Wenn Hochparterre und Dimitri Westermann zum Sommerfest rufen, kommen nicht nur 200 Leute, sondern es ist auch ein wunderschöner Spätsommer-Abend. Wir riefen am Donnerstagabend aufs Dach der Kantine an der Hermetschloo-Strasse 70 in Zürich-Altstetten. Und wir schauten über das Geleisegewirr der SBB auf die Schrebergärten und weit in den Horizont auf Vrenelis Gärtli. Die Abendsonne hüllte die Festgemeinde ein. Es gab Bier und Wein, Kalbsbratwurst und rassige Bratwurst vom Schwein. Keine Reden, keine Band, keine Attraktion - die Gästeschar war sich selber weit mehr als genug und jeder unterhielt jede mit Geschichten, Berichten und Erlebnissen. Und die Sonne ging unter, die Erzählungen wurden verwegener, die Stimmung ausgelassen und um Mitternacht zog die Festgemeinde über viele Kilometer Badenerstrasse wieder zurück nach Zürich.
--> Bildergalerie zum Sommerfest 2010 von Hochparterre und Dimitri Westermann
Der Zürcher Autor und Regisseur Tim Zulauf inszeniert in einem leerstehenden Bürokomplex in Zürich Seebach ein Theaterstück über Raumplanung und Sprache. «Der Bau der Wörter» heisst das Stück, in dem «das architektonische Unbewusste mit der Sprache der Randstadt» verknüpft wird. «Mich interessiert, wie die Räume, die wir entwickeln, auf uns zurückwirken, und wie die Sprache, die wir zu benutzen glauben, uns benutzt», erklärt Zulauf das Projekt. Die Verknüpfung von Wort und Bau ist gelungen, wie der «Tages-Anzeiger» meint: «Ein schlaues Experiment in sehenswerten Räumen mit dunkler Vergangenheit.»
«Der Bau der Wörter»
Installative Dramatisierung eines leerstehenden Bürokomplexes in Zürich-Seebach, mit Shuttlebus ab Les Complices*, Anwandstr. 9, Zürich. Abfahrtszeiten: Sonntag, 5. September: 17.00, 18.00, 19.00 Uhr; Freitag 3.9., Mittwoch 8.9., Donnerstag 9.9., Freitag 10.9.: 19.00, 20.00, 21.00 Uhr. Reservation unter info@lescomplices.ch.
Heute findet in Zürich die Verleihung des 20. Schweizer Solarpreises statt. Der Bündner Gallus Cadonau ist seit 20 Jahren die treibende Kraft hinter der Auszeichnung. Im Gespräch mit der «Südostschweiz» spricht er über so genannte PlusEnergieBauten. Diese erzeugen erheblich mehr Energie, als ein Gebäude für Warmwasser, Heizung und Elektrizität im Jahresdurchschnitt benötigt. «Ich bin vollends davon überzeugt, dass den PlusEnergieBauten die Zukunft gehört», meint Cadonau. Mit diesem Baustandard könnte die Schweiz laut Cadonau 22 Atomkraftwerke in der Grössenordnung von Gösgen substituieren. Doch obschon Cadonau der Solartechnologie eine «goldige Zukunft» verspricht, sieht er nicht überall Grund zur Freude: «Im Bereich der erneuerbaren Energie und insbesondere der Solarenergie herrschen zu 99 Prozent Vorurteile und Halbwissen vor.»
Weitere Meldungen:
- Die «Basler Zeitung» hat sich nach dem gestern veröffentlichten Plänen für ein Eventzentrum in Basel bei Politikern und Eventveranstaltern umgehört. In Basel konstatiert die Zeitung Begeisterung, in Zürich sind die Reaktionen hingegen skeptisch.
- Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt Winterthurs Stadtpräsident Ernst Wohlwend, wie sich seine Stadt nach dem Verkauf der grossen Sulzer-Areale entwickeln soll. Und er stellt klar: «Zürich ist nicht unser Vorbild.»
- Seit der Tieferlegung der Stadtautobahn und der Umgestaltung des Novartis-Campus herrscht im Basler Quartier St. Johann Aufbruchstimmung. Die «NZZ» berichtet über drei grosse Wohnanlagen westlich des Voltaplatzes.
- Eine Standseilbahn in Horgen könnte Wohn- und Bürogebiete optimal erschliessen. Das zeigt eine von der Gemeinde und der Credit Suisse finanzierte Studie, die der «Tages-Anzeiger» heute vorstellt.
