|  2010-09-08 
Gediegen fast wie im Grand Hotel: In der Toilette des Shoppi Tivoli in Spreitenbach gibt es Handtücher aus Frotée. Das imponiert auch DJ BoBo. Doch werden die Tücher nicht geklaut? Und wenn schon: Für das Einkaufszentrum ist das auch Marketing.
Aus dem Helikopterflug wurde heute nichts, der Wind war zu stark. Das alte Shoppi-Logo auf dem Hochhaus in Spreitenbach hat eine Gnadenfrist erhalten. Nun soll der Heil am Freitag fliegen und das alte durch das neue Logo von Shoppi Tivoli ersetzen. Noch bis Sonntag können die Buchstaben und die alte Tivoli-Maus für einen guten Zweck auf Ricardo ersteigert werden. Mit dem neuen Logo setzt das mit 78'000 Quadratmetern Verkaufsfläche grösste Einkaufszentrum der Schweiz einen Schlusspunkt unter die fast zehnjährigen, 250 Millionen Franken teuren Umbau- und Sanierungsarbeiten.
Ende Oktober wird der Komplex, dem der Architekt und Designer Matteo Thun sein neues Antlitz gegeben hat, neu eröffnet. Da gibt es dann ein Kochen mit René Schudel, Linda Fäh auf dem Laufsteg und eine Olympiade mit Christa Rigozzi. Vor allem aber gibt es am 31. Oktober ein Extrakonzert von DJ BoBo & Friends, und er ist fortan die Hauptperson des Shoppi Tivoli. Jedenfalls bis 2013. So lange läuft nämlich seine Verpflichtung als Markenbotschafter. Und er hat seine Rolle schon perfekt einstudiert: «Das Shoppi Tivoli und ich, wir haben das gleiche Zielpublikum», diktierte er in die Mikrofone: «Die Familie».
Lange hat es gedauert, bis zusammenwuchs, was nicht zusammengehören wollte: 1970 wurde das Shopping Center Spreitenbach als erstes in der Schweiz eröffnet, 1974 folgte das Tivoli jenseits der Strasse. Erst seit 2001 stehen sie unter einer gemeinsamen Verwaltung - vorher waren sie erbitterte Konkurrenten.

Thomas Kurer, VR-Präsident der Shopping Tivoli Management AG, erläutert dem neuen Markenbotschafter DJ BoBo das umgebaute Einkaufszentrum.
In der Oktober-Ausgabe widmet Hochparterre seine Titelgeschichte den Einkaufszentren in der Schweiz: Was hat sich in den letzten 40 Jahren verändert? Was ist gleich geblieben? Themen sind die Aussenerscheinung, die Mall und der Grundriss. Dargestellt sind neben dem Shoppi Tivoli fünf weitere grosse Zentren der Deutschschweiz.
Von Andres Herzog @ 16:04 Karamuk Kuo Architects gewinnen zusammen mit Haag Landschaftsarchitektur den Projektwettbewerb für die Erweiterung des Kindergartens an der Schulstrasse in Aadorf. Ünal Karamuk wählt für «Hochparterre Schweiz» eine Visualisierung und einen Plan aus und beantwortet unsere drei Fragen.

Visualisierung des Kindergartens
Was ist die Erfindung des Siegerprojektes?
Ünal Karamuk: Je zwei Kindergarteneinheiten werden verdreht zueinander gestapelt, sodass jede der vier Einheiten trotz dem relativ steilen Hang einen ebenerdigen Zugang zum Aussenraum hat. Gleichzeitig ergibt sich durch die Verdrehung eine innere Erschliessungszone, die als Ausdehnung der formellen Klassenzimmer zu besonderen Spiel- und Lernzwecken genutzt werden kann.
Wie verhält sich der Bau zur Umgebung?
