Tagebuch aus Moskau (2): Sonntagsfahrt

Die Hauptgasse des «Luxury Village» ist menschenleer. Liegt das an der Krise? Oder einfach am vielen Schnee? Oder an der Uhrzeit am Sonntagmorgen?
Die Ausfallachse Rubljowskoe Schosse und ihre Verlängerung Richtung Westen ist eine der am besten unterhaltenen Strassen der russischen Hauptstadt. Kein Wunder, liegen hier doch die Datschen von Regierungsmitgliedern und zahlreicher Oligarchen. In Barwycha, wenige Kilometer ausserhalb der Stadtgrenzen liegt das «Luxury Village» - ein Ladenzentrum für die oben erwähnte Klientel. Von Chopard bis Gucci, von Prada bis Bentley gibt es hier alles zu kaufen (aktuell: Sonderangebote für die 2009-Modelle von Maserati). Ungewöhnlich ist an der 2006 fertiggestellten Ladenstrasse, dass sie unter freiem Himmel liegt (mit Parking im UG), ungewöhnlich für Moskau ist aber auch die gradlinige Architektur. Das Projekt stammt von Meganom Architekten, die Umgebung, von der zurzeit wenig zu sehen ist, von West 8 Landschaftsarchitekten. Jüngste Zutat ist ein Konzertsaal.
Von hier aus ging es wieder Richtung Zentrum (Danke an meinen schneeerprobten Chauffeur Daniil!), wo wir po gorodu guljaly, durch die Stadt spazierten - vom Kreml bis zum Bjelorusskij Woksal, dem weissrussischen Bahnhof. Hier wurde Ende 2009 das Büro- und Geschäftszentrum Bjelaya Ploschtschad, der Weisse Platz, eröffnet. Das Projekt stammt vom Moskauer Architekturbüro ABD Architects und dem polnischen Büro APA Wojciechowski.

«Bjelaja Ploschtschad» heisst das jüngste Büro- und Geschäftszentrum der russischen Hauptstadt. Dass wir uns in Moskau befinden, merkt man fast nur an den zaghaft über den Streifen schreitenden Fussgängern auf den Verkehrsschildern.
«Nichts Besonderes», sagt, wer mit Schweizer Augen auf den Komplex blickt. «Doch allerhand», findet, wer diese Überbauung mit dem vergleicht, was hier sonst in den letzten Jahren entstanden ist. Für Moskau speziell sind die hohe Dichte, die schnörkellose Architektur, die recht präzise Ausführung und vor allem: Es gibt öffentliche Wegverbindungen, die von Läden gesäumt sind - und wo nicht sogleich ein Ochranik, ein Wachmann, kommt, um einen vom Fotografieren abzuhalten (wie beispielsweise im Luxury Village).
Ansonsten hat auch heute das Wetter die Schlagzeilen bestimmt. «Sneshnyj Apokalipsis» war die Schlagzeile des Fernsehsenders NTW. Na ja, als Schneeapokalipse erlebte ich das nicht. Aber die Zahlen die ein anderer Kanal nannte, sind doch eindrücklich: Innerhalb von 24 Stunden schafften die städtischen Dienste die Rekordmenge von fast 400'000 Kubikmeter Schnee von den Strassen. 12'000 Räumgeräte und 8000 Muldenkipper waren im Einsatz.


