Die Bürden der Ämter

[Presseschau]

Schmunzeln lässt uns - ein Nachtrag zur Presseschau - eine Notiz des «Tages-Anzeigers» aus dem Zürcher Kantonsrat. Erstmals wertete das Parlamentsbüro die Präsenzlisten aus. So kam ans Licht, wer meisten schwänzt: SP-Rätin Katrin Jaggi, Architektin und Mitglied der Geschäftsleitung des Stadtzürcher Amts für Städtebau. Nur an 44 von 55 Sitzungen war sie dabei. Wegen ihres Berufs: Als Zuständige für die Planungen des neuen Kongresszentrums und des neuen Stadions sei ihre Agenda randvoll. Auch die Sitzung am Montagnachmittag liess Jaggi sausen, weil sie an einer Sitzung ihren Chef Patrick Gmür vertreten musste.
Jaggi weiss, dass es so nicht weitergehen kann, schreibt der «TA» und zitiert sie: «Ich muss mich zwischen Beruf und Kantonsrat entscheiden. Fragt sich nur wann.» Zwischen Stadt und Kanton, könnte man auch sagen. Dass eine Architektin der Arbeit wegen ihre Ratspflichten vernachlässigt, hätte in der Branche kaum erstaunt. Dass ihr dasselbe als städtische Angestellte passiert, zeugt entweder von ihrem Engagement - oder von übertriebener Sitzungswut auf den städtischen Bauämtern.

Elektroauto «Mindset» vor der Liquidation

[Architektur]

Ende einer schönen Idee? Dem Mindset geht das Geld aus (Bild: mindset.ch).
Ende einer schönen Idee? Dem Mindset geht das Geld aus (Bild: mindset.ch).

Das Elektromobil «Mindset» steht laut «Tages-Anzeiger» vor dem Aus. Ohne frisches Kapital drohe die Liquidation, sagt Investor Lorenzo Schmid. «Eigentlich sollten die ersten Elektroautos der Firma Mindset bereits herumfahren. 10 000 Stück von dem schnittigen Zweisitzer wollte Lorenzo Schmid (...) in einer ersten Serie bauen. Daraus wird wohl nichts (...)». Gestern haben die beiden Manager und das Entwicklerteam ihren Austritt bekannt gegeben. «Und ein Professor, der als Aushängeschild im Verwaltungsrat sass, hat den Rücktritt eingereicht» schreibt der «Tages-Anzeiger». Dabei soll es sich um den Designprofessor Paolo Tumminelli handeln, der zusammen mit dem Autodesigner Murat Günak für das Design verantwortlich war. Als Grund für den Massenexodus werden «unüberbrückbare strategische und operative Meinungsverschiedenheiten» angegeben. «Die schwerste Krise in der Autoindustrie erschwert die Geldsuche zusätzlich. Der als schickes Lifestyle-Objekt mit Spurtqualitäten eines Sportwagens gedachte Mindset mit einem Verkaufspreis von 45 000 und 60 000 Euro in der ersten Serie passte nicht so recht in die Krisenzeit. Auch um den US-Konkurrenten Tesla mit einer Preisvorstellung von 100 000 Dollar ist es still geworden», heisst es im Artikel.

Hochparterre hat den Mindset in der Ausgabe 6-7/2009 vorgestellt. Das Heft kann hier bestellt werden.

Weitere Meldungen:

- Der Weg, den der Bundesrat beim Verzicht auf die Besteuerung des Eigenmietswerts gehen will, kommt in der Vernehmlassung schlecht an. «Verbände, Parteien und Kantone kritisieren namentlich Steuerabzüge, die Hausbesitzer nach wie vor geltend machen können», schreibt der «Tages-Anzeiger».
 
- Mitte Juni ziehen die Mieter in den Neubau von Knapkiewicz & Fickert Architekten am Zürcher Rigiplatz. Der «Tages-Anzeiger» stellt das Projekt vor.

- Neubau an der Winkelwiese 10 in Zürich: Der Stadtrat stellt Frank Binder ein Ultimatum. Wenn der Pharma-Erbe bis September kein Baugesuch einreicht, tritt die Stadt vom Baurechtsvertag zurück. Ein Bericht im «Tagi».

- Soll das zur Therme Vals gehörende Hotel nach den Plänen von Architekt Peter Zumthor ausgebaut werden oder nicht? Darüber wird in Vals gestritten. Ein neuer Verwaltungsrat soll wieder Ruhe in die Debatte – und ins Dorf – bringen. Die «NZZ» berichtet.

- Ebenfalls in der «NZZ»: Der Fotokünstler Hans Danuser hat im Collegium Helveticum ein «Kunst in Architektur»-Projekt realisiert. Danuser nutzt die Semper-Sternwarte als Bühne, um die interdisziplinäre Arbeit der dort tätigen Fellows künstlerisch befruchten.

- Die «Basler Zeitung» berichtet über die Debatte über den Wohnungsbau in Zürich im Vorfeld der Wahlen: «Während die SVP gegen die deutschen Zuwanderer Stimmung macht, will die SP den Anteil der Genossenschaftswohungen (...) erhöhen. Die FDP fürchtet ums Investitionsklima.»

- Kurven und krumme Wege: Die «Basler Zeitung» über Oscar Niemeyers umstrittenes Auditorium an der amalfitanischen Küste.

- Untersuchungen der Regionalkonferenz Bern-Mittelland haben gezeigt, dass die bisherige Erschliessung der Berner Innenstadt für das künftige Tram Region Bern die beste ist. Der Bau paralleler Gleisanlagen wäre zu aufwendig und schlecht für den Anlieferverkehr. Ein Artikel im «Bund».

- Natur- und Landschaftsschützer äussern sich kritisch zu den geplanten Windparks im Emmental. Der «Bund» berichtet.

Küng lauschte

[Architektur]

«… als wir nach der Jurierung essen gingen, da reklamierte Bob Gysin wegen dem Wein, und heute Abend sagte Zumthor dasselbe, er spendiere vom Preisgeld eine anständige Flasche. Ich bin so enttäuscht von dem, der am meisten schwafelt. Der Deplazes. Der hat ein Praktikum gemacht beim Zumthor, scheints. Der schwafelt! Das geht auf keine Kuhhaut, was der schwafelt …»

Solche Sätze über bekanntere Architekten liest man in der Fachpresse eher selten und auch nicht im «Blick», denn die Leserinnen und Leser des «Blick» wissen in der Regel noch nicht mal, wer Zumthor ist. Max Küng, unser Lieblingskolumnist des «Magazin» hat bekanntlich ein Faible für Architektur und horchte daher auf, als er neulich von Basel nach Zürich im Zug sass.

Er belauschte eine Dame, die ausser dem oben zitierten noch mehr Dinge von sich gab (die vollständige Kolumne ist hier zu lesen). Wir können den Zeitpunkt des Lauschangriffs noch genauer datieren: Es war der späte Abend des 14. Januar, nach der Preisverleihung des Tageslicht Award der Velux Stiftung im S AM. Zumthor war der Preisträger, Deplazes der Juryvorsitzende und das Ensemble ö! besorgte die musikalische Umrahmung (was im Text auch kommentiert wird).

Der Katalog zum Preis, ein Sonderheft der Hochparterre, werden die HP-Abonnenten übrigens mit dem März-Heft in ihrem Briefkasten finden. Natürlich ohne solch anzügliche Bemerkungen wie die oben zitierten.