Der zweigeschossige Neubau bildet die Schnittstelle zwischen dem asphaltierten Platzraum der Schulanlage und dem sich nach Süd-Westen hin öffnenden Landschaftsraum. Gegen die bestehenden Schulbauten hin bindet sich der Gebäudekörper direkt an und bildet deren Abschluss. Gegen Westen hin faltet sich das Volumen auf und bettet sich in eine informelle, parkartige Anlage ein. Eine sanfte Terrassierung des bestehenden Hangs zoniert den Garten und schafft verschiedene Spiel- und Bewegungsflächen.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Die Herausforderung lag vor allem darin, die überdurchschnittlich grossen Klassenzimmer (90m2) in Übereinstimmung mit der anspruchsvollen Topographie zu bringen und gleichzeitig Nutzungsflexibilität, direkten Aussenraumbezug und Kompaktheit zu gewährleisten.

Grundriss
Kindergarten-Erweiterung Schulstrasse in Aadorf
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit 10 Teilnehmern für die Schulen Aadorf (TG).
- 1. Rang: Karamuk Kuo Architects, Zürich, mit Haag Landschaftsarchitektur, Zürich.
- 2. Rang: Lauener Baer Architekten, Frauenfeld, mit Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau.
- 3. Rang: Niedermann Sigg Schwendener Architekten, Zürich.
- 4. Rang: Dominik Herzog Architekten & Berrel Berrel Kräutler Architekten, Zürich.
- Weitere Teilnehmer: MMJS Jauch-Stolz Architekten, Luzern; ARGE BMBK, Bischoff Kopp Architekten und Blatter + Müller, Weinfelden; Joseph d' Aujourd'hui, Zürich; Wepfer Architekten, Kreuzlingen; Roman Singer, Architekt, Zürich; Bruno Fioretti Marquez Architekten, Lugano.
Von Andres Herzog @ 15:28
Im Spiel «Tête-à-pied» stampft man mit Riesenfüssen durch eine Märchenwelt (Bild: gamedesign.zhdk.ch)
Zwei Duzend Kinder drängen sich im abgedunkelten Raum um PC-Bildschirme, Spieltische und Tablet-Computer. Sie versuchen mit eifrigen Mausklicks das Feuer in dem Hänsel und Gretel schmoren zu löschen, durchwandern mit einer Laterne in der Hand einen finsteren Wald oder fliegen als Fee durch eine Phantasiewelt. Wer die Ausstellung über Computerspiele am Animationsfilmfestival Fantoche besucht, merkt schnell: Dieses Jahr dreht sich alles um das Thema Märchen. Am Festival verwandeln die Zauberkünste der Animationsfilmer alte Märchen in neuen Bildergeschichten. Die Game Design Studentinnen der Zürcher Hochschule der Künste haben dazu Computerspiele entwickelt, in denen man selber in die Rolle der fiesen Hexe oder des bösen Wolfs schlüpfen kann. Damit setzt das Festival die im vergangenen Jahr begonnenen Reihe «Games» fort, die sich der visuellen Verwandtschaft zwischen Computerspielen und Animationsfilm widmet.
Das Spiel «Tête-à-pied» verknüpft diese beiden Welten auf witzige Weise: Im Game von Sarah Celebioglu und Livo Lunin stampft man als Riese durch ein von kleinen Kreaturen bewohntes Märchendorf. Doch aufgepasst, dass man die Wesen nicht zertrampelt und so den sensiblen Riesen traurig stimmt. Gesteuert werden die nackten Riesenfüsse ähnlich wie bei einer Marionette, indem man an zwei Schnüren zieht. Diese wandeln die Armbewegungen aus der realen Welt in das Stapfen der Füsse auf dem Computer um. Durch die eigenartige Steuerung taucht man nicht nur visuell sondern auch physisch in die Märchenwelt ein. «Uns ging es nicht darum, irgendwelchen Punkten hinterher zu rennen», erklärt Sarah Celebioglu die Idee. «Vielmehr wollten wir eine Welt schaffen, die man erfahren und erleben kann.»
Andere Spiele beziehen sich auf einer übergeordneten Ebene auf das Thema Märchen. Im Spiel «Trust In Me» von Kaspar Manz folgt man als Wolf einer verführerischen Stimme, beginnt diese jedoch immer mehr zu hinterfragen. Jonas Widmers schliesslich abstrahiert in «Mythematik» verschiedene Märchen zu einem dreidimensionalen Puzzelgame, in dem wie in jedem Märchen zwei separate Dinge zusammenfinden müssen. So spinnen viele der Spiele den Märchengedanken weiter zu einem raffinierten Gameplay. Die Kinder zeigten sich denn auch begeistern von dieser Mischung aus Spiel- und Märchenwelt.
