gabe, Anekdoten mit den grossen Bögen zu verbinden. In einem Interview erzählt er Felix Baumann, dem ehemaligen Direktor des Kunsthauses Zürich, aus seinem Leben. Beide verbindet Alberto Giacometti: Der eine ist der jüngste Bruder, der das Werk des Künstlers zusammenhielt; der andere ist der Präsident der Alberto Giacometti-Stiftung, die heute über einen beachtlichen Teil dieses Werkes verfügt. Und so kreist das Interview, das in zehn Teilen über vierzig Stunden dauerte, immer wieder um Werk und Person Albertos. Fliegt dann aber aus zu den Erinnerungen ans Bergell, wo Bruno 1907 zur Welt kam und wo die Haustypen stehen, die seine Arbeit als Architekt in und um Zürich bemerkenswert machen: Spital, Schulhäuser, Wohnsiedlungen in der Art der heitern Moderne, wie sie in der Schweiz der Fünfziger Jahre wichtig war.

 

Bruno ist ein nüchterner Erzähler. Er berichtet fakten- und detailreich, geizt aber mit Interpretationen sowohl der Kunst seiner Brüder Alberto und Diego als auch seines eigenen Werks. Immerhin wissen wir nun, dass Alberto Giacometti kein Interesse an Architektur hatte, an zeitgenössischer schon gar nicht und sich wehrte gegen ein Flachdach, das Bruno auf sein Atelier in Maloja stellte. Ein Interview mit einem, der 1930 sein Diplom an der ETH Zürich machte und dann 50 Jahre sein Architekturbüro führte und reden kann, ist eine quicklebendige Art, Architektur- und Kunstgeschichte zu erzählen. Und wer es eher mit nüchternen Fakten hat, den wird das detaillierte Werkverzeichnis freuen, das Roland Frischknecht zusammengestellt hat.

Bruno Giacometti erinnert sich. Gespräche mit Felix Baumann. Mit einem Werkverzeichnis der Bauten von Bruno Giacometti von Roland Frischknecht. Verlag Scheidegger und Spiess, Zürich 2009, CHF 39.90.-