Andreas Grieninger ist der Geschäftsleiter der Firma Somfy in Bassersdorf, die Motoren, Steuerungen und Geräte für Sonnenstoren und Garagentore herstellen.
Andreas Grieninger, warum soll man automatische Sonnenstoren einbauen?
Weil man in Kombination mit dem Fensterglas die viel besseren Energiewerte erreicht. Wir haben Studien in Auftrag gegeben, die belegen, dass Glas alleine nicht auf die verschiedenen Einflüsse reagieren kann. Mit anderen Worten: Ein Glas kann nicht Wärmschutz im Winter und gleichzeitig Sonnenschutz im Sommer sein. Doch automatische Storen oder Rolladen sind genau auf die Wetter- und Benuzerverhältnisse abgestimmt.
Was sind Ihrer Meinung nach die ersten Massnahmen zur Gebäudesanierung?
Ganz klar: Automatischer Sonnenschutz einbauen.
Auch wenn ich alte Fenster habe?
Ja, weil es ist günstiger, also ungefähr gleich teuer wie neue Fenster, aber es bietet zusätzlich mehr Komfort. Und mit einer optimal abgestimmten Lösung von Fenster und Sonnenschutz kann man bis zu 30% Energie sparen.
Andreas Grieninger ist auch in unserer Leute-Galerie. Was er und andere Menschen an der Swissbau zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen haben, lesen Sie hier.
Eingeladen vom Stahlbauzentrum Schweiz in die Global Building Lounge, versuchte Holger Wallbaum (Professur für nachhaltiges Bauen der ETHZ) in einem halbstündigen Vortrag zu skizzieren, auf was es bei einer Ökobilanzierung von Bauteilen ankommt. Auf ziemlich viel, wie sich im Laufe des Referats herausstellte. Eine Ökobilanz verdient ihren Namen nur, wenn sie sich auf den gesamten Lebenszyklus eines Materials bezieht und auch Umweltwirkungen mit einbezieht. Ganz wichtig, so betont Wallbaum, ist es, vorher die Systemgrenzen festzulegen und die Seriosität und Aktualität der Datengrundlagen zu prüfen. Denn nur wenn Systemgrenzen, funktionelle Einheiten, Allokationsverfahren, Datengrundlagen und Wirkungsindikatoren identisch sind, ist die Vergleichbarkeit erst möglich. Noch Fragen?
Wallbaum illustriert die Schwierigkeit und Komplexität des Themas anhand zweier von unterschiedlichen Auftraggebern errechneten Ökobilanzen, die Holz- und Massivbau miteinander vergleichen: Im erste Fall (Autorin ist eine Hochschule) ist die Bilanz ausgeglichen, im zweiten (Autorin ist eine von der Holzindustrie finanzierte Agentur) ist Holzbau deutlich ökologischer.
Fazit: Trau, schau wem! Ökobilanzen sind aufwändig und die Tools bis anhin wenig umsetzungsfreundlich. Auch die Datengrundlagen sind nicht immer auf dem neusten Stand – aber nur wenn sie aktuell sind, sind die Bilanzen aussagekräftig.Es gibt also noch viel zu tun, den nur mit Ökobilanzen wird eine Vergleichbarkeit der Umweltauswirkungen von Baumaterialien erst ermöglicht. Für die Schweiz empfiehlt Wallbaum übrigens den Bauteilkatalog sowie die Bauproduktedeklaration des SIA.
Am Swissbau Future Forum redeten auch der Zukunftsforscher Matthias Horx und der Philosophe Peter Sloterdijk zum Thema «Nachhaltige Stadtentwicklung im Fokus von Philosophie und Trendforschung».