--> «Märchen- und Spieleatelier», Ausstellung der Studentenarbeiten der ZHdK am Animationsfilmfestival Fantoche, noch bis 12. September 2010, 12.00 bis 22.00 Uhr, im Saal Merkker, Baden.
--> Mehr zur Verwandtschaft von Computerspielen und Animationsfilmen zeigt die Ausstellung «Visual Playgrounds», die sich der Ästhetik von «Independent Games» widmet. In der Stanzerei, Baden.
Von Andres Herzog @ 10:51
Soll nun doch nicht abgerissen werden: MFO-Gebäude beim Bahnhof Oerlikon (Bild: PD)
Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon ist gerettet, schreibt der «Tages-Anzeiger». Die ABB stimmt der Verschiebung des MFO-Gebäudes beim Bahnhof Oerlikon zu. Noch im Juli hiess es, die Firma weigere sich, das Gebäude zu verschieben, um Platz für die Gleiserweiterungen der SBB zu machen. Doch nun beugt sich das Unternehmen dem Druck der Öffentlichkeit und will «seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen». Der 1869 errichtete Bau gilt als wichtigster verbliebener Zeuge der Industrialisierung in Oerlikon. Eine Studie zeigte, dass das 5'600 Tonnen schwere Gebäude durch eine Verschiebung um 63 Meter gerettet werden kann. Doch der Zeitdruck ist gross: 2012 wollen die SBB mit den Gleisbauarbeiten für die Durchmesserlinie beginnen. Hochbauvorsteher André Odermatt will das Geschäft nun mit Hochdruck vorantreiben.
Weitere Meldungen:
- Die Chancen für das geplante 500 Millionen-Eventzentrum in Basel sinken, meint die «Basler Zeitung». Selbst der federführende Immobilienentwickler Losinger ist eine nach der Veröffentlichung der Pläne nur bedingt zuversichtlich.
- Im März wurde die neue Monte-Rosa-Hütte hoch über Zermatt eröffnet, bereits haben 9'000 Personen darin übernachtet. Ist bei einem solchen Ansturm ein Naturerlebnis noch möglich, fragt sich Thomas Widmer heute im «Tages-Anzeiger».
- In Zürich Leimbach entsteht ein Wohngebäude für Menschen mit starken Allergien, berichtet der «Tages-Anzeiger». Die 15 Wohnungen sind nur durch spezielle Schleusen betretbar, erklärt Architekt Andreas Zimmermann, der den Studienauftrag gewonnen hat.
- Das Klima im Innenraum gewinnt im Bausektor an Bedeutung, schreibt die «NZZ». In Wallisellen ist am Dienstag ein erster Schweizer Holzbau mit dem Label «Gutes Innenraumklima» ausgezeichnet worden.
- Der Streit um den Bau des Feuerwehrstützpunkts Forsthaus-West in Bern ist beigelegt, meldet der «Bund». Architekt Ralph Baenziger und Stadtbauten Bern akzeptieren einen Vergleich.
--> Ein Kommentar von Ivo Bösch zum Rechtsstreit um den Feuerwehrstützpunkt. Der Rechtsstreit um den Berner Feuerwehrstützpunkt ist beeendet. Ralph Baenziger, der gegen Stadtbauten geklagte hatte, stimmt einem Vergleichsvorschlag des Berner Obergerichts zu. Eingeklagt hatte er 1,2 Mio. Franken. Dazu kamen noch rund 150 000 Franken an Zusatzleistungen für Modelle, Visualisierungen, Betriebsstudien und Betriebsberater, die die Stadtbauten nicht entschädigen wollten. Insgesamt standen also 1,35 Mio. Franken zur Diskussion. Nach dem Vergleich werden den Architekten 230 000 Franken zugestanden – «also ein schäbiger Fünftel», wie Baenziger schreibt.
