Der Glamour des Abstellraumes
Wer kann einem solchen Titel widerstehen? Ich nicht, blieb also Sonntag Abend nach dem Tatort wach, und sah mir (um 0h05!) die erste Folge der dreiteiligen Dokumentationsreihe auf Arte an. Um Räume für Autos gehts, eben Abstellräume, aber um solche der Premium-Klasse, um in der Boliden-Sprache zu bleiben. Der Autor Michael Trabitzsch zeigt Tiefgaragen mit aufwändiger Kameratechnik, den Architekten im O-Ton und mit flitzendem Filzstift, sowie viel poetischem Vergleichs-Schmalz. So darf die Orgelmusik nicht fehlen, wenn vom kathedralengleichen Raum der Tiefgarage in Renne von Nicholas Michelin die Rede ist. Der Architekturfotograf, den man bei seinen Besichtigungen der heiligen Hallen begleitet, sei «wie der Trapper, der die Spur zu lesen versteht». Aber es ist sowieso zu spät, um weh zu tun.
Neben Bekanntem und Legendärem, wie die Parkgaragen in Lyon, die Anfang der 1990er Jahre die Aufwertung europäischer Tiefgaragen einläutete, und einer vollautomatischen Parkmaschinerie in München, zeigt der Film beeindruckende Räume aus Graz (Szyszkowitz-Kowalski gruben sich 6 Geschosse tief unter die Altstadt) und Den Haag. Dort war es der ehemalige Partner des O.M.A., Floris Alkemade, der aus Tiefgarage, U-Bahn, Rolltreppen und Liften eine an Piranesi erinnernde unterirdische Stadt schuf.
An den folgenden Sonntagen gehts um Parkhäuser (am 14.2. um 23h40) und Autohäuser/-museen (am 21.2. um 0h10). Der Glamour des Abstellraumes, ARTE/ZDF, Deutschland 2009, je 26 Min. Infos hier.