- Lumbrein (GR) soll in Sachen Windkraft zum nationalen Vorzeigeobjekt werden. Wie die «Südostschweiz» berichtet, ist in der Gemeinde ein Windpark mit 30 bis 40 Windrädern geplant.
Gestern abend drängte sich in Zürich, was konnte, an der Ecke Grüngasse / Ankerstrasse. Freitag hat einen neuen Laden eröffnet - allerdings nur provisorisch. Mitten drin steht eine alte Druckerpresse, auf der mit Bleisatz bis Ende Monat jeden Tag eine Zeitung gedruckt wird. Selbst am Abend lief die Presse, bedient von zwei älteren Druckern in Schürzen, kommentiert von der Szene, die sich samt und sonders versammelte. Ein kleines Team schreibt die Texte, die sich um das typische Freitag-Thema drehen: dem Recycling. Recycelt werden dabei auch Beiträge von anderen Zeitungen, die ebenfalls im Shop aufliegen, oder Mails, die Fans schicken. Jeden Tag liegt die «Daily Reference» ab 17 h auf. Doch dem Bleisatz allein wird nicht vertraut: auch auf der Website lässt sich die Zeitung lesen.
Sind Freitags ins Zeitungsgeschäft eingestiegen? Nein, «Daily Reference» dient der Lancierung der neuen Kollektion, die sich an die Taschen von Pferdekurieren aus dem 19. Jahrhundert orientiert. Ganze vierzehn Teile umfasst sie, vom Portemonnaie, dem Necessaire, über den Shopper, Business und Laptop Bag bis zum Overnight Bag. Sie verzichten alle auf den Grafiklook der klassischen Linie, weil sie aus unifarbenen Lastwagenplanen in weiss, grau oder rot genäht werden, sind aufwändiger verarbeitet und mit Preisen zwischen 400 und 500 CHF knapp doppelt so teuer. Kurz, sie wirken irgendwie erwachsener. Wer also mit über vierzig seine geliebte Messenger Dragnet irgendwann nicht mehr öffentlich tragen kann, hat nun die Wahl zwischen Business Bag oder Shopping Bag. Ja, diese Wahl ist verführerisch.
Noch existiert der Roche-Turm erst auf dem Papier, doch Basel will bereits wieder hoch hinaus: Neben dem St.-Jakob-Park soll ein Veranstaltungszentrum entstehen mit einer Eventhalle für 15'000 Besucher, einem Hotel und einem 140 Meter hohen Hochhaus. Der Baukonzern Losinger, der hinter dem Projekt steht, rechnet mit Investitionen von rund einer halben Milliarde Franken. Heute zeigt die «Basler Zeitung» erstmals konkrete Pläne des vom amerikanischen Architekten Chad Oppenheim entworfenen Projekts. Losinger hofft, dass die Eventhalle bereits im Herbst 2015 eröffnet werden kann.
Durch das Projekt gerät der Kanton Basel-Stadt unter Zugzwang: Er muss sich entscheiden, ob er die St. Jakobshalle aufwändig sanieren will oder ob er bereit ist, sich an den Kosten der neuen Halle zu beteiligen. Da der Entscheid zur Sanierung seit Wochen überfällig ist, muss es nun schnell gehen. Viel Zeit für Debatten scheint nicht zu bleiben. Doch Tempo war noch nie ein guter Ratgeber. Es geht hier nicht um ein Einfamilienhaus, sondern um ein Stück Stadt. Ein breit angelegter Diskurs ist unabdingbar.
Zudem hat man den Eindruck, als ob der Baukonzern mit der Wahl des Architekten einer kritischen Diskussion aus dem Weg gehen will. Man setzte bewusst auf Oppenheim, heisst es bei Losinger. Damit wolle man vermeiden, durch die Wahl eines lokal bekannten Büros andere Architekten vor den Kopf zu stossen. Doch die Grösse eines Bauvorhabens darf kein Grund sein, lokale Architekten aus Angst vor einer hitzigen Debatte aussen vor zu lassen. Dieses komische Argument trägt weder zur Qualität noch zur Baukultur bei und ist allenfalls eine sonderbare Form der Diskriminierung. Es ist keinesfalls akzeptabel, dass ein Projekt von dieser Tragweite, das überdies die Mithilfe der öffentlichen Hand erwartet, ohne Debatte über städtebauliche und architektonische Qualitäten einfach abgenickt wird.