Gestern teilten die Stadtbauten in einer Medienmitteilung mit, dass im Gegenzug die Ralph Baenziger AG versprochen habe, sämtliche noch hängigen Beschwerden gegen die Neuvergabe des Planerauftrags zurückzuziehen. Zudem habe die Ralph Baenziger AG gegenüber Stadtbauten auf ihre urheberrechtlichen Ansprüche verzichtet.
Für den Neubau des Feuerwehrstützpunkts wurde 2006 ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Gewonnen hatte ihn Ralph Baenziger, welche mit der weiteren Projektierung des Feuerwehrstützpunkts beauftragt wurden. Nach abgeschlossener Projektphase beendete Stadtbauten Bern die Zusammenarbeit mit den Architekten und schrieb den Auftrag für die Realisierung des Projekts neu aus. Gewonnen hat diese Ausschreibung die Firma Itten+Brechbühl AG Bern. Die Berner Stadtbauten schreiben: «Die Gründe, die Stadtbauten Bern dazu bewogen, die Zusammenarbeit mit der Ralph Baenziger AG nicht weiterzuführen, liegen in fundamental auseinandergehenden Auffassungen bezüglich Rolle und Aufgaben von Auftraggeber und Planer in entscheidenden Fragen.»
Das wiederum brachte Ralph Baenziger so in Rage, dass er vom Spitalbett aus in aller Eile diktieren liess:
«Vorab sei den Berner Stimmbürgern gedankt, dass sie das bewilligte Bauprojekt der wettbewerbsgewinnenden Architekten um Ralph Baenziger per Volksabstimmung in vollem Umfang und mit der funktionell überzeugenden Gestaltung genehmigt haben und dass dieses nun – nach Verzögerungen, welche die Stadtbauten zu verantworten haben – zum Wohle der hoch motivierten Berner Berufsfeuerwehr realisiert werden kann.
Aber: Korrekt ist in der Mitteilung der Stadtbaurten im Wesentlichen nur, dass ein gerichtlich verbindlicher Vergleich besiegelt wurde, auf dessen Basis nun der Feuerwehrstützpunkt – nach Ausbootung der Verfasser durch die Stadtbauten – nach den Plänen der Wettbewerbsgewinner von kreativ unbeteiligten Dritten realisiert werden kann. Also bleibt nun zu hoffen, dass der verantwortliche Gemeinderat sorgfältig darüber wachen wird, dass das Projekt auch betrieblich, technisch und gestalterisch genau so realisiert wird, wie es zusammen mit der Berufsfeuerwehr sorgfältigst projektiert und integral bewilligt wurde; diese Sorgfaltspflicht gilt umso mehr, als ja schon bekannt wurde, dass wesentliche Projektelemente bereits in befremdender und entstellender Umplanung begriffen sind.
Richtig ist also, dass die Wettbewerbsgewinner und Erschaffer des Projektes des neuen Feuerwehrstützpunktes einem Vergleich mit lediglich rund 20% der Forderungen zustimmen mussten, weil Ihnen sozusagen nach Absegnung der auf Kostenmanipulation basierenden Dumpingverträge der Stadtbauten schlichtweg die Mittel fehlten, um auch noch die letzten Instanzen anzurufen.
Unrichtig ist die erst mit der Medienmitteilung im Nachhinein erstellte Behauptung der Stadtbauten, dass es überhaupt professionell gerechtfertigte Kündigungsgrund gegeben haben könnte, dass es also professionell unterschiedliche Auffassungen gegeben haben könnte. Alles erfunden, denn das Projekt war von einer hochqualifizierten Jury gelobt und in deren Sinn gestalterisch weiterentwickelt und in technischer Perfektion zur Bewilligung gebracht worden und auch die Kostenrechnungen stimmten: alles in allem eine «Null-Fehler-Bravour-Leistung». Doch keiner wird je erfahren, weshalb die Wettbewerbsgewinner wirklich ausgebootet wurden.
