Die Würdigung eines Buches ist nachzutragen, das kaum da ausverkauft war und nun in zweiter Auflage erschienen ist: Die Darstellung des Werks von Hans-Jörg Ruch. Er zog als Architekt vor vielen Jahren aus Solothurn nach St. Moritz. Mit Wettbewerben gewann er Arbeit, mit Hotelumbauten festigte er seinen Ruf und mit der Restauration von alten Engadiner Häusern fand er seine Passion. Von Silvaplana bis Tschlin reihen sich seine Umbauten und ein Abstecher ins Oberhalbstein gehört auch dazu. In einem grossformatigen, prächtig ausgestatteten und vorzüglich gedruckten Buch stellt Ruch neun Arbeiten vor. Kurze Baubeschriebe und mustergültige Pläne erklären die Interventionen. Lange Fotostrecken von Filippo Simonetti, der den Weg des Architekten seit vielen Jahren begleitet, machen uns Habenichtse neidisch. Der Architekt gibt in einem Text von Rahel Marti Auskunft über seine Haltungen und Erfahrungen: «Ein historisches Haus muss als Einheit erhalten werden. Das ist mir das Wichtigste.» Im Normalfall wird nämlich dieses Haus im Oberengadin in eine möglichst grosse Anzahl Zweitwohnungen unterteilt. Die Kunsthistorikerin Ludmila Seifert-Uherkovich steuert einen Essay über das historische Engadiner-Haus bei – wer künftig etwas über das Bauen der Aristokraten im Gebirge wissen will, findet hier den Standardtext. Und auch eine Erklärung für das Tun des Geldadels von heute, der sich mit einer Zweitwohnung in einem Ruchhaus elegant und für immer von all seinen Prätendenten in den engen Ferienappartements des Engadins abheben kann.
Historische Häuser im Engadin. Architektonische Interventionen von Hans-Jörg Ruch. Scheidegger & Spiess, 2. Auflage, Zürich 2010. CHF 159.- (Bestellen bei Hochparterre Bücher)
Der «Tages-Anzeiger» nimmt Abschied von der scheidenden Stadträtin Kathrin Martelli, die seit 2002 Leiterin des Stadtzürcher Hochbaudepartements war. «Unter Martelli wurden Dutzende von Schulhäusern renoviert und neu gebaut, darunter so gefeierte Werke wie Im Birch, Albisrieden oder Leutschenbach (...). Nur das Kongresszentrum am See wurde zum politischen Debakel.» Im Interview zieht Martelli persönlich Bilanz. Als Erfolg taxiert sie, dass sie dazu beigetragen habe, dass Zürich schöner, grösser, weltoffener und mediterraner geworden ist. «Als ich anfing, gab es etwa 120 Boulevardcafés, heute sind es 800. Und die Seeufer sind voller Menschen, die die Sonne geniessen». Niederlagen seien das gescheiterte Kongresszentrum am See und «auch das Wohnhochhaus am Escher-Wyss-Platz hätte ich sehr gerne gebaut».
Weitere Meldungen:
- Der vom Bund finanzierte Fonds Landschaft Schweiz fördert Alleen. Lokale Behörden aber erachten die Bäume als Sicherheitsrisiko und lassen sie fällen. Der «Tages-Anzeiger» informiert.
- In unmittelbarer Nähe von Energiesparlampen lassen sich relativ starke elektrische Felder messen. Der Bund empfiehlt einen Sicherheitsabstand von 30 Zentimeter. Konsumentenschützer fordern laut «NZZ» eine Deklarationspflicht.
- «Die Bahn 2030 ist mehrheitsfähig angelegt»: Max Friedli, scheidender Direktor des Bundesamts für Verkehr, spricht im Interview mit der «NZZ» über rollende Planung und polarisierte Politik.
- Wie sollen die 300 bis 600 Millionen Franken pro Jahr generiert werden, ohne die ein Grossteil der Ausbaupläne für die Bahn 2030 Makulatur bleibt? Die «NZZ» präsentiert die Vorschläge des Verbands öffentlicher Verkehr.
- Der Stadtwanderer wird pensioniert und verabschiedet sich von seinem treuen Publikum mit Vortrag und Ausstellung an der ETH Hönggerberg, «die noch einmal den ganzen Benedikt Loderer zeigen», schreibt die «NZZ».