Mit der Offenlegung der Pläne ist der Diskurs lanciert worden. Das eigenartige Argument des Investors, er wolle aus Rücksicht auf allfälligen Futterneid keine Architekten vor Ort berücksichtigen, wird diesen Diskurs – und den Widerstand - gewiss anfeuern. Wer ein Projekt dieser Grössenordnung plant, muss mit Protest rechnen, auch wenn die «Basler Zeitung» im Kommentar meint: «Gedanken darüber, ob das Projekt von der Bevölkerung akzeptiert wird, braucht man sich keine zu machen.» Wir jedenfalls eröffnen hiermit die öffentliche Diskussion.
--> Apropos Diskurs: Die «Basler Zeitung» und Hochparterre veranstalten eine Podiumsdiskussion zum Roche-Turm in Basel am 16. September 2010, 18.30 Uhr, BaZ-Cityforum, Aeschenplatz 7, Basel.
--> Der Elefantenpulli des Lausanner Labels Louise Blanche kann online bestellt werden.
--> Glanzlicht: Soirée graphique Nº3, Freitag, 10. September 2010, ab 18 Uhr, cosmic, Uferweg 15, Bern.
--> Hinweis: Glanz & Lilia macht Ferien. Die nächste Ausgabe erscheint erst am Donnerstag, 23. September 2010.
Der Immobilienentwickler Losinger hat vom amerikanischen Architekten Chad Oppenheim Pläne für ein Eventzentrum in Basel zeichnen lassen, berichtet die «Basler Zeitung» heute auf der Titelseite. Unmittelbar neben dem St.-Jakob-Park soll ein neues Veranstaltungszentrum entstehen mit einer Eventhalle für 15'000 Besucher. Daneben sind auch ein Hotel sowie zwei Wohn- und Bürogebäude vorgesehen, von denen eines 140 Meter in die Höhe ragen soll. Die Investitionen sollen insgesamt rund eine halbe Milliarde Franken betragen. «Für Basler Verhältnisse ist das Projekt mit dem Arbeitstitel Arena fast unvorstellbar gross», meint die «Basler Zeitung». Noch sei schwierig abzuschätzen, wie gross die Chancen für dessen Umsetzung sind. An der Zustimmung der Bevölkerung wird das Vorhaben aber nicht scheitern, ist die «Basler Zeitung» überzeugt: «Die geografische Lage ist ideal, und dass Basel eine moderne Sport- und Konzertstätte braucht, ist eigentlich unbestritten.»
- Ein weiteres Grossprojekt in Basel: Eine deutsche Firma prüft, ob das geplante Bruderholzspital und das angegliederte Geriatriespital zu teuer oder zu wenig effizient sind. In Hamburg hat das Unternehmen ein ähnliches Spital gebaut, das nicht einmal die Hälfte gekostet hat, schreibt die «Basler Zeitung».
- Nachdem die Stadt St. Gallen Privaten den Bau des Fussballstadions ermöglicht hat, machen die bürgerlichen Stadionbetreiber jetzt wieder die hohle Hand beim Staat. Um den Konkurs abzuwenden, wollen sie sechs Millionen Franken, berichtet die «Wochen Zeitung».
- Die Stadt Chur erlebte um das Jahr 1900 einen ungeheuren Entwicklungsschub. Die «Südostschweiz» berichtet von der gestern eröffneten Ausstellung «Chur 1893», die den Ursachen dieses Phänomens auf den Grund geht.
- Gestern weihte der Energieversorger BKW im Berner Jura acht neue Windturbinen ein – so steht auf dem Mont Soleil nun der grösste Windpark der Schweiz. «Doch Probleme löst er kaum», meint der «Bund», denn «die BKW hält nun erst recht an AKW fest.»
- Drei interessante Neubauten konnten die Berliner Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton jüngst in Mailand, Frankfurt und Köln realisieren. Die Häuser veranschaulichen, wie sich farbige Gestaltung mit städtebaulicher Qualität und Nachhaltigkeit vereinen lässt, schreibt die «NZZ».