Es gab nur eine einzige fundamental divergierende Haltung: Die Architekten konnten und durften nicht zusehen, wie die Stadtbauten die Kosten über Jahre zu nur zwei Dritteln (zu 35 Mio. Franken) herausgaben und die restlichen 20 Mio. Franken verheimlichten. Diese professinell ehrliche Haltung der Architekten dürfte auch die Motivation gewesen sein, weshalb die Stadtbauten den Architekten aus Willkür gekündigt wurde.
Wegen der ungerechtfertigten Kündigung kam es dann auch im Stadtrat zur Vertrauens-Debatte über die Kostenvertuscherei der Stadtbauten und zu einer Abstimmung. Die Architekten können aber niemals für nur die geringste Verzögerung verantwortlich gemacht werden, denn als das Projekt bewilligt und auführungsfertig war, wurden Ihnen trotz eines Vertrages über alle Leistungen bis und mit Realisierung grundlos gekündigt.
Richtig ist also, dass die Wettbewerbsgewinner und Projekterschaffer des Feuerwehrstützpunkts also klein beigeben mussten und einem Vergleich zustimmen mussten, welcher das Wettbewerbswesen exemplarisch ruinieren und das Urheberrecht für alle Zeiten aushebeln wird.
Richtig ist, dass die Architekten fast ohnmächtig zusehen mussten, wie die Stadtbauten alle ethischen Grundsätze des Wettbewerbswesen mit juristischer Perfidie zu unterlaufen wussten und das Urheberrecht – zugunsten von nahe stehenden Berner Büros, welche im Wettbewerb nicht reüssierten – nun zu kannibalisieren verstanden. Bern hat hier einmal mehr mit juristischen Tricks einen lokalen Neo-Protektionismus zu etablieren verstanden.
Damit wurde in Bern einmal mehr die Jury veräppelt und das Wettbewerbs- samt dem Beschaffungswesen zu Grabe getragen.
Der böse Fall des Feuerwehrstützpunktes darf nicht Schule machen – er wird die Fachwelt und die Verbände noch lange beschäftigen und in die Annalen des Zerfalls der Wettbewerbskultur eingehen. Der Fall steht als Denkmal für Willkür.»
2010-09-07
Von Andres Herzog @ 14:46
Die Eröffnungsfeier der Markthalle am Samstag war gut besucht. (Bild: Stiftung PWG)
Nach fünf Jahren Warten wurde am Samstag die erste gedeckte Markthalle in Zürich feierlich eröffnet. Tausende strömten an die Einweihung der 500 Meter langen Einkaufsmeile «Im Viadukt». Die Markthalle markiert den Schlussstein der Einkaufspromenade, die unter den Viaduktbögen im Kreis 5 über sechzig Geschäfte und Ateliers vereint. Wie die Eröffnungsfeier zeigt, stösst das Projekt von EM2N Architekten auf grosses Interesse im Quartier. Auch am Montag, dem ersten offiziellen Markttag, liess der Ansturm nicht nach: Hatten die Verkäufer mit einem ruhigen Wochenstart gerechnet, wurden sie von den kauflustigen Marktgängern regelrecht überrannt. Von einem «Auftakt nach Mass» spricht denn auch die Stiftung PWG, die für den Umbau verantwortlich ist.
Von Andres Herzog @ 11:09
Das Nagelhaus-Projekt am Escher-Wyss-Platz in Zürich West (Bild: PD)
Zürich betreibt eine fragwürdige Kulturpolitik, schreibt der Künstler Gottfried Honegger heute im «Tages-Anzeiger». Zum geplanten Nagelhaus am Escher-Wyss-Platz meint er: «Damit die Stimmbürger zu diesem Millionenprojekt Ja sagen, offeriert man im Denkmal eine Beiz und ein WC.» Der «rote Betonklotz im Dunkel des Escher-Wyss-Platzes» ist für Honegger Ausdruck «einer städtischen Kulturpolitik, die für die Kunst taub, stumm und blind ist». Auch an anderen Stadtzürcher Kunstprojekten lässt Honegger kein gutes Haar: So bezeichnet er den Hafenkran am Limmatquai als «eine infantile Dummheit». Honegger hofft, dass der neue Kulturbeauftragte der Stadt nun aktiv wird und für hochklassige Werke im öffentlichen Raum sorgt. Denn in den letzten fünfzig Jahren sei in der Stadt von der öffentlichen Hand kein bedeutendes Kunstwerk aufgestellt worden.