- «Das Revival von Spitzen als Inspirationsquelle für Designer und Architekten». Die «NZZ» rezensiert eine Ausstellung in der Cité de la dentelle von Calais.
- Ebenfalls in der «NZZ»: Bis auf den Strassen die ersten Autos anzutreffen sind, die von selbst lenken und bremsen, gilt es noch einige Hürden zu meistern. Für einige Anwendungen könnte das autonome Auto aber bald schon Realität werden.
- Die Bern-Lötschberg-Simplonbahn (BLS) kauft bei der Firma Stadler Rail für knapp eine halbe Milliarde Franken 28 Doppelstockzüge. Der «Bund» berichtet.
- Beim einstigen Gerberkäse-Areal in Thun entsteht ein neuer Stadtteil. Der «Bund» stellt ihn vor.
- Der Berner Möbeldesigner Nicola Enrico Stäubli darf einen Teil seiner Arbeiten im Londoner Design Museum zeigen. Der «Bund» erzählt, wie es dazu kam.
- Zwei rund 100-jährige Stahlbrücken in Basel sollen für kulturelle Zwecke umgenutzt werden. Die «Basler Zeitung» stellt das Projekt vor.
- Geldsegen für den Erweiterungsbau des Basler Kunstmuseums der Architekten Christ & Gantenbein. «Maja Oeri nimmt nochmals 50 Millionen Franken in die Hände und bezahlt den halben Baupreis selbst», weiss die «Basler Zeitung».
- Der Kanton Waadt erstellt einen Zonenplan für Windkraftwerke, um der Projektschwemme Einhalt zu gebieten. Ein Artikel in der «24heures».
- Die Biosfera Val Müstair wird noch in diesem Jahr das Label eines regionalen Naturparks von nationaler Bedeutung erhalten. Die «Südostschweiz» berichtet.
Flanieren, Einkaufen, Essen und Trinken auf 500 Meter Länge. Bild: Ralph Hut
Morgen ist es so weit: in die 33 Bögen des Eisenbahnviadukts im Zürcher Kreis 5 kehrt wieder Leben ein. Nach fünf Jahren Planungs- und Bauarbeiten öffnen die ersten Boutiquen, Ateliers, und Läden. «Jeden Tag machen weitere Geschäfte auf», sagt Projektleiter Daniel Bollhalder der Stiftung PWG. Vollbetrieb herrscht erst ab September – Mittelpunkt der Anlage wird dann eine zweigeschossige, gedeckte Markthalle.
Es braucht schon den Blick von Knuth Hornbogen, seines Zeichens Anschubser, Schattenmann und rasender Designreporter aus Deutschen Landen, um diese Trouvaille zu sichten:
Er hat die vielsagende Mülltonne in Zürich entdeckt und schreibt uns: «Nun ist mir nicht klar, ob er die Reinheit der Schweiz kommentiert, ob sich aus den Tiefen des Mülls sonst wie Kluges ableiten liesse. Sicher ist, der Besuch hat sich gelohnt, und mir schien, wie immer, Zürich eher sehr sauber und aufgeräumt. Fühlte sich halt sehr nach Schweiz an. Das war gut so.»
Bitte, gerne.
Gestern fand an der ETH Zürich, Hönggerberg die Vernissage zur Ausstellung «War das alles?» statt, in der Stadtwanderer Benedikt Loderer Zwischenbilanz zieht. Wir haben die Anwesenden gefragt, was Sie dem Pensionär für die Zukunft wünschen, im Film die Antworten. Alle Info zur Ausstellung, die noch bis zum 1. April zu sehen ist, gibt es hier.
«Loderer ist ein Unruheherd. Man muss das ertragen», sagte der Zürcher Architekt Theo Hotz dem «Tages-Anzeiger» bevor die Zeitung mit Benedikt Loderer, Architekturkrititker und Hochparterre-Redaktor auf die «letzte Stadtwanderung» durch die Zürcher Altstadt geht. Loderer geht in Pension. «Dennoch sei es gut, dass es ihn gebe», wird Hotz weiter zitiert. Er sei einer, der «hinsteht und das Fähnlein hochhebt», einer der unabhängig sei und Eigeninteressen hintanstellte. «Aber Loderer weiss, was Streitkultur ist». Er habe laut Hotz viel für eine anständige Architektur getan. Er habe die Verhäuselung bekämpft und den Weg für eine städtischere Stadt geebnet. «Die Architekten können ihm Danke sagen», schliesst Hotz.