Gestern lud Swiss Eole (Vereinigung zur Förderung von Windenergie) und Pro Natura zur Tagung «Windstrom, natürlich» ein. Politiker, Planer, Naturschützer und Energiefachmänner legten ihre Bedürfnisse und Ängste vor 180 Tagungsmitgliedern auf den Tisch. Gezeigt hat sich eine allgemeine Hilfslosigkeit in der Planungsabfolge. Eine klare Forderung an die Raumplaner wurde laut: Es braucht kantonale Richtpläne, die festlegen, wo Windturbinen stehen dürfen und wo nicht. Mit gutem Beispiel voran geht der Kanton Solothurn. In der Schweiz sind zur Zeit 100 Projekte in Planung. Vorgestellt wurden die Windpärke am Schwyberg FR, Mt. Crosin BE, Mollendruz VD und Gotthard TI. Pro Natura hat zu allen Projekten Stellung genommen. Einsprachen ihrerseits gäbe es wegen den fehlenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Sie seien nicht gegen Windturbinen, nur müssen die Standorte bezüglich Naturschutzgebieten, Zug- und Brutvögel und Fledermäusen geprüft werden. Mit Windstrom könnte man 2 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz abdecken, bei einem vollen Ausbau der windigen Höhenzüge bis 10 Prozent. Die Referate sind auf der Website von Pro Natura herunterzuladen.
Derendinger Jaillard Architekten gewinnen den Projektwettbewerb für die Sanierung des Personalhauses am Universitätsspital Zürich. Stephan Derendinger wählt für «Hochparterre Schweiz» eine Visualisierung und einen Plan aus und beantwortet unsere drei Fragen.
Eingang des Personalhauses aus dem Jahre 1955.
Was ist die Erfindung des Siegerprojektes?
Stephan Derendinger: Die vorgeschlagene Strategie besteht in einer Auskleidung des Gebäudes von Innen. In den Zimmern werden Gebäudetechnik und Wärmedämmung in ein vorfabriziertes Möbelelement mit Tisch, Schrank und Lavabo integriert. Die Räume werden zwar etwas verkleinert, können aber besser möbliert werden. Einziger Eingriff in den Fassaden sind die neuen Fenster.
Wie verhalten sich die neuen Eingriffe zum Bestehenden?
Das ehemalige Schwesternhaus wurde 1955 nach den Plänen der Architekten Burzi + Hauenstein erstellt. Die für den typischen Zeugen der fünfziger Jahre charakteristische, solide Materialität und die feine Gliederung der Fassaden sind in unseren Augen erhaltenswert. Auch sind die Fassaden in einem sehr guten Zustand. Hingegen entsprechen die Innenräume nicht mehr den heutigen Standards und weisen einen grossen Sanierungsbedarf auf.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Es musste eine Strategie gefunden werden, welche die erforderlichen Anpassungen des Personalhauses an die heutigen Bedürfnisse in einem engen Kosterahmen ermöglicht, ohne die zeittypischen Qualitäten zu zerstören.
Grundriss des Normalgeschosses mit den neuen Einbauten in Rot.
Die Meldung, dass Sulzer sämtliche Liegenschaften in Winterthur an Implenia verkauft hat, lässt aufhorchen: Halb Winterthur in der Hand eines Baukonzerns? Tatsächlich wechseln mit dem Deal die Schlüsselgebiete der Stadtentwicklung die Hand. Aber ist das schlecht? Gewiss, Implenia will mit den Arealen Geld verdienen. Aber Sulzer Immobilien wollte das auch - seit zwanzig Jahren schon, mit manchen erfolgreichen Projekten und manchen Misserfolgen. Es kann gut sein, dass Implenia nun etwas mehr «Gas» geben wird. Doch entscheidend ist weniger, wer die Areale besitzt, sondern was man daraus macht und wie man es tut.
Man wolle eng mit der Stadtentwicklung zusammenarbeiten, sagte Implenia-Sprecher Philipp Bircher im Tages-Anzeiger. Das klingt gut, ist richtig und wird hoffentlich so sein. Auf alle Fälle hat die Stadt gerade noch rechtzeitig mit der Einrichtung einer Planungszone in Oberwinterthur Zeit gewonnen, und Implenia kann ihre Worte mit Taten untermauern.
Für die Winterthurerinnen und Winterthurer ist der Verkauf vor allem eine emotionale Angelegenheit: Vom allmächtigen Industriekonzern, dessen Sulzer-Hochhaus das Stadtbild dominiert und der einst mit dafür verantwortlich war, dass die Beizen um 23 Uhr schlossen, ist ausser einem KMU bald nichts mehr übrig. Das sticht vielleicht ins Herz, aber der wirkliche Verlust - jener des Produktionsstandorts - ist schon verdaut. Die Stadt ist sich an Abschiede gewöhnt (der nächste wird kommen, wenn der Versicherungskonzern Axa den Zusatz «Winterthur» aus dem Namen streichen wird). Dennoch prosperiert sie mehr denn je.