--> Mehr zum Thema Kunst im öffentlichen Raum in «Hochparterre» 3/2010.
Weitere Meldungen:
- Die Einnahmen der Strassenkasse sollen zur Hälfte vorweg dem Ausbau der Bahn zugutekommen. Das fordert der VCS mit der Initiative «Für den öffentlichen Verkehr». Die «NZZ» bezweifelt, dass diese massive Umverteilung vor dem Souverän zu bestehen vermag.
- Renens (VD) verabschiedet sich von der Standardgeschwindigkeit 50 km/h, berichtet die «24 heures». Bald gilt auf der Mehrheit der Strassen in der Gemeinde die Geschwindigkeitslimite von 30 km/h.
- In Reinach wurde das Referendum ergriffen gegen den Quartierplan, der die Grundlage für die Überbauung des Alten Werkhofs bilden soll. Nun wird über das Projekt mit 110 Wohnungen des Architekturbüros Kägi Schnabel abgestimmt, schreibt die «Basler Zeitung».
- Luzern hatte vor 100 Jahren rund hundert Hotels. Viele kleinere sind verschwunden, die grossen bestimmen aber noch heute das Stadtbild. Die «NZZ» spricht mit Hotel-Historiker Peter Omachen über sein Buch «Luzern – eine Touristenstadt. Hotelarchitektur von 1782 bis 1914».
- Der «Tages-Anzeiger» porträtiert zwei Bündner Brüdern, die an der Goldküste am Zürichsee handgefertigte Ski für anspruchsvolle Individualisten herstellen. Ihr neustes Produkt: Ein Skimodell mit dem Furnier einer 4200-jährigen Eiche. 2010-09-06
Von Köbi Gantenbein @ 19:30 Der Solarpreis Schweiz und der ihn regierende Sonnen- und Umweltpolitiker Gallus Cadonau haben in den letzten zwanzig Jahren drei bemerkenswerte Beiträge zur Baukultur und Architektur geliefert: Die Magie der Zahl, die Integration des Bauteils und den politischen Raum.
1. Wer sich durch die Kataloge blättert, muss zahlenfreudig sein. Unerbittlich werden Volt, Kilowatt und CO2 aufgereiht. Die Magie der Zahl ist für die gerne mit weichen Argumenten redende Architektur anregend und bedenkenswert. Sonnenschönheit ist messbar.
2. Der Solarpreis setzt sich für die Integration der Sonnengeräte aufs Dach und in die Fassade ein. Dem Solarhaus soll man seine Sonnenfreude nicht ansehen. Der baukünstlerischen Entfaltung setzt das einen engen Spielraum. Das ist gut, wenn wir an all die von Designdruck Getriebenen denken. Das ist schlecht, wenn wir an die denken, die Baukunst können und mit neuer Technik neue – und anregende – Form wollen.
3. Ein Preis kämpft fürs Gute und sagt. «Schau her, das geht!» Der Solarpreis kann dieses politische Projekt aber auch führen. Die geschickte Verknüpfung von wirtschaftlichen, politischen und eigenen Interessen – das können Architektur und ihre Institutionen von Gallus Cadonau lernen. Wie zart ist doch da die Debatte und wie selbstbezogen oft der Daseinsgrund.
Und nun? Der Solarpreis zeigt eindrücklich, was heute technisch möglich ist. Zum Beispiel beim Wohnhaus Cadruvi/Joos in Ruschein oder beim Bürohäuslein Züst in Grüsch, die mehr Strom produzieren als sie verbrauchen. Und auch bei der schon oft gelobten Monte Rosa-Hütte des SAC. Sie ist zweifellos eine einmalige Verdichtung von kühnem Designwillen, technischem Können und grosser Ausstrahlung. Doch kann dieses Edelstück mehr als andere SAC Hütten seit eh und je können? Gewiss sie kann mehr – sie gibt für mehr Gästen mehr Komfort. Solche Exzellenz fördert vorab unsere Freizeitgesellschaft, die munter ständig mehr Ressourcen verbraucht. Ein Vorschlag an Gallus und seine Sonnenfreunde: Lobt nicht nur Effizienz und Plusenergie, sondern fragt auch nach der Suffizienz. Zukunftsfroh sind nicht nur Projekte, die mehr wollen und das immer schneller und besser, sondern solche, die zukunftsverträgliche Wohn- und Arbeitsformen vorführen. Lebensformen, die grundsätzlich weniger Energie brauchen. Es reicht nicht, den Alkoholismus mit Schnaps zu bekämpfen – gutes Bergwasser ist besser geeignet.