Horx zappte sich gewohnt schnittig, witzig und munter durch seine Powerpoint-Präsentation. Man bekam aber schnell das Gefühl, dass die Basis seines Vortrags immer die selbe ist – ob er nun vor Autobauern, Augenärzte oder eben Architekten spricht. Basis sind die von ihm formulierten vier Megatrends «Frauen», «Individualisierung», «Alterung» und «Arbeit». Sie untermalt der ehemalige Journalist mit weltweiten soziologischen Studien und Erhebungen, die beispielsweise zeigen, wie das Bildungsniveau und die Präsenz von Frauen weltweit in der Arbeitswelt zugenommen hat und weiter zunimmt. Oder wie der Single-Haushalt heute den traditionellen Familien-Haushalt überholt hat. Oder wie die physische und gefühlte Verjüngung der heutigen Senioren, Horx sprich von «Down-Aging», die klassischen Biographien zu «Multigraphien» werden lassen: Ein Leben werde heute durch mehrere Berufe, durch mehrere Beziehungen, durch mehrere Aufbrüche, durch mehrere Familien geprägt, so Horx.
Zum Schluss betet er noch die bereits verbreitet Veränderung der traditionellen Bürolandschaft (vom Grossraum- zum Multispace-Büro) nach und huldigt der kreativen Klasse, welche eben andere und neue Anforderungen an ihre Umwelt stellt. Wobei wir endlich beim Punkt wären. Die Arbeits- und Lebensraumanforderungen dieser ach so boomende kreative Klasse fasste Horx in der «3-T-Formel» zusammen: Technologie (Hard- und Software), Toleranz (Verschiedenheit fördert Kreativität) und Talente (Bildungspotential). Der Schluss aber, den der Zukunftsforscher aus seiner Analyse zieht, ist wenig zukunftsgewandt und vergleichsweise banal: Städte müssten die im Laufe der Industrialisierung vollzogene Entkoppelung der verschiedenen Funktionen einer Stadt wieder rückgängig machen und zum mittelalterlichen Modell zurückkehren, bei dem in nur einem Haus gearbeitet, geschlafen, produziert und gelebt wurde. Horx baut sich derzeit gerade in Wien ein solches Haus, das « Future Evolution House», das aber weder architektonisch-räumlich noch von der Haustechnik her besonders fortschrittlich ist. Ausserdem ist es höchstens im kleineren Massstab nachhaltig: Indem es «stadtnah, aber mitten in der Natur» liegt, wie Horx stolz auf seiner Homepage verkündet, verbraucht es selbstverständlich viel mehr Ressourcen, als ein Haus im städtisches Kontext, das die Infrastruktur nutzt, die bereits da ist.
P.S. Hochparterre lauschte Horx interessiert, musst sich aber bei Sloterdijk schon wieder verabschieden um das Gespräch mit Hansjürg Leibundgut zu führen, dem Professor für Gebäudetechnik an der ETH Zürich. Deshalb: Sloterdijks Vortrag kann hier runtergeladen werden oder man kann hier die lesenswerte Rezension auf Swiss-Architects nachlesen. Den Vortrag von Horx gibt's hier.
Was stellt man sich unter Global Building vor? Nicht so einfach in Worte zu fassen. Die Sonderausstellung mit diesem Namen nimmt sechs Schlagwörter aus dem Baufach und schreibt sie in riesigen Lettern auf vertikale grüne Fahnen: Projektinseln. Tauchen wir ein in die dunkle Kabine unter dem Wort "Projektentwicklung". Ein Tisch, ein Bildschirm, eine Tafel. Multimedial gesteuert bleibt die Besucherin stehen und konzentriert sich auf den Film. Irgendwann steht "Fragen Sie selbst." Aha, die 9 Plättchen auf dem Tisch mit den Fragen drauf lösen die Antworten aus. So erfährt die Besucherin zum Beispiel, dass schon die Ortswahl für die Nachhaltigkeit bedeutend sind. Antwort geben Politikerinnen wie Ursula Wyss, Raumplanerin Susanne Fischer, Architekten und Professoren wie Dietmar Eberle, Reto Milani, Holger Wallbaum und viele Fachleute mehr.
Die Inseln sind ferner "Planung", "Gebäude als System", "Umbau und Sanierung", "Betrieb und Unterhalt" und "Rückbau, Recycling, Wiederverwertung". Die Interviews mit den Fachleuten sind von hoher Qualität und die eine oder andere Antwort ergänzt doch das Wissen des wahrscheinlich gut informierten Publikums. Verschiedene Perspektiven werden der Besucherin bewusst, so dass zum Beispiel Bauherrschaften auf ein Denken von 50 Jahren eingestellt sind und Politiker im Moment da sind. Oder dass Stahl ein Material von hohem Wert punkto Nachhaltigkeit ist, weil es zu 98 Prozent wiederverwertbar ist. Die Schattenseiten aber sind die Herstellung.