Der Stadtwanderer zieht anlässlich seiner Pensionierung eine Zwischenbilanz. Die Austellung ist bis zum 1. April an der ETH Zürich, Hönggerberg zu sehen. Mehr Infos hier.
Weitere Meldungen:
- Der Zürcher Kantonsrat will den teuren «Brüttener Tunnel». In einer hitzigen Debatte sprach sich das Parlament gegen die VCS-Initiative «Schienen für Zürich» aus.
- «Ökologischer Leuchtturm am Fusse des Uetilbergs»: Der «Tages-Anzeiger» informiert über das Überbauungsprojekt der Familiengenossenschaft Zürich im Friesenberg. 2011 soll der Architekturwettbewerb stattfinden.
- Die Marktöffnung hat die Elektrizität nicht verbilligt, sondern massiv verteuert. Der «Tages-Anzeiger» berichtet.
- «Coole Japaner». Die «NZZ» stellt das Tokioter Architektenteam Sanaa vor, das 2010 den Pritzker-Preis erhält.
- Stadtbaumeister Fritz Schuhmacher möchte nun die Aufwertung des Barfüsserplatzes vorantreiben – zum Nutzen der neuen Stadtcasino-Pläne. Die «Basler Zeitung» berichtet.
Das Gemeinschaftsatelier Kontrast an der Josefstrasse 92 feiert seinen 20. Geburtstag. 1987 denken der Fotograf Giorgio von Arb und die Journalistin Heidi Arb darüber nach, wie selbstbestimmtes Arbeiten zwischen Text und Bild eine Heimat finden könnten. Zwei Jahre später steht sie, die Ateliergemeinschaft. «Es ist eine gute Zeit dafür. Die Magazine sind dick, die Portefeuilles der Werbeagenturen gefüllt und auf den Redaktionen besteht ein Mangel an aussergewöhnlichen Themen», erzählt die Chronik. Platz ist auch schnell gefunden - in den leeren Hallen im Industriequartier, genauer gesagt im Schöllerareal. Wer genau nachlesen will, wie wo was weiterging, lese die Chronik dieser erfolgreichen Ateliergemeinschaft. Die auch ein Verlag ist, und bemerkenswerte Bücher herausgibt wie «Die Stimme der Natur. 100 Jahre Pro Natura» oder «Staat Sex Amen, 81 Sprachbeobachtungen» von Beat Gloor. Wir gratulieren herzlich und mit der gleichen entschuldbaren Verspätung, mit der die Chronik aufbereitet wurde.
Die Schauspielerinnen im Design-Atelier, an der Strickmaschine und mit dem fertigen Strumpf. Bilder: www.sf.tv
Glarner Strickerinnen die sich mit einem Textilgiganten anlegen: In der jüngsten Spielfilmproduktion des Schweizer Fernsehens die gestern Abend über den Bildschirm lief, trotzt eine kleine Sockenfabrik im hinteren Glarnerland der Krise. Ob an der Strickmaschine, im Atelier oder an der Textilmesse – «Verstrickt und zugenäht» zeichnete eine kitschige Stilisierung der Branche: Arbeiterinnen, die mit dem Velo in die im Grünen gelegene Fabrik zur Arbeit fahren, eine Fabrikantenvilla aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und Strickerin die mit ihrem «peppigen» Produkt, einer Kniesocke im Hahnentritt-Design, an der Textilmesse für Furore sorgen. Und wer entwirft die Stoffmuster? Textildesignerinnen gibt es in dem Film keine, die Firmenchefin engagiert eine Modedesignerin.
Vier mal im Jahr lädt Creative Zurich zu einem Themenabend ins Cabaret Voltaire. Gesa Schneider von Heller Enterprises wird diesen Mittwoch das Gespräch zum Thema Inszenieren moderieren. Ihre Gäste sind Janina Poesch, Schoscho Rufener und Tristan Kobler.
Creative Zurich ist ein offener und unabhängiger Verbund von Akteuren und Interessierten, die sich auf freiwilliger Basis für die Entwicklung der Kreativwirtschaft im Raum Zürich engagieren. Koordiniert wird die Plattform von der Wirtschaftsförderung der Stadt Zürich, der Standortförderung des Kantons Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Auf Projektebene entstehen situative Kooperationen mit weiteren Partnern aus Bildung, Forschung und Wirtschaft.