Wie Zürichs Verwaltung mitsamt dem Stadtrat vor den SBB kuscht

[Architektur]
Westlink
Das Westlink in der Visualisierung des Atelier ww

Westlink wird das Gebiet genannt, dass die SBB Immobilien nördlich des Bahnhofs Zürich-Altstetten entwickeln. Das Areal steht bisher unter keinem guten Stern. Birchmeier Uhlmann und Park Architekten hatten den Studienauftrag gewonnen. Mit dem Bau hätte längst begonnen werden sollen. Doch die SBB haben «aufgrund von Meinungsverschiedenheiten die Zusammenarbeit beendet». Das Atelier ww, das beim Studienauftrag ohne Rang blieb, plant zurzeit an zwei Bauten. Für zwei weitere Häuser läuft ein neuer Wettbewerb. Gleichzeitig will die Stadt Zürich eine Tramschleife bauen und hat dafür den Vulkanplatz geplant. Gewonnen hat diesen Wettbewerb Mettler Landschaftsarchitektur.

Damit das alles baubar ist, dachten sich die Planer folgenden Deal aus: Die Stadt erhält Nutzungsrechte am Vulkanplatz, im Gegenzug verkauft sie ein Grundstück den SBB, das die Überbauung erst ermöglicht. Diesen Grundstücksverkauf hätte heute das Zürcher Parlament absegnen sollen – ein alltägliches Geschäft, würde man meinen.
Doch in Zürich herrscht Wohnungsnot. Und seit der Immobilienfonds der Credit Suisse den Escherpark mit 70 Wohnungen, erbaut von William Dunkel, ersetzen will, runzeln selbst bürgerliche Politiker die Stirn über die Immobilienentwicklung in «Downtown Switzerland». Denn die Siedlung ist in einem guten Zustand und die Mieten sind nicht besonders günstig. Im Gegenteil: im Escherpark wird bürgerlich gewohnt.

Und so kommt es, dass der Zürcher Gemeinderat diesen Landverkauf als Pfand entdeckte. Die vorberatende Kommission kam zum Schluss, dass die Bedingungen für die Stadt zu wenig attraktiv seien. Die Kommission beschloss Rückweisung und stellte gleich Forderungen auf: Das Land gibt es nur, wenn die SBB auch günstige Wohnungen bauen.
Statt den parlamentarischen Entscheid abzuwarten, machte sich eine Delegation aus dem Tiefbauamt, dem Amt für Städtebau und der Liegenschaftenverwaltung zu einem Gespräch mit den SBB auf. Dort zeigten sich die SBB offenbar zu keinen Eingeständnissen bereit. Denn als Folge sah heute der Stadtrat zwei Risiken: innert nützlicher Frist komme keine neue Übereinkunft zu Stande, wie es die Rückweisung verlange. Zweitens schreibt heute der Vizedirektor der Liegenschaftenverwaltung in einem Informationsmail: «Die SBB könnten – aufgrund der weitgehend fortgeschrittenen Arbeiten an dem in engem Einvernehmen mit den städtischen Planungsämtern (Tiefbauamt, VBZ, Amt für Städtebau) entwickelten Projekt für das Areal Westlink beim Bahnhof Altstetten – Schadenersatzansprüche erheben oder den Dienstbarkeitsvertrag aus dem Jahre 2005 für die Wendeschlaufen und den Stadtplatz in Frage stellen.»

Daraus lässt sich schliessen, dass die SBB hart geblieben sind: Keine Eingeständnisse, aber Drohungen. Der Zürcher Stadtrat liess sich beeindrucken und griff zu einem Winkeladvokatenzug. Er beschloss, das Grundstück nicht zu verkaufen und zog die entsprechende Weisung an den Gemeinderat heute morgen zurück. Damit aber das Westlink trotzdem gebaut werden kann, will er mit den SBB in eigener Kompetenz nachbarrechtliche Vereinbarungen abschliessen. Damit umgeht der Stadtrat das Parlament. Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch sagte vorgestern an der Diskussion über SBB-Areale, die Hochparterre mitveranstaltete, dass die Stadt leider nur bei noch nicht eingezonten Arealen etwas in der Hand habe. Ob sie am Montag schon wusste, dass sie heute zusammen mit dem Stadtradt ein weiteres Pfand aus der Hand geben würde?

Eine fliegende Forelle mit künstlichen Muskeln

[Design]

Aus der Designstudie «Airfish» von Raoul Rüegsegger...
Aus der Designstudie «Airfish» von Raoul Rüegsegger...

2007 hat Raoul Rüegsegger mit dem Projekt «Airfish» das Industrial Design-Studium an der ZHdK abgeschlossen. Aus «Airfish» ist an der EMPA jetzt «Blimp» geworden: ein Prallluftschiff, das mit Hilfe von elektroaktiven Polymeren (EAP) vorankommt und dabei den energieeffizienten Bewegungsablauf einer Forelle nachahmt. EAPs können «elektrische Energie direkt in mechanische Arbeit umwandeln, also in Bewegung» heisst es in der aktuellen Ausgabe der EMPA-News. «An beiden Seiten des Luftschiffs befinden sich EAP-Folien, die mit elektrisch leitendem Graphit - Kohlenstoff - beschichtet sind. An die dünnen Graphitschichten wird nun wechselseitig eine elektrische Spannung angelegt, dank derer der Blimp seinen charakteristischen Schwanzflossenschlag ausführen kann. So kommt das Prallluftschiff auf eine Geschwindigkeit bis zu einem Meter pro Sekunde.»