Eine Ausstellung, die die Fragen, die wir mit uns herumtragen, auf den Tisch bringen und natürlich auch die Antworten – auf der theoretischen Ebene. Wenn man das System mit den Plättchen gecheckt hat.
In Basel läuft die Fachmesse Swissbau. Hochparterre-Schweiz ist live mit dabei. In der Rubrik «Swissbau2010» lesen und sehen Sie laufend Messeneuheiten. Die Swissbau ist nicht nur für unseren Hochparterre-Blog, sondern auch für die «Basler Zeitung» Anlass zu intensiver Berichterstattung. So erfahren wir heute, dass auch Stardesigner Philippe Starck kurz in den Messehallen war, um sein Küchen-Label «Starck by Warendorf» vorzustellen. – Die BaZ berichtet aber auch über die Basler Architekturdialoge, die es seit 30 Jahren gibt. Als nächste sind dort am kommenden Samstag, am 16. Januar ab 11 Uhr, Massimiliano Fuksas und Shigeru Ban im Kongresszentrum zu hören. – Und gleich noch eine Baugeschichte findet sich in der heutige BaZ: Die ersten Wohnungen im «Erlentor», auf dem ehemaligen Areal der Deutschen Bahn, sind fertig.
Weitere, ausgewählte Architektur- und Planungsstories in den heutigen Zeitungen:
- Die Zürcher Stadträtin Karin Martelli hatte die Münchner Vorschriften zum sozialen Wohnungsbau hart kritisiert, sich dabei aber auf zehn Jahre alte Informationen gestützt. Heute, so liest man im «Tages-Anzeiger», funktioniere das Münchner Abgeltungsmodell gut. Im Kanton Zürich fehle allerdings für eine ähnliche Regelung die rechtliche Grundlage.
- Ebenfalls im «Tages-Anzeiger»: Die Story über die «Akropolis» von Uffikon/LU, einer tempelartigen Skulptur, deren Säulen aus Zement-Abwasserrohren besteht.
- Die NZZ stellt heute die Neubauten auf dem neuen Westend-Campus der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. vor.
- Im «St. Galler Tagblatt»: Ein Grossprojekt für den Sport plant die Stadt Wil/SG. Sie hat sich von Implenia einen 58-Millionen-Franken teuren Komplex mit Stadion, Hallenbad und Eishalle entwerfen lassen. Ob die Stimmberechtigen dazu Ja sagen, wird sich erst Ende 2010 weisen.
Als die EPA noch im Saft war: das Geschäftshaus Zentrum an der Sihlporte Anfang 1987
(Foto: Werner Huber)
«Mis Mami chauft alles i de EPA», hiess einst ein Werbespruch. Eines dieser Günstig-Warenhäuser logierte im Geschäftshaus «Zentrum» an der Sihlporte in Zürich und markierte einen wichtigen Fixpunkt auf dem Weg aus der Stadt nach Aussersihl. Nach der Übernahme der EPA-Warenhäuser durch Coop gab es ein kurzes Zwischenspiel als Coop-City. Seit einiger Zeit hat ein Ramschladen die ehemaligen EPA-Räume übernommen. Das Haus, erbaut 1928-30 durch Architekt Otto Streicher, dämmert dahin.
Nun gibt es Hoffnung: Im heutigen «Tagblatt der Stadt Zürich» ist die Bauausschreibung für den Umbau des Geschäftshauses publiziert. Nach Plänen der Architektin Tilla Theus will die Neue Warenhaus AG das Haus umbauen. In den Obergeschossen werden Büros eingerichtet, im Erdgeschoss soll es kleinere Läden mit einem Mezzaningeschoss geben. Das Äussere des Gebäudes wird weitgehend in den Originalzustand zurückversetzt.