Von Andres Herzog @ 19:22
Mit dem Solarpreis ausgezeichnet: Monte Rosa Hütte (Bild via Wikimedia Commons)
Vergangenen Freitag wurde in Zürich zum 20. Mal der Schweizer Solarpreis verliehen. Insgesamt 17 Personen, Institutionen, Gebäuden und Anlagen erhielten eine Auszeichnung. Erstmals wurden dieses Jahr der Preise für Plus-Energie-Bauten in Höhe von 100'000 Franken vergeben. In der Kategorie Neubau erhielt unter anderen die Monte Rosa Hütte einen Preis, da sie die architektonischen, ästhetischen und Umweltschutz-Vorgaben «optimal», die energetischen Ziele «fast erreicht». Ebenfalls ausgezeichnet wurde ein Erweiterungsbau der IUCN in Gland (VD), dessen Solaranlage die Hälfte des Energiebedarfs deckt, sowie das Solar-Restaurant auf dem Klein Matternhorn, das zu einem Drittel aus eigenem Solarstrom betrieben ist.
Der Norman Foster Solar Award ging an zwei Wohnbauten und an einen zum Büro umgebauten 100-jährigen Stall in Grüsch (GR). Alle drei Gebäude weisen einen Energieversorgungsgrad von über 110% aus, produzieren also 10% mehr Energie als sie verbrauchen. Die Zahlen der Gewinner in der Kategorie Plus-Energie-Bauten sind noch beeindruckender: So wurde durch die Sanierung der Gesamtenergiebedarf eines Arbeiterhauses aus den 1950er Jahren in Vaduz um 86% von 50'000 kWH/h auf knapp 7'000 kWh gesenkt und eine Energieversorgung von 182% erreicht – mitteleuropäischer Rekord. Insgesamt wurden elf Plus-Energie-Bauten ausgezeichnet, 15 solcher Gebäude stehen bereits in der Schweiz.
--> Lesen Sie den Kommentar von Köbi Gantenbein zum Schweizer Solarpreis.
--> Schweizer Solarpreis: Liste der Solarpreisträgerinnen und Solarpreisträger 2010 als PDF zum Download.
Von Andres Herzog @ 17:48
Mit dem Ongo-Hocker kann am Bürotisch das aktive Sitzen trainiert werden. (Bild: Ongo)
«Modernes Leben bedeutet Mobilität, Veränderung und Beschleunigung. Um uns herum ist alles in Bewegung», heisst es in einer Broschüre der Firma Ongo. Doch wir selber rühren uns kaum vom Fleck und werden immer mehr zu sitzenden Zeitgenossen. Doch der Hocker von Ongo bringt nach dem Motto «get on & go» wieder Bewegung ins Sitzen: Die gewölbte Standfläche reagiert auf jede Gewichtsverlagerung und aktiviert so die Muskulatur. Eine im Fuss integrierte Kugelbahn gibt zu jeder Bewegung eine akustische Rückmeldung. Dadurch wird der Hocker zum Bewegungstrainer: Summt die Kugel, sitzt man aktiv und also richtig. Die Firma hat mit Ongo Move ein eigens entwickeltes Trainingsprogramm in mehreren Schwierigkeitsgraden zusammengestellt. So lässt sich im Büro, die Finger auf der Tastatur und das Telefon am Ohr, auch gleich die Schultermuskulatur trainieren. Schliesslich leben wir nicht nur im Zeitalter der Mobilität, sondern auch des Multitaskings. |