...wird an der EMPA der Prototyp «Blimp».
...wird an der EMPA der Prototyp «Blimp»: ein Luftprallschiff mit energieeffizentem Antrieb.

--> Bei der EMPA gibt es zum Projekt «Blimp» einen Video als Podcast zum Download

Auf welche übergeordneten Anforderungen ist die Bahn 2030 auszurichten?

[Presseschau]
Der Bund konkretisiert das Projekt Bahn 2030, die übernächste Etappe des nationalen Eisenbahn-Ausbaus. Aus der Sicht der ETH-Bahnfachleute Ulrich Weidmann und Jost Wichser drängt sich ein neuer Ansatz auf, wie sie in einem Artikel in der heutigen Ausgabe der «NZZ» darlegen. Die Mittel sind ihres Erachtens auf die grossen Achsen zu konzentrieren. «Dem Projekt Bahn 2030 kommt nicht mehr die undankbare Aufgabe zu, die etappierten Konzepte der Bahn 2000 und Alptransit abschliessen zu müssen. (...) Angesichts der Tragweite und Zeiträume stellen sich aber auf zwei Ebenen grundsätzliche Fragen: Ist die weitere Förderung der Mobilität wünschbar? Und: Auf welche übergeordneten Anforderungen ist Bahn 2030 auszurichten?» Antworten und fünf strategische Stossrichtungen liefern die Autoren in der «NZZ».

Weitere Meldungen:

- Die SBB schauten bei der Entwicklung ihrer wertvollen Grundstücke einseitig auf die Profitmaximierung, wurden SBB Immobilien und Bund an einer Diskussionsveranstaltung laut «NZZ» kritisiert. (Ein Bericht zur Diskussion lesen Sie auch auf «Hochparterre Schweiz».

- Die Stadt Zürich hat ihre Strategie zur Elektromobilität ausgearbeitet und testet bald 50 Electro-Smart, schreibt die «NZZ».

- Ebenfalls in der «NZZ»: Der Designer Ron Arad als Architekt. Die Tel Aviver Vorstadt Holon buhlt mit seinem spektakulären Designmuseum um internationale Aufmerksamkeit.

- Der Mensch und seine Maschinerien: Die «NZZ» rezensiert eine Ausstellung über Roboter und Automaten in verschiedenen Luganeser Museen.

- «Mit 120km/h quer durch die Stadt». Auf der längsten Eisenbahnbrücke der Schweiz fahren die Züge ab 2015 in 20 Metern Höhe nach Altstetten. Der «Tages-Anzeiger» nimmt das Projekt unter die Lupe.

- Aus für die allgemeine gestalterische Weiterbildung an der ZHdK: 5 Teilzeitdozierende verlieren ihren Job, der Kanton spart 700 000 Franken, meldet der «Tages-Anzeiger» (Mehr dazu auch auf «Hochparterre Schweiz»).

- «Der Kanton Bern ist die Steuerhölle für Hauskäufer», titelt der «Bund» und informiert darüber, dass der Hauseigentümerverband eine Volksinitiative zur Abschaffung der Handänderungssteuer lanciert.

- Der ehemalige Bauleiter Frank Oldorf ist Erstmieter einer Zwei-Zimmer-Wohnung im nagelneuen Wohnblock «Erlentor». Und er ist zugleich Pionier in einem Basler Stadtteil, den es noch gar nicht gibt. Ein Porträt in der «Basler Zeitung».

- Das Projekt «hameau carcéral» der Lausanner Architekten Guy Corbaz und Pascal Oulevay hat den Wettbewerb für eine Jugendstrafanstalt in Palézieux gewonnen. Die «24heures» berichtet.

- Die «Südostschweiz» fragt Pius Truffer,  den abgewählten Verwaltungsratspräsidenten der Hotel und Thermalbad Vals AG, nach seinen Differenzen mit Architekt Peter Zumthor: «Ich habe die Zumthor-Fahne 25 Jahre lang hochgehalten und gerade dafür auch viel Kritik geerntet (...). Ich wollte mit Peter Zumthor das beste Hotel der Alpen bauen, und ich bin von diesem Gedanken nach wie vor beseelt. Fragen über die Art der Zusammenarbeit mit ihm haben zum Zerwürfnis geführt. Wenn der neue Verwaltungsrat die Idee nun umsetzt, finde ich das grossartig – ob mit oder ohne Zumthor», sagt Pius Truffer in der «Südostschweiz».

Die ersten Design-Master in Luzern

[Design]

Master of Arts in Design
Die ersten Absolventen der Majors «Animage» und «Product Design & Management» stellen aus.

Gespannt betraten wir die Rössligasse 12 in der Luzerner Altstadt. Hier präsentieren die ersten Design Master ihre Abschlussarbeiten – «Animage» verbindet Animation und Illustration, «Product Design & Management» verknüpft Produktdesign mit Design Management. Die Werkschau hat uns enttäuscht: die Arbeiten sind zu dicht ausgestellt und es macht wenig Lust sich in die einzelnen Projekte zu vertiefen. «Sie können Produkte zielgerichtet vermarkten», verspricht die Info zum Studiengang «Master of Arts in Design». Davon war in den beiden Räumen an der Rössligasse leider wenig zu spüren.

Werkschau «Master of Arts in Design»
--> Noch bis Sonntag, 7. Februar 2010
--> jeweils 11.00 bis 20.00 Uhr
--> Hochschule Luzern - Design & Kunst